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Gladbach: Transfers und Kader - Roland Virkus und Daniel Farke positionieren sich

Kaderumbau und Transferperiode bei Borussia : Farke und Virkus haben sich positioniert

Roland Virkus hat durch Transfers und Vertragsverlängerungen sein Profil als Gladbach-Manager gestärkt, Trainer Daniel Farke durch seine Arbeit mit dem Team und klare Ansagen. Dazu gehört auch, dass Farke Verstärkungen fordert, aber auch weiß, was realistisch ist und was nicht.

Stephan Schippers wurde wiedergewählt. Borussias Geschäftsführer gehört weiterhin zum Aufsichtsrat der Deutschen Fußball-Liga. Seit 2010 ist Gladbachs Finanz-Boss ein ständiges Mitglied des Gremiums und wird es mindestens bis 2025 sein, so lange läuft das nun erneuerte Mandat. Sein Mönchengladbacher Geschäftsführer-Kollege Roland Virkus ist nach der Beförderung vom Nachwuchschef zum Manager Borussias hingegen im großen Bundesliga-Business noch recht neu, für Virkus ist es die erste Saison in dieser Verantwortung. Gleiches gilt, was die Bundesliga angeht, für Cheftrainer Daniel Farke. Beide sind dabei, sich zu positionieren.

Virkus hat zunächst durch den Zukauf des Japaners Ko Itakura aufhorchen lassen, schließlich war der 25-Jährige von Manchester City recht begehrt nach einer starken Saison auf Schalke. Und dann gab es die Vertragsverlängerungen mit dem Franzosen Alassane Plea, den viele Experten als definitiven Abgang des Sommers eingestuft hatten, und Nationalspieler Jonas Hofmann, dessen Entscheidung viele eher nach der WM erwartet hatten. „Wir haben eine für den Verein und die Spieler passende Lösung gefunden“, sagt Virkus. Dass dazu auch das Entgegenkommen des Klubs gehört, liegt auf der Hand.

Ob Plea und Hofmann tatsächlich bis zum nun vereinbarten Vertragsende 2025 bleiben oder vorher aussteigen aus dem Kontrakt, wird sich erweisen und von Angebot und Nachfrage reguliert werden. Für den Moment hat Virkus bei zwei wesentlichen Spielern erreicht, dass sie mindestens in dieser Saison für Gladbach spielen werden, beide sind aufgrund ihrer fußballerischen Qualität wesentliche Bausteine im Konzept Farkes. Und die Gefahr ist gebannt, dass Borussia zwei recht wertvolle Spieler im nächsten Jahr ablösefrei ziehen lassen muss. Wertsicherung ist das, könnte man sagen.

Gleichwohl besteht nach wie vor die Gefahr, dass die Gladbacher noch zwei Leistungsträger ziehen lassen, die Farke eigentlich voll einplant. Yann Sommer, der jüngst mit Manchester United in Verbindung gebracht wird, und Marcus Thuram, an dem ebenfalls Manchester United und Mailand interessiert sein sollen. Mit beiden ist Virkus in Gesprächen, das hat er stets betont. Mit den Verlängerungen von Plea und Hofmann hat er sein Profil aber bereits geschärft.

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Was Transfers angeht, wird derzeit neben dem Kroaten Dion Beljo auch über Leipzigs Norweger Alexander Sörloth diskutiert, dessen Vater Göran Ende der 80er Jahre mal für Gladbach spielte. Der 195 Zentimeter große Stürmer ist mit 26 Jahren im besten Fußballeralter und wäre ein passender Ersatz für den abgewanderten Breel Embolo, dessen Wucht Gladbach vorn verloren ging mit dem Wechsel des Schweizers zur AS Monaco.

Farke kennt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, aber nun auch den Kader der Borussen ganz genau. Und das Emsemble hat seine Tücken, das hat Farke festgestellt. Und hat das zuletzt selten unerwähnt gelassen. Er klagt nicht explizit ob seiner Situation, gleichwohl hat er keinen Zweifel daran gelassen, dass die Grenzen der Möglichkeiten aktuell eng gesteckt sind.

Farke hat die Gabe, die Dinge auf die nette Art in seinem Sinne zu regeln. Das hat er schon als Trainer-Manager beim SV Lippstadt gelernt und auch später in Norwich sein Ding durchgezogen: Er hat dort ablösefreie Spieler geholt, obwohl das in England verpönt ist, und er hat Ballbesitzfußball gespielt auch als Underdog. Farke überzeugt die Menschen von seinem Weg argumentativ, auch, weil er authentisch ist, er ist einerseits Kumpeltyp, andererseits aber auch ohne Wenn und Aber der Chef. Nicht immer, das hat er gleich zu Beginn gesagt, wird in der Gladbacher Kabine ein Gesprächskreis gebildet, wenn es um die Ausrichtung geht.

Ein großes Plus von Farke und Virkus: Sie machen keine unrealistischen Versprechungen und setzen um, was sie sagen. So war es bei Virkus mit seinem Plan für Borussia. Er sprach von der Rückkehr des Ballbesitzfußballs und holte den passenden Trainer dazu. Und so war es auch bei seinen bisherigen Personalrochaden. Er hat klar gesagt, dass es eine Transferperiode mit Tücken sein würde, eine, in der es bis zum letzten Tag vage bleiben kann.

Farke hat sich bewusst auf Gladbachs Situation eingelassen. Er passt, weil sein Stil mit dem Ansatz von Virkus übereinstimmt, er ist ein Fußball-Lehrer im klassischen Sinn, genau das braucht das Team. Er hat inzwischen aber auch fest- und klargestellt, welches Szenario zu was führen wird: Gibt es nicht noch Neue, sind die Ansprüche deutlich herunterzuschrauben, weil die Tiefe in der Breite des Kaders nicht so ausgeprägt ist.

Farke kennt die Ansprüche der Borussen, er soll den Verein fußballerisch zurückführen auf den Pfad der eigenen Tugend und des Erfolgs. Doch er weiß, wie sehr es dabei auch von Ergebnissen abhängt – und die wiederum von der Qualität des Teams. Farke spürt, dass er aus Gladbach viel machen kann mit den richtigen Rahmenbedingungen. Darum ist sein Verständnis für die Situation auch mit einem „trotzdem“ versehen. Virkus arbeitet daran, die Rahmenbedingungen möglichst zu optimieren. Beide Novizen haben sich nicht nur im Job positioniert, sondern auch als Team.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Vertragslaufzeiten der Borussia-Spieler