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Gladbach-Trainersuche: Lucien Favre ist der große Favorit

Trainer im Borussia-Check : Drei Gladbach-Kandidaten und der Pep-Faktor

Am Ende könnte es natürlich auch „Mister X“ werden. Aber die Namen Lucien Favre, Daniel Farke und André Breitenreiter halten sich am hartnäckigsten, wenn es um die Trainersuche bei Borussia geht. Wie sehr passen sie zum angepeilten Weg? Was die Antwort auch mit Pep Guardiola zu tun hat.

Borussia ist auf Trainersuche. Mit Adi Hütter hat es nicht so gepasst, wie erhofft, nun suchen Manager Roland Virkus und Chefscout Steffen Korell einen Coach, der Gladbachs neuen Weg mitgeht und prägt. Da Hütters Abschied länger als möglich eingestuft werden musste, haben die Borussen den Markt frühzeitig sondiert. „Ein Trainer-Scouting muss immer gemacht werden, man muss vorbereitet sein“, sagt Virkus. Bis zur Mitgliederversammlung am 30. Mai sollte die Hütter-Nachfolge geklärt sein.

Profil Mit der RB-Isierung des Borussen-Fußballs ist es vorbei. Und damit auch mit einer klaren Ausrichtung des spielerischen Konzepts an einen Trainer. Künftig soll es nicht mehr heißen, dass Spieler geholt werden müssen, die zum Rose- oder Hütter-Fußball passen, sondern, dass Trainer kommen, die zum Gladbacher Stil passen.

Den definiert Manager Roland Virkus so: „Borussia ist eine Mannschaft, die Fußball spielt. Nicht nur Ballbesitz, sondern das Attribut Attraktivität kommt dazu“, sagt der 55-Jährige. Borussia will wieder einen Fußball spielen, der für Borussia steht. Diesen muss der neue Trainer repräsentieren. Dass dieser eher nicht dem RB-Universum entstammt wie zuletzt Rose und Hütter, ist anzunehmen.

Stabilität wird ebenfalls ein wichtiger Faktor sein, eine gute Organisation, etwas mit dem Ball anfangen zu können und, indes nicht mehr als das wesentlichste Element, Pressingmomente. Mehr Manchester City als FC Liverpool könnte man sagen, Pep Guardiolas City zeigt, dass Halbfeldflanken und Kopfball-Tore ein Stilmittel sein können, kurz: Es geht um die weiterentwickelte Version von „Borussia Barcelona“. Vor diesem Hintergrund nehmen wir drei Kandidaten, die aktuell genannt werden, unter die Lupe.

Lucien Favre (64, vereinslos) Der Schweizer hat Borussia reanimiert, um sie dann in eine neue Welt zu führen, sie einen Fußball spielen zu lassen, über den Europa staunte, über Borussias Tiki-Taka, das die niederrheinische Version des von Guardiola entwickelten Barça-Stils war. Was Favre hinterlassen hat, ist die Basis von allem, was Gladbach groß machte seit 2011. Das Damals darf aber nicht der Maßstab sein, wenn es zu Favre 2.0 kommt, der Blick muss nach vorn gehen. Favre wäre wieder der Richtige, die nächste Gladbach-Ära einzuläuten.

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In Nizza und Dortmund hat er seinen Stil angepasst an die Erforderlichkeiten des derzeitigen Fußballs. Favre passt zum „Gladbacher Weg“ als Entwickler und Bessermacher. Den braucht Borussia jetzt. Und einen, der Stabilität bringt, um die Gegentor-Flut einzudämmen. Darin ist Favre ein Meister. Attraktiv ist sein Fußball zudem, nur spektakulär, das ist nicht Favres Ding.

Daniel Farke (45, vereinslos) Der Name Favre lässt die Gladbach-Fans also wieder von „Borussia Barcelona“ träumen. Als der Begriff geboren wurde, hieß Barças Trainer Guardiola – von dem sich ohne Verrenkungen eine Brücke schlagen lässt zu Farke. Der gebürtige Westfale erarbeitete sich in mehr als vier Jahren bei Norwich City einen exzellenten Ruf, Guardiola outete sich als Fan seines Fußballs, beide verbindet gar eine Freundschaft. In Norwich prägte Farke mit für englische Verhältnisse gar nicht so üppigen Mitteln einen attraktiven Fußball.

„Es gibt den Ansatz, zu pressen und im Umschalten gut zu sein. Unsere Vorstellung dagegen ist, im Ballbesitz kreativ zu sein. Wir werden immer unzufrieden sein, wenn der Gegner den Ball hat“, sagte Farke einst. Den Pep-Faktor bringt er also mit. Zweimal führte Farke Norwich in die Premier League. Die aktuellen Borussia-Profis werden sich vermutlich freuen, wenn sie lesen, dass er am häufigsten auf eine 4-2-3-1-Grundordnung setzt. Frei ist Farke nur, weil er im Februar seinen Vertrag bei Krasnodar auflöste nach dem russischen Angriff auf die Ukraine – ohne ein einziges Spiel gecoacht zu haben.

André Breitenreiter (48, FC Zürich) Der Titelgewinn mit dem FC Zürich ist die große Meisterschafts-Überraschung in Europa. In der Vorsaison hatte sich der ehemalige Favre-Klub noch knapp vor dem Abstieg gerettet, nun führte Breitenreiter ein beinahe unverändertes Team ganz nach oben. Der Niedersachse war nach seinem Aus bei Hannover 96 lange ohne Job, auch aus einem traurigen Grund: Erst starb Breitenreiters Mutter, dann pflegte er seinen dementen Vater. „Ich habe bei jeder Station erfolgreich gearbeitet. Aus unterschiedlichen Gründen wurde es jedoch nicht immer so wahrgenommen“, sagte Breitenreiter vor kurzem in der „Sport Bild“ über seinen Ruf als Trainer. Aufstieg mit dem SC Paderborn, Platz fünf mit dem FC Schalke, Aufstieg mit Hannover – tatsächlich kann er das für sich reklamieren.

So attraktiv Breitenreiters Spielweise mit dem FCZ auch sein mag, mit einem kleinen Warnhinweis ist der Titel zu versehen: Zürich zeigte eine schier unglaubliche Effizienz, 75:41 beträgt das Torverhältnis, nach Expected Goals müssten es 59:48 sein. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Erfolgsblase schnell wieder platzt.

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