„Das ist mir nahegegangen“ Sippel rettet den Sieg - Gladbach-Keeper gibt tiefe Einblicke

Mönchengladbach · Besonders emotional war Borussias 3:1-Erfolg gegen Stuttgart für Tobias Sippel. Nicht nur, weil Sippel mit einer starken Parade das 2:2 verhinderte, sondern auch, weil Gladbachs Torhüter in den Tagen zuvor mit sich zu kämpfen gehabt hatte. Wie sehr, das verriet der 34-Jährige nach dem Spiel.

Noten Borussia Mönchengladbach: Einzelkritik zum 3:1 gegen VfB Stuttgart
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Borussia - Stuttgart: die Fohlen in der Einzelkritik

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Mit dem Abpfiff sank Tobias Sippel vor seinem Tor auf die Knie, ballte die Hände zur Faust, schrie und ließ damit seinen Emotionen freien Lauf. Wenige Sekunden später sprang er in die Arme seines Torwarttrainers Fabian Otte, dem ersten Gratulanten. Es folgten Ersatztorhüter Jan Olschowsky und Cheftrainer Daniel Farke, die wussten, dass Sippel seinen Anteil am 3:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart hatte.

Der Torhüter selbst, der zum vierten Mal in dieser Saison Stammtorwart Yann Sommer vertrat, sprach nach dem Spiel von „Glücksmomenten“, von denen er in den letzten Minuten gleich mehrere erlebt hatte. Es waren die Gratulationen seiner Mitspieler, das Last-Minute-Tor seines Kumpels Patrick Herrmann zuvor, aber vor allem die 83. Minute, die Sippel unmittelbar nach der Partie im Kopf hatte. Serhou Guirassy hatte aus kurzer Distanz den Ausgleich für den VfB auf dem Fuß, Sippel lenkte den Ball aber mit dem Knie zur Ecke. 2:1 statt 2:2 – das Ergebnis auf der Anzeigetafel änderte sich nicht, Borussia blieb auf Drei-Punkte-Kurs.

Farke beschrieb die Szene als „Monsterparade“, einige Gladbach-Fans, die vor allem noch Sippels Patzer in der Vorwoche gegen Union Berlin im Kopf gehabt haben dürften, kommentierten etwas zynisch, Gladbachs Torhüter habe lediglich richtig gestanden. Doch das dürfte Sippel herzlich egal sein – und den jubelnden Anhängern nach dem Schlusspfiff sowieso.

Wie sehr Sippel in den vergangenen Tagen mit sich selbst und den Rückschlägen zu kämpfen hatte, verdeutlichen seine Aussagen. „Die vergangenen zwei Wochen waren mental relativ schwer für mich. Ich bin im Pokalspiel in Darmstadt mit den beiden Gegentreffern unglücklich reingekommen. Das ist mir in den darauffolgenden Tagen richtig nahegegangen. Bei Union Berlin war es auch nicht gerade einfach für mich“, sagte Sippel. „Mein großes Plus war es immer, da zu sein, wenn ich gebraucht wurde. Und das war ich jetzt zweimal nicht. Deswegen tat mir das auch enorm weh. Ich bin stolz auf die Jungs, dass sie mir trotzdem weiterhin das Vertrauen geschenkt haben.“

Auch Christoph Kramer, der bei der Stuttgarter Chance bereits von der Zehnerposition in die Innenverteidigung gerückt war, wusste genau, bei wem er sich nach dem Spiel zu bedanken hatte. „Ich war noch nie in der Situation, weil ich noch nie zweiter Torhüter war. Aber es ist vom Kopf her ganz, ganz schwer für ihn gewesen. Deshalb hat es mich ganz krass für ihn gefreut, dass er uns in der Nachspielzeit das Ergebnis gerettet hat“, sagte Kramer. Eine weitere Anerkennung erfuhr Sippel durch Marcus Thuram, der seinen Eckfahnen-Jubel bei der Siegesfeier vor der Nordkurve wieder aufleben ließ und erstmals das Torwarttrikot über die Fahnenstange stülpte. Zelebriert wurde diesmal in Neongelb.

Vier Schüsse brachte der VfB auf Sippels Tor, Tiago Tomás gelang in der 35. Minute nach einer starken Einzelaktion der Anschlusstreffer. „Das war ein blödes Gegentor, das so nicht in den Plan gepasst hat“, sagte Sippel. Mit dem Tor kippten die Spielanteile zunächst mehr auf die Seite der Gäste – ein Faktor, an dem sich der 34-Jährige störte. „Wir versuchen es seit Wochen schon umzusetzen, dass wir einfach gnadenlos weiterspielen, wenn wir in Führung sind. Im Moment ist es so, dass wir das Gefühl vermitteln, dass wir dann nicht mehr so auf das zweite Tor drücken oder die Chancen nicht nutzen“, sagte er.

Gladbach: Fan-Reaktionen zum 3:1 gegen Stuttgart -„Pass wie ein Gemälde“​
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Reaktionen der Borussia-Fans zum 3:1 gegen Stuttgart

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Dass die Startphase mit zwei Gladbacher Toren in den ersten 25 Minuten dennoch effektiv verlief, lag auch an Sippel, der mit seinem riskanten Pass auf Jonas Hofmann das 2:0 eingeleitet hatte, das Thuram nach einer starken Kombination erzielte. Danach war Sippel zwar lange nicht extrem gefordert, aber voll da, als er in jener 83. Minute gebraucht wurde. „Der Sieg war enorm wichtig für uns und unsere Köpfe. Wir haben in den letzten beiden Bundesligaspielen nicht gepunktet. Deswegen wollten wir heute Vollgas geben und gerade zu Hause drei Punkte holen. Ich bin sehr glücklich, dass uns das gelungen ist“, sagte Sippel.

Da Sippels Torwart-Kollege Sommer bislang lediglich ins Lauftraining eingestiegen ist, ist ein weiterer Einsatz Sippels am Dienstag (20.30 Uhr) beim VfL Bochum wahrscheinlich. Die gute Nachricht für alle Borussen: Sein Selbstvertrauen hat Sippel gegen Stuttgart wieder aufgetankt.

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