Borussia-Talk zu Sexismus im Fußball „Es ist ein beruhigender Gedanke, eine Frau dabei zu haben“

Mönchengladbach · Im Rahmen der Sonderausstellung „Verantwortung in Fußballschuhen" diskutierten zwei Spielerinnen der Borussia sowie Vertreter der Fanszene über Sexismus im Fußball. Neben den Erfahrungen mit Beleidigungen und Diskriminierung gibt es aber auch positive Entwicklungen.

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Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Es ist nicht irgendeine Sonderausstellung, die Borussia noch bis Anfang April den Besuchern ihres Vereinsmuseums bietet. Unter dem Titel „Verantwortung in Fußballschuhen“ thematisiert sie die verschiedenen Ausprägungen der Diskriminierung auf und neben dem Fußballfeld und das Engagement des Klubs für Vielfalt und Toleranz – und begleitet dies sowohl mit einem interaktiven pädagogischen Rahmenprogramm als auch mit einer Veranstaltungsreihe zum Thema.

In dieser ging es nun um Sexismus im Fußball. Dazu hatte Moderator Torsten Knippertz Borussias Spielerinnen Madita Giehl und Jessica Hackenberger, Thomas Ludwig vom FPMG-Supporters Club sowie Borussias Fanbeauftragte Jennifer Frankeser in das Kino „Bökelberg“ des Museums eingeladen. Gemeinsam erörterten sie, wie sich Sexismus im Fußball konkret äußert – auf und neben dem Fußballplatz. Giehl und Hackenberger berichteten dabei auch von ihren Erfahrungen, die sie bereits im Kindesalter gemacht haben. „Am häufigsten bekommst du dann zu hören, dass du als Mädchen doch eh nicht Fußballspielen kannst“, sagte Giehl.

Bei Borussia steht den Spielerinnen eine Ansprechpartnerin zur Verfügung, sollte es zu einem Fall von Sexismus im Verein kommen. „Bislang mussten wir das aber zum Glück noch nie in Anspruch nehmen“, sagte Giehl, die zudem positiv hervorhob, dass Borussias Frauenmannschaft in Nicole Hammling eine Betreuerin hat: „Wir verstehen uns zwar super mit unseren männlichen Trainern, aber gerade für Neuzugänge, die in der Regel noch sehr jung sind, ist es ein beruhigender Gedanke, eine Frau dabei zu haben.“

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Foto: dpa/Bernd Thissen

Solche Ansprechpartnerinnen und Anlaufstellen gibt es nicht in allen Vereinen, diese leidvolle Erfahrung machte eine Freundin Hackenbergers. „Sie wurde bei sich im Verein von ihrem Trainer belästigt und wusste nicht, wie sie sich aus der Situation retten kann. Letztendlich hat sie den Verein gewechselt und wenig später mit dem Fußball aufgehört“, berichtete Hackenberger.

Doch nicht nur die Spielerinnen können von Beleidigungen und Diskriminierung betroffen sein, sondern auch die Fans. „Darüber reden nur die wenigsten gerne, aber das Stadion ist ein Abbild der Gesellschaft, dementsprechend findet Sexismus auch auf den Rängen statt“, sagte die Fanbeauftragte Jennifer Frankeser. Sie und Ludwig betonten zwar auch, dass es in den vergangenen Jahren kleine Fortschritte gegeben habe, „nichtsdestotrotz muss man sagen, dass es Diskriminierung wohl leider immer geben wird“, sagte Ludwig.

Das Geschlecht solle keine Rolle spielen beim Fußball, egal ob auf dem Platz oder in der Fankurve – das war der Wunsch aller Beteiligten der Talkrunde. „Ich möchte auch, dass ich auf dem Platz einfach als fußballspielender Mensch wahrgenommen werde, der einfach Spaß an dem Sport hat“, fügte Hackenberger noch hinzu.

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Foto: Heiko van der Velden

In den kommenden Wochen und Monaten wird es weitere Veranstaltungen zum Thema „Verantwortung in Fußballschuhen“ geben. Am 12. Januar wird es um die deutsch-israelische Fußball-Freundschaft gehen. Und am 28. Februar wird zum Thema „Fankultur und Vielfalt – Diskriminierung und Antidiskriminierung in der Kurve“ neben Vertretern der Gladbacher Fanszene auch Borussias Kapitän Lars Stindl zu Gast sein.

(togr)
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