Beim 2:0 gegen Wolfsburg Pfiffe, Ostereier - und dann Borussias „Sieg für die Fans“

Mönchengladbach · Nach Wolfsburgs Abseitstor flogen Ostereier auf das Spielfeld. Vor dem Anpfiff gab es Pfiffe gegen Ramy Bensebaini und Marcus Thuram. Was die Aktionen der Fans zu bedeuten hatten – und was die Borussen dazu sagten.

 Gladbacher Ordner sammeln die Ostereier ein, die aus der Kurve flogen.

Gladbacher Ordner sammeln die Ostereier ein, die aus der Kurve flogen.

Foto: Ja/Dirk Päffgen

Als der Wolfsburger Omar Marmoush am Ostersonntag den Borussen nach zehn Minuten ein Ei ins Nest gelegt hatte nach einem schlimmen Fehlpass von Christoph Kramer, flogen aus der Nordkurve des Borussia-Parks bunte Ostereier auf den Rasen, geworfen von Fans in Osterhasen-Kostümen. Der Klub schien vorbereitet, sogleich waren Ordner zur Stelle, die die Eier einsammelten - aus der Stadionregie gab es eine Ermahnung, während Schiedsrichter Timo Gerach das Tor kontrollierte und wieder einkassierte.

Die Fan-Aktion hatte indes nichts mit der Leistung des Teams zu tun, sondern war ein Protest gegen die Spielansetzungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), bei denen Gladbach oft an Sonntagen spielt und weniger als jeder andere Bundesligist zur Original-Bundesliga-Anstoßzeit samstags um 15.30 Uhr. In der Kurvenzeitschrift „Blockflöte“ erklärten die Gladbacher Ultras die Aktion. „Den heutigen Spieltag werden wir dazu nutzen, um ein deutliches Zeichen gegen diese unfaire Praxis und für längst überfällige Reformen der DFL zu setzen“, heißt es. Und dann: „Eure Spielansetzungen gehen uns auf die Eier.“ Was die Wahl der Wurfgegenstände erklärte.

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Foto: dpa/Marius Becker

Genervt sind die Fans indes auch von eigenen Spielern, weil diese künftig keine Borussen mehr sein werden und daher in den Verdacht geraten sind nach zuletzt schwachen Leistungen, nicht mehr alles für Gladbach zu geben: Ramy Bensebaini, der wohl zu Borussia Dortmund gehen wird, und Marcus Thuram, dessen Zukunft noch ungeklärt ist, wie er nach dem 2:0-Sieg, bei dem er mit einem Assist und einem Kopfball-Tor ein Hauptdarsteller war, sagte. Beide wurden mit lauten Pfiffen bedacht, als die Gladbacher Aufstellung verlesen wurde.

Roland Virkus gefiel das nicht sonderlich. „Es sind unsere Spieler und es geht darum, unsere Spieler zu stützen. Keiner von den Jungs hat sich etwas zu Schulden kommen lassen, wir wussten immer, was mit ihnen ist. Ich denke, sie haben die richtige Antwort gegeben und das freut mich auch“, sagte der Sportdirektor nach dem Spiel.

„Generell haben sich beide ins Spiel gekämpft, man hat bei beiden gemerkt, dass sie nicht vor Selbstvertrauen gestrotzt haben. Sie haben dann aber eine gute Leistung gebracht“, befand Trainer Daniel Farke. Die Pfiffe zeigten offenbar Wirkung auf das Nervenkostüm der beiden Profis, denen während des Spiels auch ein Plakat gewidmet wurde: „Wer es besser könnte, aber nicht macht, hat in Gladbach seine längste Zeit verbracht“, stand darauf.

Farke äußerte Verständnis für die Emotionen der Fans, plädierte aber auch dafür, sich künftig wieder hinter die Spieler zu stellen. „Ich kann total verstehen, wenn ein gewisser Frust und eine gewisse Unzufriedenheit da sind, wenn sich ein Spieler nicht für uns entscheidet. Da ist normal, dass bei so einem großen Verein ein paar Emotionen da sind. Das ist menschlich, aber man sollte es nicht überbewerten. Wir sollten wieder dahin kommen, die Spieler zu unterstützen, sie haben über Jahre gute Leistungen für Borussia gebracht“, sagte Farke.

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Foto: dpa/Uwe Anspach

Torwart Jonas Omlin hat auch schon erlebt, dass es Pfiffe der Fans gegen Spieler des eigenen Teams gab. „Das kenne ich auch. Die ganze Mannschaft wurde schon ausgepfiffen im eigenen Stadion. Das kommt vor, wenn die Leistungen nicht stimmen. Aber wenn sie so spielen, Tore schießen wie Marcus und wie Ramy gut verteidigen, dann ist es die beste Antwort, die man geben kann“, sagte der Schweizer.

Schon in der vergangenen Saison hatten sich die Fans schriftlich an damals abwanderungswillige Spieler gewandt. Erst beim 3:3 in Freiburg und dann beim 3:1 gegen RB Leipzig. „Kampflos, willenlos, charakterlos - hoffentlich werden wir euch Söldner bald los“, war in der Nordkurve des Gladbacher Stadions zu lesen. Damals war es Ende April/Anfang Mai, als die Fans dem Team die Meinung sagten. In der Folge suchte Kapitän Lars Stindl den Dialog mit den Fans. In Freiburg wurde sein später Ausgleich demonstrativ nicht bejubelt.

Während des Spiels gegen Wolfsburg gab es aber Support für das Team, das sich ins Spiel reinarbeitete, als Thuram traf feierten die Fans den Treffer und riefen wie üblich „Dank, Marcus!“. Florian Neuhaus sah sogar einen Doppelpass mit der Kurve während der 90 Minuten. „Es war ein schweres Heimspiel, wir haben es auf unsere Seite gezogen. Es ging nur gemeinsam mit den Fans“, sagte er.

Nach dem Spiel fand sich die Mannschaft gesammelt vor der Kurve ein. Ihr Osterpräsent an die Fans war der achte Heimsieg - und so gab es zum Abschied dann auch wohlgemeinte Gesänge der Fans. Bensebaini und Thuram, der seine Tore mit einem neuartigen Bogenschützenjubel und seiner üblichen Salut-Geste feierte, waren mit dabei bei der Zusammenkunft vor der Kurve.

„Ich bin super froh und stolz, dass wir den Sieg vor unseren Fans holen konnten. Sie haben uns auch in schwierigen Zeiten immer gepusht, der Sieg ist für die Fans“, sagte der Franzose, der zum Matchwinner wurde mit einer Vorlage für Nathan Ngoumou und seinem 13. Saisontor.

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