Derby-Wochenende vor zehn Jahren Als Borussia die Europa-Rückkehr feierte und Köln demütigte

Mönchengladbach · Am 15. April 2012 kam der 1. FC Köln unter völlig anderen Umständen zum Derby nach Gladbach. Borussia feierte nicht nur einen historischen Sieg über den Rivalen, sondern besiegelte zwei Tage vorher als Zuschauer einen sensationellen Erfolg. Ein Profi kopierte sein Traumtor aus dem Hinspiel.

Juan Arango: Alle Freistoß-Tore für Borussia Mönchengladbach
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Juan Arangos Freistoßtore für Borussia Mönchengladbach

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Foto: dpa, Roland Weihrauch

Beide Male ist Borussia Mönchengladbach auf der Couch abgestiegen. Denn wann immer es eng wurde, schaffte der Klub auch den Klassenerhalt. Am 11. Mai 1999 wischte Werder Bremens Sieg im Nachholspiel gegen Schalke 04 die ohnehin nicht mehr vorhandene Hoffnung weg, am 29. April 2007 sorgte eine Bremer Niederlage bei Arminia Bielefeld für endgültige Gewissheit.

Doch genauso wie die beiden Tiefpunkte dieser tristen Epoche lange absehbar waren und im Moment selbst nicht mehr für große Tränenausbrüche sorgten, war das offizielle Ende der Leidenszeit keine Überraschung mehr und verursachte in Gladbach nicht den eigentlich angebrachten Autokorso: Am 13. April 2012, vor genau zehn Jahren, stand Borussias Rückkehr nach Europa endgültig fest – weil Bremen an einem Freitagabend 1:4 beim VfB Stuttgart verlor. Platz sieben und damit der Einstieg in die dritte Runde der Europa-League-Qualifikation war Borussia nicht mehr zu nehmen.

„In Kopenhagen schellt das Telefon“, das Lied vom Europapokal, sangen die Fans damals bereits seit Monaten. Die Besiegelung des sensationellen Erfolges – gemessen daran, dass Gladbach sich knapp ein Jahr zuvor ebenso sensationell noch in der Relegation gerettet hatte – fiel in die schwächste Phase der Saison. „Borussia Barcelona“ war geboren worden und Lucien Favres Mannschaft hatte zwischenzeitlich im Titelrennen mitgemischt. Nach dem bitteren Pokal-Halbfinal-Aus gegen den FC Bayern im Elfmeterschießen verlor Gladbach zwei Spiele und spielte zweimal Unentschieden. Aus dem dritten Platz, der die direkte Champions-League-Qualifikation gebracht hätte, wurde der vierte mit zwischenzeitlich fünf Punkten Rückstand auf Schalke.

Borussia Mönchengladbach: Startelf beim VfB Stuttgart
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So könnte Borussias Startelf in Stuttgart aussehen

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Als am 15. April dann der 1. FC Köln zum Derby kam, ging es vor allem darum, die Play-offs zur Königsklasse zu sichern und nach fünf sieglosen Heimspielen mal wieder im Borussia-Park zu gewinnen. Der rheinische Rivale kam da gerade recht, sportlich gezeichnet und im Selbstzerfleischungs-Modus unterwegs. Juan Arango kopierte früh sein Freistoßtor aus dem Hinspiel: Da 20 Meter zum Tor für den Venezolaner bekanntlich zu nah waren, legte er den Ball zweieinhalb Meter zurück, um ihn über die Mauer in die untere Ecke zu zaubern. Jeder Gladbacher Treffer sollte ein besonderer sein in diesem Derby: Tony Jantschke erzielte per Kopf sein zweites von bis heute erst fünf Bundesliga-Toren. Und bereits in der 55. Minute sorgte Marco Reus nach einem Dribbling, bei dem er zwei Gegner tunnelte, für den Endstand – nicht sein letztes Tor im Borussia-Park, aber sein letztes für Gladbach in diesem Stadion.

Juan Arango zirkelt den Ball am 15. April 2012 über die Kölner Mauer ins Tor. In seiner Gladbach-Zeit erzielte der Venezuelaner insgesamt drei Derby-Tore.

Juan Arango zirkelt den Ball am 15. April 2012 über die Kölner Mauer ins Tor. In seiner Gladbach-Zeit erzielte der Venezuelaner insgesamt drei Derby-Tore.

Foto: Dieter Wiechmann/Wiechmann, Dieter (dwi)

4:0, 5:1, 3:0, 3:0 – dieser Sieg markierte auch den Höhepunkt einer Phase, in der Borussia die Kölner regelmäßig demütigte. Dabei hatte Gladbach die ersten beiden Siege der Serie als Schlusslicht eingefahren. Wiedersehen sollten sich die Rivalen auf dem Rasen erst im September 2014. Der FC stieg am Saisonende ab, Borussia landete letztlich souverän auf Platz vier und ließ am 21. August 2012 gegen Dynamo Kiew erstmals die Champions-League-Hymne im Borussia-Park erklingen. Sechsmal binnen zehn Spielzeiten qualifizierte sich Gladbach für Europa, ein siebtes Mal binnen elf wird es mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht geben. Wenn Köln am Samstag zu Gast ist, geht es zunächst einmal darum, zum ersten Mal seit 32 Jahren zwei Derbypleiten in einer Saison zu verhindern. Und nebenbei steht eine weitere Serie auf dem Spiel, die 2012 ihren Anfang nahm: Die Punkte gegen den FC kann Borussia gut gebrauchen, um es aus der Zwei- noch in die Einstelligkeit zu schaffen.

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