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Gladbach: Patrik Andersson über seine Zeit bei Borussia und den Pokalsieg 1995

Pokalsieger Patrik Andersson : „Wir hatten die Borussia-DNA“

Der Schwede Patrik Andersson holte mit Borussia 1995 den DFB-Pokal und brachte die Viererkette mit in die Bundesliga. Am vergangenen Wochenende war er im Borussia-Park zu Besuch. Was für ihn das Pokalsieger-Team ausgemacht hat und wie er auf die heutige Fohlen-Generation schaut.

Patrik Andersson schaute sich die Erinnerungen an den Triumph von 1995 ganz genau an. Er war wie die meisten anderen Pokalsieger von einst Borussias Einladung gefolgt und besuchte mit den früheren Kollegen die Ausstellung „Berlin, Berlin, wir waren in Berlin“ im Vereinsmuseum „Fohlenwelt“. Andersson war damals eines der Gesichter eines großen Gladbacher Teams. Im Gespräch mit unserer Redaktion erkläre er das Geheimnis dieser Mannschaft und sprach darüber, wie er dazu beitrug, dass die Viererkette in der Bundesliga ankam.

Herr Andersson, wie fühlt sich die Erinnerung an den Pokalsieg von 1995 an?

Andersson Es fühlt sich großartig an. Es ist der letzte Titel des Klubs und wir haben ihn geholt. Es sind tolle Erinnerungen, die hochkommen: An die tolle Atmosphäre im Stadion, an die Rückfahrt von Berlin, an die große Feier hier in Gladbach. Wir haben damals etwas Großes zusammen erreicht, wir haben zusammen gefightet, zusammen gewonnen, das vergisst man nie. Es war ein Pokal für die Stadt, für die Fans. Fußball ist wichtig für diese Stadt.  

Was war das Geheimnis dieser Mannschaft?

Andersson Ich glaube, dass es viel Rock‘n‘Roll war. Wir hatten die Borussia-DNA, wir haben sehr gut zusammen harmoniert und hatten viel Qualität. Viele Spieler waren in den zwei, drei Jahren auf ihrem höchsten Level, denke ich. Und wir hatten einfach immer das Gefühl, dass wir jeden Gegner schlagen konnten, vor allem auf dem Bökelberg. Und wir haben auch fast jeden geschlagen. Für den ganz großen Wurf in der Liga fehlte uns vielleicht die Kontinuität, aber wir hatten zwei tolle Jahre.

Sie haben danach noch bei den Bayern und in Barcelona gespielt, waren mit den Bayern Champions-Leage-Sieger, zweimal Meister und nochmal DFB-Pokalsieger. Was bedeuten die Jahre bei Borussia Ihnen?

Andersson Es war sportlich eine sehr gute Zeit. Ich kam ziemlich jung her und hatte dann eine tolle Entwicklung. Für mich war es damals, als ich aus Blackburn kam, wichtig, eine gute Umgebung zu haben und die hatte ich in Gladbach.

Für Sie hat Trainer Bernd Krauss bei Borussia die Viererkette eingeführt. Es war eine Innovation in der Bundesliga.

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Andersson Es hat sich später gezeigt, dass die Viererkette die Zukunft war. Heute spielen alle Raumdeckung. Wir hatten schon in Malmö bei Roy Hodgson und im schwedischen Naionalteam die Viererkette gespielt. Für mich war es selbstverständlich und wir haben es dann in Gladbach erfolgreich gemacht.

Sie schauen aus der Entfernung weiter auf Borussia. Wie beurteilen Sie die Situation?

Andersson Borussia hat vieles aufgebaut in den Jahren. Aber wenn der Erfolg da ist, gehen auch die besten Spieler, das hat dann Folgen. Man muss umbauen. In dieser Saison war viel Unruhe. Ich hoffe, dass es für Borussia reicht mit dem Klassenerhalt. Dann kann Borussia nächste Saison wieder angreifen.

Das war nach dem Pokalsieg 1995 auch so: Wichtige Spieler gingen weg, vier Jahre später stieg Borussia ab.

Andersson Das stimmt. Wir hatten Superstürmer in der Saison, als wir den Pokal gewonnen haben und plötzlich waren drei auf einmal weg. Wir haben das nicht auffangen können, es war sehr schade. Damit hatte auch das Bosman-Urteil zu tun. Vorher konnten wir gut mithalten, danach fehlten die finanziellen Möglichkeiten, auch wegen des kleinen Stadions. Und was ich schon sagte: Wir hatten damals die DNA des Vereins, die dann aber in den Jahren danach verloren ging. Erst Jahre später mit Hans Meyer kam diese DNA zurück.

Eine klare DNA ist wichtig?

Andersson Man muss die Geschichte des Vereins kennen und sich damit identifizieren. Das ist enorm wichtig gerade für einen Klub wie Borussia. Das war damals so und ist auch heute so.