Finanzboss Schippers erklärt Borussia wird teurer – und geht gegen die No-Show-Rate an

Mönchengladbach · Borussia hat ihren Dauerkarten-Inhabern mitgeteilt, dass die Saison-Tickets zur neuen Spielzeit teurer werden – und dass sie bei einer Mindestzahl von Spielen genutzt werden müssen. Finanz-Boss Stephan Schippers erklärt die Maßnahmen.

 Stephan Schippers verkündet eine Preissteigerung.

Stephan Schippers verkündet eine Preissteigerung.

Foto: Jens Dirk Paeffgen (jdp)

Die Dauerkarten-Inhaber bekommen in diesen Tagen Post von Borussia. Es gibt Neuerungen für jene, die sich ein Saison-Ticket sichern. 30.000 davon wird es wieder geben, und wie in den vergangenen zwölf Jahren werden sie alle vergeben sein für die neue Saison, auch wenn die abgelaufene Spielzeit den Fans nur wenig Spaß gemacht hat.

„Eine Dauerkarte für Borussia zu besitzen, ist unter Fans ein absolutes Privileg. Das zeigt die Tatsache, dass wir zuletzt zwölf Mal in Folge unsere selbst auferlegte Maximalgrenze von 30.000 Dauerkarten erreicht haben und gleichzeitig eine Warteliste für Dauerkarten besteht, die von Jahr zu Jahr länger wird“, sagt Geschäftsführer Stephan Schippers in einem Interview auf der Vereinsseite. Gleichwohl gibt es eine weniger gute Nachricht für die Fans – und es gibt Neuerungen.

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Foto: Dirk Päffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Zum einen wird Borussia im Stadion zu gucken teurer. „Wenngleich wir Preissteigerungen rund um die Abwicklung eines Spieltags nicht Eins-zu-eins an unsere Fans weitergeben, haben wir uns dazu entschieden, die Preise für Dauerkarten um rund zehn Prozent zu erhöhen“, sagt Schippers. Das dürfte aufgrund des Abwärtstrends der vergangenen Jahre für Rumoren in der Fanszene sorgen.

Was die Preissteigerung konkret bedeutet, rechnet Schippers am Beispiel einer (subventionierten) Stehplatz-Dauerkarte in der Nordkurve vor. „Der Vollzahler-Stehplatz für Dauerkarten-Inhaber in der Nordkurve kostet künftig 13,53 Euro pro Spiel. Da der Dauerkarten-Preis traditionell stark subventioniert ist, liegt der Preis pro Heimspiel damit weiterhin merklich unter dem Preis für die günstigste Stehplatz-Tageskarte in der abgelaufenen Saison, die 16 Euro kostet“, sagt Schippers.

Gladbach: Dauerkarten zwischen 20 und 75 Euro pro Saison teurer

Zuletzt wurden die Dauerkarten 2022 teurer. Allgemein kostet „je nach Dauerkarten-Kategorie ein Bundesliga-Heimspiel in der neuen Saison für den Dauerkarten-Inhaber zwischen 1,18 Euro und 4,42 Euro mehr“. Für die 17 Heimspiele sind das summiert zwischen 20 und 75 Euro.

Es gibt eine zweite Neuerung, und die hat mit einem Phänomen zu tun, das in der Bundesliga im Schnitt rund zehn Prozent der Dauerkarten-Inhaber betrifft: die No-Show-Rate, deren Tendenz steigend ist. Borussia liegt bei einer Quote von bis zu zehn Prozent, also lassen dann über 5000 Menschen ihr Ticket ungenutzt, das entspricht der Zahl, die an Auswärtsfans pro Heimspiel zugelassen sind.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

RB Leipzig ist mit 13 Prozent Spitzenreiter, der SC Freiburg, Werder Bremen oder der VfB Stuttgart liegen zum Beispiel unter zehn Prozent, das hat das Fußballmagazin „11 Freunde“ zuletzt aufgelistet.

„Eine Dauerkarte zu besitzen, ist die eine Sache – sie aber auch möglichst bei jedem Spiel zu nutzen, ist die andere“, sagt Schippers und verweist auf die Möglichkeiten, die Saisontickets weiterzugeben, wenn der Besuch eines Spiels nicht möglich ist. „Über die digitale Dauerkarte, die wir zur letzten Saison eingeführt haben, geht dies sogar ohne eine persönliche Übergabe: So kann man ein Einzelticket aus dieser Dauerkarte einfach per E-Mail oder einem Messenger weiterleiten. Oder aber man nutzt den offiziellen Borussia Ticket-Zweitmarkt“, sagt Schippers.

Gladbach-Boss Schippers: „Einige verkaufte Plätze bleiben leer“

Dennoch: „Bei vielen Spielen, auch solchen, die sehr begehrt und schnell ausverkauft sind, bleiben einige verkaufte Plätze leer“, moniert Schippers. Borussia geht nun gegen das No-Show-Problem an. Künftig gibt es eine Mindestzahl an Spielen, für die eine Dauerkarte genutzt werden muss.

„Wir werden eine Mindestnutzung für Dauerkarten einführen, was wir bereits mit der aktiven Fanszene besprochen haben. Das bedeutet, dass die Dauerkarte bei mindestens 12 von 17 Bundesliga-Heimspielen genutzt werden muss, um auch im Folgejahr einen festen Anspruch auf die Karte zu haben“, sagt Schippers. Heißt: Wer sechsmal oder öfter in der Saison sein Ticket verfallen lässt, kann in der Spielzeit darauf seine Dauerkarte verlieren.

Solche Maßnahmen gibt es auch bei anderen Klubs. Bei Borussia Dortmund zum Beispiel müssen seit der Saison 2023/24 zehn von 17 Heimspielen besucht werden, ansonsten behält sich der Klub vor, „für die Folgesaison die ordentliche Kündigung des Dauerkartenvertrags auszusprechen, falls dieses Kriterium nicht erfüllt wird“. RB Leipzig führt zur neuen Saison eine Mindestzahl von ebenfalls zehn besuchten Spielen ein. Borussia geht das Problem somit strickter an als die beiden Champions-League-Teilnehmer, bei denen sich die Nicht-Nutzer immerhin sieben Spiele „erlauben“ können.

Was Gladbach angeht, sagt Schippers: „Als genutzt gilt die Dauerkarte dann, wenn der Inhaber seine Karte selbst für den Zutritt zum Borussia-Park nutzt oder die Dauerkarte von einem Freund oder Bekannten genutzt wird, der das Ticket über die bereits erwähnte Weitergabe der digitalen Dauerkarte erhalten hat oder durch die Weitergabe der physischen Dauerkarte. Auch bei einem erfolgreichen Verkauf über den Ticket-Zweitmarkt von Borussia, gilt die Dauerkarte für das betreffende Spiel als genutzt.“

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