Derby zwischen Borussia und Köln Fanhilfe Mönchengladbach kritisiert Zahl der Betretungsverbote

Mönchengladbach · 127 Fans beider Lager haben für das Derby ein Betretungsverbot erhalten. Im Vergleich zu Duellen zwischen Gladbach und Köln vor der Pandemie ist die Zahl stark gestiegen. Was die Fanhilfe kritisiert und wie die Polizei Mönchengladbach ihr Vorgehen begründet.

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Foto: dpa/Bernd Thissen

Gegen Mainz 05 kehrten Borussias Ultras zurück ins Stadion – und machten optisch mit einigen Bannern am Zaun der Nordkurve auf sich aufmerksam. Wogegen protestierte „Sottocultura“? Dutzende Fans hatten ein paar Tage zuvor Post von der Polizei Mönchengladbach bekommen, Anhörungsbögen für sogenannte Bereichsbetretungsverbote. Ähnlich erging es einer großen Gruppe in Köln, das bevorstehende Derby machte sich Ende März auch auf diese Weise bemerkbar.

Dass Problemfans und potenzielle Gefährder ein Stadionverbot nur für eine spezielle Partie erhalten, ist vor allem beim Hochrisikospiel zwischen Gladbach und Köln keine Besonderheit. 164 versendete Anhörungsbögen dagegen seien eine ungewöhnlich hohe Zahl, zumal die Verbote anschließend in der Regel auch verhängt würden, wie die Fanhilfe Mönchengladbach erklärt.

„Wir waren schon überrascht, dass nach zwei Jahren, in denen so gut wie nichts passiert ist, drei- bis viermal so viele Betretungsverbote ausgesprochen werden sollten wie vor Derbys vor der Corona-Pandemie“, sagt Simon Bender von der Fanhilfe im Gespräch mit unserer Redaktion. Im September 2019, vor dem letzten Derby vor Beginn der Pandemie, hatten noch 38 Personen aus beiden Fanlagern ein Betretungsverbot für das Spiel in Köln erhalten.

„Die Fanhilfe Mönchengladbach ist eine übergreifende Solidargemeinschaft zur Unterstützung von Fans von Borussia Mönchengladbach, die aufgrund von Ereignissen bei Fußballspielen in Kontakt mit der Justiz kommen“, beschreibt die Fanhilfe ihren Zweck auf der eigenen Webseite. Weiter heißt es: „Sehr wichtig ist es uns, euch mitzuteilen, dass eine Mitgliedschaft in der Fanhilfe Mönchengladbach kein Freifahrtschein ist, um Straftaten zu begehen, wir wollen viel eher den Betroffenen helfen, dort Recht zu bekommen, wo sie auch Recht haben.“

Diesen Umstand sah die Fanhilfe in mehreren Fällen vor dem Derby gegeben. Auf ihrem Twitter-Account zitierte sie in den vergangenen Tagen mehrere Begründungen aus den vorliegenden Schreiben der Polizei. So sollte ein Fan ein Bereichsbetretungsverbot erhalten, weil er vor sechs Jahren in Rheydt „mehrere Gebäude und Verkehrseinrichtungen mit Aufklebern des gleichen Erscheinungsbildes beklebt“ habe. „Es widerspricht unserem Rechtsstaats-Verständnis, wenn solch ein Verbot erteilt wird, obwohl teilweise nicht einmal ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. In dem Fall ist solch ein Eingriff in die durchs Grundgesetz zugesicherte Bewegungsfreiheit in unseren Augen unverhältnismäßig“, sagt Bender.

In der Derbywoche landeten dann die endgültigen Betretungsverbote in den Briefkästen. Wie die Fanhilfe erklärte, seien aber nicht so viele Betretungsverbote ausgesprochen worden, wie ursprünglich Anhörungsbögen zugestellt worden waren. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte die Polizei Mönchengladbach, dass letztlich 127 Fans beider Lager entweder – sofern sie außerhalb von Mönchengladbach wohnen – in einem Zeitraum von Freitag bis am späten Samstagabend die Stadt nicht betreten dürfen. Oder aber sie dürfen sich als Einwohner Mönchengladbachs nicht in bestimmten Bereichen wie am Rheydter Hauptbahnhof, an der Fahrstrecke der Shuttlebusse oder in Nähe des Borussia-Parks aufhalten.

„Während die Frist für die Anhörung lief, ging bei uns die rechtliche Einzelfallprüfung weiter. Letztendlich haben wir dann festgelegt, welche Maßstäbe es braucht, um ein Bereichsbetretungsverbot zu verhängen“, erklärte eine Polizeisprecherin die Diskrepanz zwischen der Zahl der verschickten Anhörungsbögen und der Zahl der ausgesprochenen Verbote. Für 35 Personen habe es aufgrund der Aktenlage nur eine Gefährderansprache gegeben, sie dürfen damit am Samstag ins Stadion.

 Gegen Mainz kehrten Borussias Ultras ins Stadion zurück, einige von ihnen dürfen das Derby gegen Köln nicht besuchen.

Gegen Mainz kehrten Borussias Ultras ins Stadion zurück, einige von ihnen dürfen das Derby gegen Köln nicht besuchen.

Foto: Ja/Dirk Päffgen

Zwischen gewaltbereiten Borussia- und Köln-Fans ist es in den vergangenen beiden Pandemie-Jahren eher ruhig geblieben. Bekannt wurde lediglich ein Vorfall vor dem Derby Ende November 2021. In der Mönchengladbacher Altstadt griff die Polizei damals 82 Personen aus der Kölner und Essener Fanszene auf, in Viersen wurden 65 Personen aus der Gladbacher Szene kontrolliert. Es sei „annehmbar, dass eine verabredete körperliche Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Gruppen geplant war“, teilte die Polizei mit. Viele der Personen, die damals einen Platzverweis erhielten und deren Personalien aufgenommen wurden, erhielten Ende März das besagte Schreiben der Polizei.

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