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Gladbach: Jordan Beyer auf dem Weg zum „richtigen“ Bundesligaspieler

Eigengewächs sammelt Pluspunkte : Gladbachs Beyer nähert sich vor dem ersten Derby seinem Ziel

Jordan Beyer ist dabei, sich bei Borussia Mönchengladbach zu etablieren. In Fürth überzeugte der 21-Jährige trotz eines kleinen Mankos erneut. Am Samstag wird Beyer sein erstes Derby bestreiten – und hat auch schon eine Ansage in Richtung Köln parat.

Auf dem Weg zu den mitgereisten Borussia-Fans hatte Jordan Beyer am Samstag nach dem Abpfiff in Fürth noch etwas zu erledigen. Mit Tobias Raschl, der in seiner Jugend zwei Jahre für Gladbach spielte und den Beyer aus der gemeinsamen Zeit bei Fortuna Düsseldorf kennt, hatte er das Trikot getauscht. Doch vor der Feierei mit den Fans musste Beyer es noch schnell auf links drehen, ehe der 2:0-Sieg der Gladbacher besungen werden konnte.

Beinahe hätte Beyer bereits während der Partie Grund zum Jubeln gehabt, doch sein Flachschuss aus zwölf Metern nach einer flachen Freistoß-Hereingabe des eingewechselten Kapitäns Lars Stindl strich knapp am Pfosten vorbei. Darüber ärgerte sich Beyer anschließend sichtlich, hätte er doch gerne in seinem 29. Bundesligaspiel seinen ersten Treffer im Profibereich überhaupt erzielt.

Allzu lange sollte Beyer allerdings nicht über die vergebene Chance grübeln, denn er legte beim Tabellenschlusslicht erneut einen souveränen Auftritt hin. Der Innenverteidiger, der gemeinsam mit Nico Elvedi und Matthias Ginter die Dreierkette bildete, entschied 70 Prozent seiner Zweikämpfe für sich, gewann sogar sieben seiner acht Duelle am Boden.

Und: Mit Beyer läuft es für Borussia. Er ist weiterhin der Innenverteidiger mit der besten Bilanz. Mit ihm in der Startelf gab es inklusive DFB-Pokal sechs Siege, drei Unentschieden und nur drei Niederlagen, dabei kassierte die Mannschaft nur zweimal zwei Gegentore. Trainer Adi Hütter weiß mittlerweile, was er an Beyer hat. Während zu Beginn der Rückrunde Marvin Friedrich gesetzt schien, hat Beyer das Vertrauen in den vergangenen Wochen mit Leistung gerechtfertigt – und sollte im Saisonendspurt nicht mehr aus der Stammelf zu verdrängen sein.

1033 Minuten stand er in dieser Saison bereits auf dem Platz, in Fürth hat er in seinem vierten Bundesligajahr seinen eigenen Rekord geknackt. Das Torverhältnis mit Beyer auf dem Rasen: 18:11. Ohne ihn: 23:41. Sein einziges Manko im Duell mit dem Kleeblatt: Mit zwölf Fehlpässen spielte er die meisten aller Gladbacher. Seine wichtigste Aufgabe allerdings, das Verteidigen, erledigte er zuverlässig, sodass auch dank seiner Mithilfe die Null hinten stand. „Für einen Verteidiger ist das genauso wichtig, wie wenn man ein Tor schießt. Wir haben jetzt in vier Spielen dreimal die Null gehalten. Das ist ein super Schritt und darauf lässt sich auf jeden Fall aufbauen“, sagte Beyer nach dem Spiel.

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Eine richtige Erklärung für die schwächere zweite Borussen-Halbzeit hatte der gebürtige Kempener aber ebenfalls nicht parat. „Wir wissen selbst nicht, woran es liegt. Wir versuchen jede Woche aufs Neue, es anders zu machen. Ich denke, dass es uns gelungen ist, nicht so sehr wie gegen Mainz einzubrechen, obwohl es uns nicht passieren darf“, sagte Beyer.

Dass er in Fürth überhaupt dabei war und nicht am Nachmittag mit Werder Bremen beim FC St. Pauli gefordert war, verdankt er der Tatsache, dass der Knöchelbruch Stefan Lainers im vergangenen August eine beinahe besiegelte Leihe Beyers nach Bremen im letzten Moment verhinderte. Für den 21-Jährigen heißt es nun am kommenden Wochenende Derby statt Aufstiegsrennen. Spiele gegen den 1. FC Köln hat Beyer bislang nur in der Jugend erlebt. „Ich freue mich ungemein. Derbys sind immer geil. Wir freuen uns riesig, alles reinzuhauen und die Kölner im eigenen Stadion zu schlagen“, so Beyer selbstbewusst.

Das Derby am Ostersamstag (18.30 Uhr) wird für ihn eine neue Erfahrung werden. Auf die Frage, ob er sich selbst schon als „richtigen Bundesligaspieler“ sehe, antwortete er im Interview mit unserer Redaktion Mitte Januar: „Ich hatte zwei Jahre lang fast gar keine Spielzeit in der Bundesliga. Deshalb fehlt mir noch etwas. Ich will über längere Zeit viele Spiele machen, verletzungsfrei bleiben und mir einen Platz in der Mannschaft erarbeiten. Da brauche ich noch etwas, aber ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin.“ Seine Worte von damals hat der U21-Nationalspieler in Fürth unterstrichen.

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