Borussias Nationalspieler Hofmann macht einen großen Schritt Richtung WM-Ticket

Mönchengladbach · Jonas Hofmann gehörte beim 1:1 in der Nations League gegen England zu den prägenden Figuren der deutschen Nationalmannschaft. Vor allem durfte der Gladbacher eine Entscheidung des Bundestrainers Hansi Flick als deutlichen Fingerzeig in seine Richtung deuten.

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Foto: jdp/Jens Dirk Paeffgen

Es war eine fließende Bewegung, mit der Jonas Hofmann die deutsche Nationalmannschaft im Heimspiel der Nations League gegen England in Führung brachte. Mit dem linken Fuß nahm der 29-Jährige den Pass Joshua Kimmichs so geschickt mit, dass er sogleich mit dem rechten Fuß abziehen konnte. Den satten Schuss konnte Jordan Pickford im Tor der Engländer nicht parieren, auch wenn er ziemlich zentral auf ihn zugeflogen kam.

„Ich stand irgendwo komplett frei und konnte mich drehen. Und dann habe ich den Ball super getroffen“, schilderte Hofmann die Szene zum 1:0 selbst. Doch es war nicht nur sein Tor beim 1:1 gegen England, mit dem Borussias Nationalspieler bei Bundestrainer Hansi Flick eine glänzende Visitenkarte abgab – noch dazu im wohl bemerkenswertesten seiner bislang zwölf Länderspiele.

Denn zum einen war es Hofmanns Startelfeinsatz gegen den renommiertesten Gegner – im März gegen die Niederlande hatte er verletzungsbedingt gefehlt und jüngst in Italien wurde er eingewechselt –, zum anderen kam er erstmals nicht als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Bislang hatte Flick Hofmann immer auf der defensiveren Position der rechten Außenbahn eingesetzt, nun spielte der Gladbacher auf der Position, die er im 4-2-3-1-System auch bei der Borussia bekleidet – rechts in der offensiven Dreierreihe.

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Foto: Schirner

Von dort aus brachte Borussias bester Torschütze der abgelaufenen Saison all seine Stärken zur Geltung: Er nervte die Engländer in deren Spielaufbau durch ständiges Anlaufen und bot sich in den eigenen Angriffen immer wieder durch kluge Laufwege in die Tiefe an. Dass er in den vergangenen Jahren in Sachen Effizienz deutlich zugelegt hat, war auch am Dienstag in München zu beobachten. Denn neben seinem wuchtigen Treffer in der 50. Minute schoss Hofmann noch ein zweites Mal ein, als er schon in der ersten Halbzeit alleine vor Pickford cool blieb, jedoch zuvor beim Zuspiel im Abseits gestanden hatte.

Nach 65 Minuten hatte Hofmann Feierabend, für ihn kam Serge Gnabry – einer von zahlreichen Konkurrenten Hofmanns im Kampf um einen Kaderplatz für die Weltmeisterschaft Ende des Jahres in Katar. Gerade im offensiven Mittelfeld hat Flick etliche Möglichkeiten. Doch gerade deswegen darf Hofmanns Startelfeinsatz vorne rechts als ein deutlicher Fingerzeig gewertet werden, wie sehr der Bundestrainer den Gladbacher schätzt. Es dürfte kein Nachteil für Hofmann sein, dass er flexibel einsetzbar ist, gerade in einem Turnier sind solche Spieler sehr willkommen.

„Ich habe sowohl vorne als auch hinten schon gute Spiele gemacht. Ich glaube, es ist gut, dass der Trainer die Möglichkeit hat, so zu rotieren. Wenn man einen Spieler auf dem Feld hat, der während eines Spiels mal von vorne nach hinten wechseln kann, ist das immer von Vorteil. Ich fühle mich auf allen Positionen wohl, Hauptsache, man steht auf dem Platz“, sagte Hofmann, der gegen England sein drittes Länderspieltor erzielte.

Damit hat er sich nun schon in die vereinsinterne Top Ten der besten Gladbacher Länderspieltorschützen für Deutschland geschoben. In Jupp Heynckes (14), Albert Brülls (9), Günter Netzer, Oliver Neuville (je 6), Rainer Bonhof, Uwe Rahn (je 5) sowie Herbert Wimmer und Lars Stindl (je 4) stehen nur noch acht Borussen vor ihm.

Hofmann macht somit auf sich aufmerksam und kommt seinem Traum von der WM-Teilnahme in Katar einen großen Schritt näher. Mit jedem guten Länderspiel wird der 29-Jährige allerdings auch interessanter für andere Vereine. Hofmanns Vertrag endet im Sommer 2023, Borussia würde gerne mit ihrem Leistungsträger verlängern. Hofmann will die Gespräche fortsetzen, wenn er nach den Länderspielen und dem Urlaub wieder in Gladbach ist.

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Foto: dpa/Sven Hoppe

Doch es ist nicht auszuschließen, dass er zuvor schon mal einen Anruf von seinem neuen Trainer Daniel Farke erhält – auch wenn dieser das eigentlich nicht vorhatte. „Ich habe es immer so gehandhabt, dass ich versucht habe, meine Spieler im Urlaub so lange wie möglich komplett in Ruhe zu lassen. Ich werde sie jetzt nicht mit stundenlangen Gesprächen und Telefonaten nerven“, sagte Farke bei seiner Vorstellung am vergangenen Sonntag. Womöglich wäre nun aber ein Telefonat mit Hofmann hilfreich. Schließlich gehört der zu den begehrtesten Borussen – nicht nur bei Bundestrainer Hansi Flick.