Köln hilft mehr als 0:0 gegen Union Borussia „hat Mut gefehlt“ – Abstiegskampf hinterlässt Spuren

Mönchengladbach · Borussias Trainer Gerardo Seoane verortet die Ursache für den zaghaften Auftritt gegen Union Berlin vor allem in den Köpfen seiner Spieler. Derweil sorgt Köln in Mainz dafür, dass Gladbach sich theoretisch nächstes Wochenende retten kann – allerdings nicht ohne Tore.

Noten Borussia Mönchengladbach: Einzelkritik gegen Union Berlin
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Borussia - Union Berlin: die Fohlen in der Einzelkritik

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Auf den Fernsehern in den Katakomben des Stadions lief ein nicht minder wichtiges Spiel, während die Beteiligten das 0:0 zwischen Borussia Mönchengladbach und Union Berlin aufarbeiteten. Der 31. Spieltag war für alle Abstiegskämpfer ein ziemlich langer, begonnen hatte er mit dem Sieg des VfL Bochum am Freitag, und als Mainz gegen den 1. FC Köln führte, schienen die am akutesten bedrohten Mannschaften noch enger zusammenzurücken.

Doch Köln glich noch aus zum 1:1, womit Borussia weiterhin vier Punkte Puffer auf den Relegationsplatz hat. In der Nachspielzeit in Mainz passierte gefühlt mehr als in den 90 niveauarmen Minuten im Borussia-Park. „Wir haben ein ausgeglichenes Spiel gesehen, in dem keine Mannschaft dominiert hat“, sagte Unions Trainer Nenad Bjelica. Sein Gladbacher Kollege Gerardo Seoane war „enttäuscht“, dass erneut kein Heimsieg gelang, auch nicht gegen einen direkten Konkurrenten.

„Das Resultat ist gerecht. Uns ist es vor allem in der zweiten Halbzeit nicht gelungen, mehr die Tiefe anzugreifen und dem Gegner mit Tempo Probleme zu bereiten“, sagte Seoane, der die Ursache für den zaghaften Auftritt vor allem in den Köpfen seiner Spieler fand: „Man hat der Mannschaft angemerkt, dass sie vor einer Woche vier Tore geschluckt und in der 90. Minute das Spiel aus der Hand gegeben hat. Die Gesamtsituation und das Resultat in Hoffenheim hatten schon einen Einfluss auf die mentale Performance.“

Gerardo Seoane: „Das hat nie jemand verneint“

Reagierend statt agierend, Sicherheitspässe und kaum welche durch die Linien, wenig Eins-gegen-Eins-Situationen: „Insgesamt hat Mut gefehlt“, sagte Seoane. „Das gilt es unbedingt zu besprechen, um in den nächsten Spielen mit einem größeren Vertrauen in die eigenen Qualitäten aufzutreten.“ Der Schweizer legt öffentlich weiterhin Scheuklappen an, wenn es um die tabellarische Situation geht.

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„Würde es mir helfen, wenn ich mehr auf die anderen schaue? Ich glaube nicht. Wir müssen schauen, dass wir guten Fußball spielen und dass wir Resultate einfahren. Die Lage in dieser Region ist für alle Teams akut, das hat nie jemand verneint“, stellte Seoane klar.

Das A-Wort nahm Marvin Friedrich in den Mund, dem mit der letzten Aktion des Spiels beinahe der „Lucky Punch“ gelungen wäre. „Wir sind im Abstiegskampf, das ist klar. Jedes Spiel zählt“, sagte der Ex-Unioner. „Jetzt haben wir eine schwierige Aufgabe in Bremen, aber wenn wir alle zusammenrücken, bin ich mir sicher, dass wir es gemeinsam mit den Fans packen werden.“

Gladbach-Fans schenken Zuspruch

Die wurden zwischenzeitlich zwar immer nervöser und taten das entsprechend kund, als Union zu seinen besten Chancen kam. Am Ende schenkten sie den Spielern vor der Nordkurve aber Zuspruch, hielten ihre Schals in die Luft und sangen die Vereinshymne „Die Seele brennt“.

„Volle Kraft nach vorn“, heißt es da im Refrain. Dass die Borussen den einen möglicherweise entscheidenden Sieg mit dieser Marschroute erzwingen werden, ist nicht anzunehmen. „Wir wollen defensiv gut stehen und, das ist unsere Hauptaufgabe, kein Gegentor bekommen. Dann wollen wir unsere Umschaltmomente sauber und klar ausspielen“, wehrte sich Sportdirektor Nils Schmadtke gegen die Deutung, Gladbach sei zu sehr aufs Verteidigen aus im seit vier Spielen etablierten 3-4-3.

Gleichwohl hofft Schmadtke, dass das erst vierte Zu-Null-Spiel in dieser Saison zum Aufbau von Selbstvertrauen beiträgt. „Man merkt, dass die Mannschaft den Druck spürt. Nach vorne haben wir nicht mit der Leichtigkeit und Kreativität agiert, die wir benötigt hätten. Das ist nach der Erfahrung in Hoffenheim ein Stück weit menschlich“, sagte der 35-Jährige. „Wir glauben an diese Mannschaft und dass wir die nötigen Punkte in den letzten drei Spielen noch holen können, wenn wir bei uns bleiben.“

Theoretisch ist, das hat Gladbach den Kölnern zu verdanken, am kommenden Wochenende nun sogar der Klassenerhalt drin. Es wird jedoch wieder ein langer Spieltag, an dem Borussia am Samstag in Bremen vorlegt. Im Falle eines Sieges hätte sie erst am Sonntag um 21.30 Uhr Gewissheit, ob es das war. Dann ist Mainz‘ Spiel beim 1. FC Heidenheim vorbei.

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