Vorschau auf das Bielefeld-Spiel Borussia auf der Alm am Scheidweg

Analyse | Mönchengladbach · Das Spiel beim Aufsteiger Arminia Bielefeld wird für den Champions-League-Teilnehmer aus Mönchengladbach richtigungsweisend sein. Marco Roses Team will wieder um die Königsklasse spielen. Davon hängt viel ab.

Die Gladbacher Spieler wollen wie hier im Spiel gegen den 1. FC Köln auch gegen Arminia Bielfeld wieder jubeln und den dritten Auswärtssieg der Bundesliga-Saison schaffen.

Die Gladbacher Spieler wollen wie hier im Spiel gegen den 1. FC Köln auch gegen Arminia Bielfeld wieder jubeln und den dritten Auswärtssieg der Bundesliga-Saison schaffen.

Foto: dpa/Marius Becker

2020 jährte sich die erste Meisterschaft von Borussia Mönchengladbach zum 50. Mal. 2021 steht gleich das nächste 50-Jährige an, denn 1971 verteidigte Gladbachs legendäre Fohlenelf mit ihrem Meistertrainer Hennes Weisweiler den Titel. Weitere Großereignisse der Vereinshistorie ereigneten sich vor fünf Dekaden: der Pfostenbruch und das Büchsenwurfspiel. Die Geschichte wird die Borussen also durch das Jahr begleiten. Dazu gehört auch der Aufstieg von 2001. Auch vor 20 Jahren feierten fast 100.000 Menschen in ganz Mönchengladbach, fast so, wie in den großen 70ern bei den Meisterschaften.

Dass es dazu kam, haben die Gladbacher einem siegreichen Spiel an dem Ort zu verdanken, an dem die aktuelle Borussen-Generation am Samstag ins neue Fußball-Jahr startet: die Bielefelder Alm. Damals, am 25. November 2000, reiste Gladbach als Zehnter der Zweiten Liga zur Arminia, die wie Gladbach 16 Punkte beisammen hatte. Beide Klubs waren mit expliziten Aufstiegsambitionen gestartet. Und klar war: Der Verlierer dieses Showdowns würde arg in Not geraten, was dieses Ziel angeht.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Borussia lag zurück zur Pause, die Prognose der Bild-Zeitung, die einen „Alm-Abtrieb“ für Trainer Hans Meyer vermutet hatte, nahm scheinbar Konturen an. Doch Igor Demo und Peter van Houdt drehten das Spiel in den letzten 15 Minuten noch zum 2:1. Es war in jener Saison die Wende zum Guten für Gladbach, vier Spiele später logierte Borussia auf einem Aufstiegplatz und gab den nicht mehr her.

Heute spielt sich die Borussen-Welt längst in den Höhenlagen der ersten Bundesliga ab, doch geht es auch dieses Mal auf der Alm darum, auf den Weg nach oben einzubiegen. „Wir sind ein bisschen am Scheideweg, ob es eine gute Saison wird oder eine nicht so gute. Darum müssen wir jetzt in Bielefeld gleich voll da sein. Dort zu gewinnen, würde uns als Team sehr gut tun“, sagte Abwehrchef Matthias Ginter im Interview mit unserer Redaktion mit Blick auf die Tabelle nach 13 Spielen. Es ist also der exakt gleiche Saison-Zeitpunkt wie vor 20 Jahren. Dieses Mal ist Gladbach Achter und hat sechs Punkte Rückstand auf die Champions-League-Ränge, die Rose als Ziel ausgegeben hat.

Es muss eine Aufholjagd her, denn die erneute Qualifikation für die Königsklasse wäre für Gladbach eminent wichtig. Einerseits geht es um die Millionen, die in der europäischen Top-Liga zu verdienen sind. In dieser Saison haben die 40 Millionen Euro, die aus der Quelle in die Kasse kamen, die Verluste durch die Corona-Pandemie entscheidend aufgefangen. Dass sich die Lage in dieser Saison nochmal extrem ändert, was Zuschauer in den Stadien angeht, ist derzeit nicht abzusehen. Daher muss auf sportlichem Weg das Geld verdient werden.

Zum anderen wäre die Königsklasse ein gewichtiges Argument in wichtigen Personalien: Borussia will gern die Verträge von Abwehrchef Matthias Ginter, seinem Nebenmann Nico Elvedi und Sechser Denis Zakaria verlängern. Dass die Perspektive Champions League für den deutschen und die beiden Schweizer Nationalspieler von großer Bedeutung sind, ist anzunehmen, auch wenn es gerade bei Zakaria vermutlich nicht reichen wird.

Offen scheint auch die Zukunft von Trainer Marco Rose. Den wähnt Rekordnationalspieler  Lothar Matthäus schon mehr oder weniger fix bei Borussia Dortmund und hat sogar schon in Salzburgs Jesse March einen Nachfolger im Auge, während Ex-Bundesttrainer und Ur-Gladbacher Berti Vogts Rose rät, doch noch ein wenig in Gladbach zu bleiben, um sich dort in ruhigerer Atmosphäre noch weiter zu entwickeln. Rose hat einen Vertrag bis 2022, doch es soll eine Ausstiegsklausel geben. Der Trainer selbst kommentiert die Spekulationen um seine Person nicht.

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Foto: AP/Martin Meissner

Das fragliche Quartett ist von wesentlicher Bedeutung für Gladbach. Derzeit scheint aber in keiner Personalie Bewegung, zumal Sportdirektor Max Eberl im Januar einen Sabbat-Monat nimmt. Sein Mobiltelefon dürfte für die vier Herren jedoch stets erreichbar sein. „Wenn ich etwas Wichtiges habe, weiß ich, dass ich mich bei ihm melden kann“, gab Rose bekannt.

Es ist wie immer im Fußball: Alles ist abhängig vom Erfolg. Und den wollen die Borussen in Bielefeld, wo sie zuletzt 2008 in der Bundesliga antraten und 2:0 siegten. Damals traf Marko Marin doppelt und sicherte so drei wichtige Punkte im Abstiegskampf. In dem stecken die Arminen auch zwölf Jahre später, während die Gladbacher sich wieder nach oben orientieren wollen, statt weiter ins Mittelfeld abzugleiten. Vier Spiele sind es noch in der Hinrunde, nach Bielefeld kommen die Bayern, dann geht es zu den kecken Stuttgartern und schließlich kommt Bremen. Da sind Punkte in Bielefeld Pflicht. „Wir wissen alle, dass auch in diesem Spiel die Gefahr besteht, auszurutschen. Aber wir wollen und brauchen die Punkte und am Ende liegt es an unserer Leistung, inwiefern wir es zulassen“, sagte Rose. Seine Worte mache deutlich, worum es geht. Es ist ein richtungsweisendes Spiel am Samstag.

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