Mittelfeldspieler vor dem Comeback Neuhaus kann beim Umbruch eine wichtige Rolle spielen

Analyse | Mönchengladbach · Mittelfeldspieler Florian Neuhaus arbeitet nach seiner Knieverletzung am Comeback. Nach seiner Rückkehr sollte man zunächst nicht zu viel erwarten. Doch kann Neuhaus beim Umbau des Teams eine wichtige Rolle übernehmen.

Das ist Florian Neuhaus von Borussia Mönchengladbach
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Das ist Florian Neuhaus

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Der Blick ist entschlossen, der Ball mit dabei. Die Bilder, die Borussia am 22. November in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, dokumentierten einen Trainingseinsatz von Florian Neuhaus. „Das Ziel im Blick“ stand daneben – die Botschaft: Der Mittelfeldspieler arbeitet nach seiner Knieverletzung, die er sich am 11. September in Freiburg zugezogen hatte, am Comeback. Der erwünschte Zeitplan steht. Am 13. Dezember, wenn die Borussen nach der WM-Pause wieder den Trainingsbetrieb aufnehmen, soll Neuhaus dabei sein. Und bestenfalls am 22. Januar, wenn Bayer Leverkusen zur Saisonfortsetzung in den Borussia-Park kommt, zum Kader gehören.

Es war schon tragisch mit der Verletzung. Denn Neuhaus hatte in den 34 Minuten, die das Freiburg-Spiel bis dahin alt war, seine bis dahin beste Saisonleistung geboten auf der Zehnerposition, auf die ihn der neue Trainer Daniel Farke versetzt hat in dieser Spielzeit. Farkes Vorgänger Marco Rose und Adi Hütter hatten Neuhaus nach hinten gezogen auf die Sechs, er hatte gelernt, aus der Tiefe heraus zu agieren und defensiv konkreter zu arbeiten. Bei Dieter Hecking, in seiner ersten Saison in Gladbach, war Neuhaus, der Newcomer, ein ganz starker Achter an der Seite von Jonas Hofmann.

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Foto: dpa/Marco Steinbrenner

Neuhaus mag die offensiveren Positionen, von daher kommt ihm Farkes Idee entgegen. Er tat sich jedoch etwas schwer mit dem kürzeren Weg zum Tor, doch der Trainer definierte ihn als „Schlüsselspieler“ – mit diesem Wissen kehrt Neuhaus nun auch zurück. Farke machte seinen Kumpel Christoph Kramer quasi zum Platzhalter, Lars Stindl, die originäre Zehn, war als Plea-Backup eher Farkes Mann für die linke Seite in der Triple-Zehn, auf die er gewöhnlich setzt.

Neuhaus hat das Zeug für den Job als Spielmacher im Farke-Konzept. Er steht für den schönen und guten Ballbesitzfußball, den Borussia spielen will, er kann den Ball schnell machen, kennt die Tiefe und weiß, wie er dorthin kommt, hat in der Hecking-Zeit auch das Anlaufen gelernt als Achter. Und er ist kreativ: In den Kategorien „entscheidende Pässe“ (0,72 pro 90 Minuten) und „intelligente Pässe“ (0,9) ist er jeweils nach Plea und Stindl der drittbeste Borusse in dieser Saison.

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Foto: AFP/KIRILL KUDRYAVTSEV

Zudem hat Neuhaus für einen Mittelfeldspieler einen veritablen Torinstinkt. Nach Marcus Thuram (3,73) hat er die meisten Abschlüsse der Borussen mit Stammspieler-Status (1,73). Dass er aufgrund seiner hohen Qualität im Abschluss – Farke mag es ja zuweilen, Spieler auch mal fachfremd einzusetzen, denken wir also an der Stelle schräg – auch mal ganz vorn als Spitze auftauchen könnte, ist zumindest vorstellbar.

Für Neuhaus kommt es aber zunächst darauf an, die schwere Verletzung aus dem Kopf zu spielen, es hat ihn erstmals derart erwischt. Das hat ihn die kleine WM-Chance gekostet, die es vielleicht noch gab, vor allem aber einige Monate der Saison, in der er vom Trainer als einer der spielerischen Anführer für das neu ausgerufene Ballbesitz-Konzept ausgemacht wurde. Das muss Neuhaus antizipieren, vor allem vor dem Hintergrund, dass ihm die Gemengelage bei Borussia entgegenkommen kann: Manager Roland Virkus und Farke sind dabei, Borussia umzubauen, in dieser neuen Mannschaft kann Neuhaus einer der Köpfe werden. Das sollte sein Ziel sein, darauf muss er hinarbeiten.

Heißt: Wieder ankommen, sich stabilisieren, dann Verantwortung übernehmen. Das kann ein Projekt sein, dass etwas Zeit braucht nach dieser Verletzung, man sollte von Neuhaus nicht gleich Wunderdinge erwarten, auch er selbst nicht. Er muss hineinwachsen in den Anspruch, der Schlüsselspieler zu sein, den Farke in ihm sieht. Schafft er das, kann er mit Ko Itakura und Julian Weigl eine Achse bilden.

Dass Neuhaus, der aktuell einer der wertvollsten Borussen ist, immer ein Thema auf dem Transfermarkt sein wird, auch in diesem Sommer, ist anzunehmen. Bis 2024 läuft sein Vertrag, im Grunde müsste Borussia mit ihm zeitnah verlängern, um nicht in die Situation wie bei Marcus Thuram oder Ramy Bensebaini zu kommen. Gerade der Umbruch in Gladbach kann für Neuhaus aber reizvoll sein.

 Florian Neuhaus

Florian Neuhaus

Foto: Päffgen/Dirk Päffgen

Und dass der Weg ins Nationalteam auch über gute Leistungen in Gladbach führen kann, hat Neuhaus schon selbst bewiesen. Die Entschlossenheit in seinem Blick in der kleinen Comeback-Fotoserie, die sollte er sich erhalten und auf dem Platz in Energie verwandeln.

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