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Gladbach: Florian Neuhaus im Fokus des BVB - der Gerüchte-Check

Fohlen-Gerüchtecheck : Die andere Borussia wirft ein Auge auf Neuhaus

Im Fohlenfutter-Gerüchtecheck nehmen wir aktuelle Spekulationen um Borussen-Spieler unter die Lupe. Heute: Borussia Dortmund soll an Florian Neuhaus interessiert sein. Warum mehr gegen einen Wechsel zum BVB spricht als dafür.

Das Gerücht

Vor zwei Wochen hat die „Sport Bild“ berichtet, dass in Florian Neuhaus‘ Vertrag eine Ausstiegsklausel über rund 40 Millionen Euro verankert sei, gültig für den Sommer. Darüber hinaus wurden Interessenten für Gladbachs Mittelfeldspieler genannt: der FC Bayern, Real Madrid sowie die beiden Mailänder Klubs Inter und AC. Nun reiht sich „Sport1“ mit einem weiteren Neuhaus-Interessenten ein: Borussia Dortmund sei „heiß“ auf den Nationalspieler und beobachte ihn genau.

Die Situation

Neuhaus‘ Marktwert steigt aufgrund seiner starken Leistungen beinahe monatlich. In seinem ersten Champions-League-Jahr überzeugt er, bei Marco Rose ist er unverzichtbar im zentralen defensiven Mittelfeld. Im Herbst hat der 23-Jährige unter Joachim Löw sein DFB-Debüt gefeiert und direkt jede Menge Lob eingeheimst. Neuhaus entwickelt sich sukzessive weiter, seit er 2017 von 1860 München verpflichtet und für eine Saison an Fortuna Düsseldorf verliehen wurde.

Vor allem in Sachen Torgefahr hat er enorm zugelegt: Jüngst schoss er das 3:2-Siegtor gegen den FC Bayern. Gegen Borussia Dortmund wurde sein Schlenzer zum 1:0 nach 44 Sekunden zwar zurückgepfiffen, aber Neuhaus holte den Freistoß zum 2:2 raus, passte vor dem 3:2 auf Ramy Bensebaini und brachte die Ecke zum 4:2 genau auf Marcus Thurams Kopf. Trotz des Ballverlustes vor dem 1:2 war Neuhaus damit noch deutlich im Plus.

Sein Vertrag läuft bis 2024, die Ausstiegsklausel macht ihn jedoch schon jetzt für die ganz großen Klubs interessant. Mittelfeld-Kollege Denis Zakaria ist ähnlich umworben, aber nur bis 2022 an Borussia gebunden. Christoph Kramer (2023) und Laszlo Bénes (2024) haben längerfristige Verträge.

Die Einschätzung der RP-Reporter

Es wäre geradezu fahrlässig, wenn der BVB Neuhaus‘ Entwicklung nicht haargenau verfolgen würde. Im zentralen Mittelfeld sind die Dortmunder zwar üppig besetzt, aber der Teufel liegt im Detail: Axel Witsel ist 32 Jahre alt und an der Achillessehne verletzt, Mo Dahoud hat nie den Durchbruch geschafft, Thomas Delaney ist limitiert als Arbeiter in der Zentrale, auch Emre Can steht für einen komplett anderen Stil als Neuhaus, einzig dem 17-jährigen Jude Bellingham (am Freitag luchste er Neuhaus den Ball ab) gehört die Zukunft.

Fraglich sind gleich drei Punkte: Würde Neuhaus stilistisch überhaupt zum BVB passen? Wären andere Optionen wie Real oder die Bayern nicht viel reizvoller? Und könnte sich Dortmund ihn überhaupt leisten?

Punkt 1: Neuhaus ließ im August 2019 aufhorchen mit einer Aussage im Interview mit unserer Redaktion: „Der Ansatz von Marco Rose ist ein sehr guter meiner Meinung nach, auch wenn er eigentlich gar nicht so gut zu mir passt“, ließ er verlauten. Doch diese Herausforderung hat er angekommen, ist giftiger geworden, äußerst mutig unter Gegnerdruck und, wie oben beschrieben, in allen Belangen torgefährlicher. Gebrauchen könnte Dortmund solch einen Spieler mit Sicherheit.

Aber, und damit zu Punkt 2: Wer auch zu Real Madrid oder zum FC Bayern wechseln könnte, wird diese Optionen ganz genau prüfen. „Man muss heute auf jeden Fall nicht mehr zwangsläufig von Gladbach zu Dortmund gehen. Vor zwei oder drei Jahren musste man das noch, damals war das für Mo Dahoud zum Beispiel schon noch der nächste Schritt. Aber inzwischen ist das nicht mehr der Fall“, sagte Neuhaus‘ Kumpel und Mittelfeld-Kollege Christoph Kramer vor kurzem bei „Dazn“. Seit Marco Roses Übernahme im Sommer 2019 hat Gladbach die viertmeisten Punkte geholt, nur zwei weniger als der BVB.

Bei Real spielt der Mann, mit dem Neuhaus oft verglichen wird: Toni Kroos. Und bei dessen kongenialem Partner Luka Modrid läuft der Vertrag aus. Mit einem Wechsel nach München könnte Neuhaus seinen Vater glücklich machen, der sogar einen Kellerraum mit FCB-Devotionalien besitzt. Der gebürtige Landsberger würde in die Heimat zurückkehren und könnte mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich eine DFB-Mittelfeld-Zentrale bilden.

Punkt 3 trifft sogar auf die Bayern zu und damit erst Recht auf den BVB: Die Corona-Pandemie hat die Einnahmesituation selbst der Allergrößten fundamental verändert. Für Neuhaus müsste Dortmund in diesem Sommer Rekordausgaben tätigen, mehr als die 30,5 Millionen Euro für Mats Hummels haben die Schwarz-Gelben noch nie für einen Spieler ausgegeben. Dass sie sich für Neuhaus derart strecken könnten und würden, darf bezweifelt werden. Verluste von 70 Millionen Euro stehen im Raum und aktuell belegt Dortmund erstmals seit sechs Jahren zu diesem Zeitpunkt der Saison keinen Europacup-Platz.

Der BVB dürfte für Neuhaus höchstens dann eine lohnenswerte Variante sein, wenn Marco Rose im Sommer ebenfalls die Borussia wechselt. Aber selbst unter einem neuen Gladbach-Coach würde ihm ein weiteres Jahr am Niederrhein guttun, um seine Entwicklungskurve weiter nach oben zeigen zu lassen und mit dann immer noch erst 25 Jahren vielleicht 2022 den berühmten nächsten Schritt zu wagen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Florian Neuhaus