Turnier in Katar Rheinische Rivalen vereint im WM-Boykott

Mönchengladbach · Fans von Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln rufen gemeinsam eine Aktion gegen die Weltmeisterschaft in Katar ins Leben. Was sich dahinter verbirgt, und wer etwas davon haben soll.

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Borussias Debütanten im DFB-Team

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Foto: dpa/Marco Steinbrenner

Am 9. Oktober wird jeder auf seiner Seite sein, ganz so, wie es sich gehört. Michael Grupe wird es an diesem Sonntag mit seiner Borussia aus Mönchengladbach halten, Stefan Weigl und Gregor Faßbender werden derweil hoffen, dass der 1. FC Köln zum vierten Mal in Folge das rheinische Derby für sich entscheidet. 

Wenn die Bundesliga dann aber im November in die Pause geht, die sich so unnatürlich anfühlt und ist wegen der Weltmeisterschaft im Winter, dann machen Grupe, Weigl und Faßbender vereinte Sache. Sie sind dann einfach nur Fußball-Fans. Und zwar Fans, die das Spiel so sehr lieben, dass sie zum Boykott des Weltturniers in Katar aufrufen.

„Kein Fan findet diese WM gut“, stellt Grupe, wohnhaft in Darmstadt, wo Borussia am 18. Oktober im DFB-Pokal antritt, im Telefonat mit unserer Redaktion klar. Darum haben sich Weigl, Faßbender und er „eine Form des konstruktiven Protests“ gegen das Turnier ausgedacht: die Aktion „Boykottspende“. „Lasst uns gemeinsam ‚Nein!‘ sagen zur absurdesten WM aller Zeiten“, heißt es auf der dazugehörigen Internetseite.

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Foto: dpa/Marius Becker

„Alles an dieser WM war oder ist absurd: das Vergabeverfahren, die Jahreszeit, die Klimaanlagen in den Stadien, die angebliche Fußballkultur im Gastgeberland, das Alkoholverbot, das Ausblenden von Nachhaltigkeitskriterien, die Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien. Und nicht zuletzt die vielen tausend Menschen, die beim Bau der Infrastruktur ihr Leben lassen mussten“, schreiben die Initiatoren.

Grupe, Weigl und Faßbender rufen dazu auf, möglichst viele der 64 Spiele der Weltmeisterschaft nicht zu schauen und für jedes boykottierte Spiel für den guten Zweck zu spenden. Spendenziele können auf der Internetseite hinterlegt werden. Zudem gibt es quasi einen Schatten-Spielplan zur WM. „Wir sammeln Tipps  für alternative Dinge, die zeitgleich mit den WM-Spielen stattfinden“, sagt Grupe.

Viele Fußball-Fans haben sich auf der Seite bereits als Unterstützer der Initiative registriert, Grupe bittet sie „während der WM in Social-Media-Posts zu zeigen, was sie tun statt die WM zu schauen“. „Wir wollten nicht nur im stillen Kämmerlein grummeln, sondern still, aber sichtbar protestieren“, sagt Grupe.

Er gibt zu, dass es ihm als Fußball-Fan nicht leicht fallen wird, überhaupt nicht hinzuschauen, wenn das Weltturnier läuft. Zumal ja womöglich einige Borussen beteiligt sein werden. Die Schweizer Yann Sommer und Nico Elvedi werden sicher nominiert werden für ihre „Nati“. Die Gladbacher Jonas Hofmann und Ko Itakura werden vielleicht sogar direkte Gegner sein, wenn sich am 23. November Deutschland und Japan messen. „Aber 70 Prozent der Spiele zu boykottieren“, das kann sich Grupe durchaus vorstellen. „Ich habe schon bei der WM in Russland nicht alles geguckt, und das ging vielen so“, sagt er.

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Foto: dpa/Kurt Schorrer

Grupe ist Realist genug, um zu wissen, dass der moderne Fußball seinen Tribut verlangt, was die Romantik angeht. „Wir werden die Entwicklung nicht aufhalten und letztlich sind wir Teil des Spiels. Trotzdem gibt es Grenzen und die sind mit der WM in der Wüste überschritten. Darum ist es wichtig, ein sichtbares Zeichen zu setzen“, sagt Grupe. In der Sache sind auch Fans der Erzrivalen Gladbach und Köln vereint. „Es geht um den Fußball“, sagt Grupe.

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