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Gladbach: Ex-Co-Trainer Michael Oenning triumphiert mit Ujpest Budapest

Nach kurioser Zeit in Griechenland : Wie Borussias Ex-Co-Trainer Oenning in Ungarn Geschichte schrieb

Michael Oenning hat mit Ujpest Budapest einen großen Erfolg gefeiert. Deutsche Trainer sind auch in kleineren europäischen Ländern angesagt. Vergangenes Jahr war die Zeit des früheren Gladbacher Co-Trainers bei Aris Saloniki in Griechenland kurios zu Ende gegangen.

Die Puskas-Arena in Budapest war in dieser Saison so etwas wie das Chamäleon der europäischen Fußballstadien. Denn Ungarns Nationalstadion hatte ständig andere Farben. Unter anderem war es rot beleuchtet, das war zum Beispiel so, als RB Leipzig zum Champions-League-Heimspiel gegen Liverpool einzog. Dann war es grün, als Borussia Mönchengladbach der Pandemie wegen einflog, um in der Königsklasse gegen Manchester City zu spielen.

Doch waren die Reisen in Ungarns gute Fußballstube für die beiden namhaftesten Vertreter der jungen deutschen Trainerriege, Julian Nagelsmann, noch Leipzig, bald Bayern München, und Marco Rose, noch Mönchengladbach, bald Borussia Dortmund, keine schönen. 0:2 gingen alle vier Spiele verloren.

 Michael Oenning (r.) war unter anderem Co-Trainer unter Dick Advocaat.
Michael Oenning (r.) war unter anderem Co-Trainer unter Dick Advocaat. Foto: Wiechmann, Dieter (dwi)

Ein anderer deutscher Trainer hingegen hat das Stadion, das nach Ungarns größtem Fußballidol benannt wurde, Ferenc Puskas, der das wunderbare, aber ungekrönte ungarische Team der 50er Jahre anführte, in besonders guter Erinnerung: Michael Oenning, 55 Jahre alt und von 2004 bis 2005 Co-Trainer in Gladbach. Er gewann dort seinen ersten Titel als Fußballtrainer, weil das von ihm betreute Ujpest Budapest im Pokalfinale 1:0 nach Verlängerung gewann gegen Fehervar FC.

„Es wurde langsam auch mal Zeit“, sagt Oenning im Telefonat mit unserer Redaktion. Bei seinem ersten Ungarn-Aufenthalt bei Vasas Budapest ging es 2017 bis ins Endspiel, doch da verlor sein Team im Elfmeterschießen gegen Ferencvaros Budapest. 2020 schied Oenning im Halbfinale des griechischen Pokals mit Aris Saloniki in zwei Partien knapp gegen AEK Athen aus (1:2, 2:2).

Dass das erste Spiel in Athen unter eher dubiosen Umständen verloren ging, ist die eine Geschichte, die Oenning aus seiner Griechenland-Episode erzählt. Die andere ist die vom Ende seiner Zeit in Saloniki. Er führte den Klub in die Qualifikation zur Europa League, da gab es am 17. September 2020 das Aus durch ein 1:2 gegen Kolos Kovalivka aus der Ukraine.

Der Aris-Präsident tobte und entschied: Der Trainer muss gehen. Selbst der Sportliche Leiter Angelos Charisteas, den Oenning aus gemeinsamen Nürnberger Tagen schon kannte, konnte nichts machen. „Als ich zur Pressekonferenz kam, war ich schon weg, nur wusste ich es nicht. Dafür waren aber die Journalisten informiert“, berichtet Oenning. Charisteas trat wenige Tage später zurück.

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Selbst für einen wie Oenning, der schon Trainer beim Hamburger SV war und somit Seltsamkeiten gewohnt ist, war die griechische Erfahrung eine außergewöhnliche. Im Pokalspiel bei AEK Athen gab es eine fragwürdige Rote Karte gegen Aris durch den, wie Oenning erzählt, offenbar beeinflussten portugiesischen Schiedsrichter. Zudem sei die Stimmung – da waren noch Fans dabei – extrem aggressiv gewesen, so sei der Athletik-Trainer seines Team von einem Rollstuhlfahrer am Spielfeldrand attackiert worden, berichtet Oenning.

Nun bei Ujpest, wo er seit dem 23. Dezember 2020 angestellt ist, kann er weit ruhiger arbeiten. Sechster ist sein Team in der Liga, dann gab es den Triumph im Pokal gegen den Meister. Nun hat Oenning seinen „Pott“. Der Coach fühlt sich wohl in Ungarn. Fußball hat dort eine große Tradition, das ist in Budapest buchstäblich an den Häuserwänden zu sehen. Das Wandgemälde einer Zeitung erinnert an das famose 6:3 der Ungarn im Wembley-Stadion 1953, den ersten Sieg einer nicht-britischen Mannschaft in England. Nandor Hidegkuti, der dabei drei Tore schoss, ist einer der großen Fußballhelden des Landes, „die werden hier nach wie vor verehrt“, sagt Oenning. Sein Verein, Ujpest, wurde 1885 gegründet, „er ist so etwas wie das Borussia Dortmund von Ungarn mit einer großen Fan-Base“.

Wenn über deutsche Trainer im Ausland gesprochen wird, fallen natürlich zunächst die Namen Jürgen Klopp, der Liverpool zu historischen Titeln führte, und Thomas Tuchel, der zum zweiten Mal in Folge das Champions-League-Finale erreicht hat. Aber auch der gebürtige Coesfelder Oenning hat Geschichte geschrieben: Er ist der erste ausländische Trainer in Ungarn, der mit zwei verschiedenen Klubs im Finale stand. Bei Vasas arbeitete er zweieinhalb Jahre, bis 2022 ist sein Vertrag nun bei Ujpest datiert, es ist nach Vasas und Aris Saloniki der dritte Klub, den Oenning ins internationale Geschäft führt. Ujpest startet in der Conference League und könnte, sofern sie noch Platz sieben schafft, auch auf Borussia treffen.

Fast hätte es in Ungarns Pokalendspiel ein Treffen zweier deutscher Trainer gegeben. Doch Michael Boris schied mit MTK Budapest gegen Fehervar aus. Mit Boris trifft sich Oenning ab und an, der Kollege berichtete in einem Interview sogar von einer Kuchenwette der beiden deutschen Trainer. Getroffen hat sich Oenning auch mit Julian Nagelsmann, als dessen Team in seiner aktuellen Wahlheimat spielte. „RB hat bei uns im Stadion trainiert, seine Co-Trainer Moritz Volz und Xaver Zembrodt kenne ich gut“, sagt Oenning.

Als er Nagelsmann, der früher bei derselben Berater-Agentur war wie Oenning, traf, war dieser noch kein künftiger Bayern-Trainer. Und Oenning noch kein Pokalsieger. Jetzt hat etwas mit Jürgen Klopp. Er hat, wie Liverpools Trainer, gute Erinnerungen an die Puskas-Arena.