Im letzten Heimspiel Wie Tony Jantschke und Patrick Herrmann ihren Abschied vom Borussia-Park erlebten

Mönchengladbach · Am Ende waren alle Tony Jantschke und Patrick Herrmann – wie Borussia Mönchengladbach und die Fans den beiden Routiniers beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt ein schönes letztes Heimspiel bereiteten. Und was eine Nachricht aus Köln damit zu tun hatte.

Gladbach: Verabschiedung von Tony Jantschke und Patrick Herrmann
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So lief der Abschied von Jantschke und Herrmann

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Am Ende des Tages war Borussia nicht nur gerettet, es waren auch alle Tony Jantschke oder Patrick Herrmann. Jedenfalls wiesen die nach dem Schlusspfiff flugs verteilten Shirts mit den jeweiligen Konterfeis der beiden Protagonisten des Tages darauf hin. Für die echten Jantschke und Herrmann fühlte es sich derweil aufgrund ihres ewigen Borussen-Daseins einigermaßen komisch an, dass ausgerechnet der 3:2-Sieg des Erzrivalen 1. FC Köln das 1:1 gegen Eintracht Frankfurt zur endgültigen Rettung reichen ließ.

Dass beide bei ihrem letzten Spiel im Borussia-Park ever auch noch Einsatzminuten bekamen, rundete das Erlebnis für sie ab. „Großes Kompliment an den Coach, dass er mir noch ein paar Minuten gegeben hat“, sagte Jantschke. Herrmann hätte sich ein Spiel von Beginn an vorstellen können, „aber ich bin froh, dass ich reingekommen bin“.

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Herrmann, der Emotionsbolzen, konnte den ganzen Tag lang die Tränen nicht immer zurückhalten, das gab er zu. Jantschke war ebenfalls ergriffen, ließ das aber nicht nach außen so wirken wie der Kollege. Beide bekamen vor dem Anpfiff die Trikots ihrer ersten Spiele für Gladbach geschenkt – „es war immer mein Plan, mein erstes und mein letztes Trikot zusammen zu rahmen und zu Hause aufzuhängen“, verriet Herrmann. Jantschke debütierte am 29. November 2008 gegen Energie Cottbus (1:3) mit der Nummer 37, Herrmann trug am 16. Januar 2010 gegen den VfL Bochum (1:2) die 42. Nun waren die 24 für Jantschke und die 7 für Herrmann der rote Faden nach dem Spiel.

Beiden wurde auch eine kleine Choreo von den Fans gewidmet. Dabei ging es vor allem um die Vereinstreue, die beide gezeigt haben, die sie zu tief verwurzelten Borussen gemacht hat – und die nun den Abschied zu einer großen Sache werden ließen. Die Frankfurter Makoto Hasebe, Kevin Trapp und Mario Götze herzten Herrmann im Vorbeigehen, als dieser in der Mixedzone die Fragen nach seinem Befinden mit feuchten Augen beantwortete.

„Ich hätte sicherlich gern noch ein Tor gemacht, aber es war auch so ein tolles Gefühl. Das letzte Mal vor heimischem Publikum – es war schön. Beim Warmmachen hat es angefangen, dann so viele Augenblicke, die man erstmal verdauen muss“, gab Herrmann Einblick in sein Seelenleben. Dass er am Ende noch mitten unter den Fans stand, genoss er sichtlich. „Es ist schön, es nochmal zu genießen, es sind viele Erinnerungen, die bleiben werden“, sagte er.

„Es war sensationell nach dem Spiel, etwas sehr Besonderes. Das zeigt, dass man viel richtig gemacht hat“, sagte Jantschke, der nun Trainer im Nachwuchsbereich wird. „Es bisschen komisch ist“, das gab Jantschke zu, „dass man sich in Gladbach über eine Nachricht aus Köln freut“. Aber das nahmen er und Herrmann gern mit an diesem Tag, der mit der Klarheit, erstklassig zu bleiben unbeschwerter wurde. „Bedanken müssen wir uns aber bei keinem“, stellte Herrmann klar.

Er wird im Sommer erstmal sein Knie richten lassen, bevor er seinen Marketing-Job in Gladbach antreten wird. Und er hat sich für die Zukunft etwas vorgenommen. „Ich wollte schon immer mal bei einem Auswärtsspiel in der Kurve stehen. Das will ich auf jeden Fall mal machen“, sagte Herrmann.

Er wird dort willkommen sein. Und er konnte schon mal üben, was als Fan so zu tun ist. Die Fans hatten für Herrmann auch eine Fahne mit seiner Nummer mitgebracht, die er schließlich vor der Nordkurve schwenkte. Im Nordkurvenmagazin „Blockflöte“ wurde Herrmann ausführlich gewürdigt über zwei Seiten.

Gladbach-Fans: „Patrick Herrmann - Einer von uns“

„Du hast allen Fans die Identifikation mit dir leicht gemacht. Voller Einsatz bis zum Ende, motivierende Gesten in unsere Richtung und das Mitsingen von Fangesängen waren für dich Alltag. Wie empfindest du den Einfluss der Kurve auf das Spielgeschehen?“, wird Herrmann da im Interview gefragt. „Die Stimmung im Stadion kann nochmal die letzten Prozent aus dir herausholen“, sagt Herrmann. In diesen Sätzen wird seine Verbindung zur Kurve deutlich. „Patrick Herrmann - Einer von uns“, so schließt die Würdigung „einer bewegten Karriere für unseren Verein“.

„Zwei so verdiente Spieler verdienen es, so verabschiedet zu werden“, sagte Trainer Seoane, der beide trotz des engen Ergebnisses brachte. „Zwei Spieler, die über die Jahre viel geleistet haben, haben es verdient, nochmal auf dem Platz zu stehen“, findet der Schweizer. Noch einmal wurde Jantschke als „Fußballgott“ gefeiert, noch einmal brüllten die Fans den Namen „Herrmann“ besonders laut. So trugen alle dazu bei, dass es ein schönes letztes Heimspiel für die scheidenden Routiniers wurde. Und sogar der 1. FC Köln trug dazu bei.

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