Am 22. April 1978 Ein halbes Dutzend beim Vorspiel der 12:0-Sieg-Niederlage

Mönchengladbach · Am 22. April 1978 siegte Borussia 6:2 beim Hamburger SV. Es war das Vorspiel einer der skurrilsten Bundesliga-Geschichten. Die ereignete sich auch, weil es bei den Gladbacher eine gewisse Parallele zur aktuellen Saison gab.

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Foto: dpa, hrad nic

Was Borussia in dieser Saison noch nicht geschafft hat: zwei Siege in Folge. Dabei wird es auch nach dem Spiel am Sonntag (19.30 Uhr, Dazn) gegen Union Berlin bleiben, gab es doch zuletzt bei Eintracht Frankfurt ein 1:1. Doch war es das vierte Spiel am Stück ohne Niederlage immerhin, auch wenn nur eines gewonnen wurde. Dass schon eine kleine Siegesserie der Saison zum aktuellen Zeitpunkt womöglich einen ganz anderen Anstrich geben würde, zeigt die Tabellensituation: Nur vier Punkte sind es bis Rang neun, also bis zur Einstelligkeit, und sechs bis Rang sieben, dem womöglich ersten, der nach Europa führt.

Was die Seriealität angeht, haben die Borussen vor 45 Jahren eines der besten Ergebnisse ihrer Bundesliga-Geschichte hingelegt. Am 22. April 1978 gab es ein 6:2 gegen den Hamburger SV, es war das 13. Spiel hintereinander, in dem Gladbach unbesiegt blieb, das 14. folgte eine Woche später, dazu später mehr. Der Kantersieg im Hamburger Volksparkstadion war der erste Akt eines der seltsamsten Kapitel der deutschen Fußball-Geschichte. Denn mit fünf Toren binnen 14 Minuten schossen sich die Gladbacher nach Punkten gleichauf mit Tabellen-Primus 1. FC Köln, nur zehn Tore trennten die rheinischen Rivalen.

Beim Spiel in Hamburg bewiesen die Borussen jene Resilienz, die ihren Nachfahren in den Rauten-Trikots zuweilen abgesprochen wird in der aktuellen Saison. Wie vorher gegen Fortuna Düsseldorf, als im einzigen Borussia-Bundesliga-Spiel im Spö-Stadion nach einem 0:2-Rückstand in der Schlussviertelstunde noch 3:2 gewonnen wurde, ließen sich die Gladbacher von Gegentoren nicht aus der Bahn werfen, weder vom 0:1, noch vom 1:2. Am Ende schossen sie den HSV vom Platz, Rainer Bonhof mit einem legendären Außenrist-Freistoß, Carsten Nielsen (2), Christian Kulik (2) und Jupp Heynckes trafen. Es war einer von insgesamt fünf Siegen nach einem Rückstand in der Spielzeit 1977/78.

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Borussia war im besten Torfabrik-Modus in jenem Endspurt, dem halben Dutzend wurde am finalen Spieltag ein volles Dutzend hinzugefügt, denn es gab die berühmt-berüchtigte 12:0-Sieg-Niederlage gegen den BVB im Düsseldorfer Rheinstadion. Gladbach holte also die zehn Tore, die Köln mehr hatte, auf und legte noch zwei drauf. Dennoch jubelte am Ende Hennes Weisweiler. Der Gladbacher Meistertrainer war inzwischen aber Trainer der Kölner. Die siegten 5:0 im Hamburger Volksparkstadion, wo noch eine Woche zuvor die Meisterschaft offengehalten wurde. Allerdings nicht beim HSV wie Gladbach, sondern beim FC St. Pauli, der für dieses Spiel vom heimischen Millerntor dorthin umgezogen war.

Gladbach wunderte sich über den Ortswechsel, Köln über die Torflut von Düsseldorf und am Ende blieb es, wie es war: Borussia und Köln waren punktgleich, doch hatte Borussia drei Tore weniger als Vize-Meister. Und die Bundesliga war um ein Kuriosum reicher. Dass es für Gladbach knapp nicht reichte, war unglücklich. Doch wohl nicht der erste Grund für den verpassten sechsten Meister-Titel. Denn die Saison damals hatte mit der jetzigen eine große Parallele, wenn auch auf einem anderen Level: Borussia war unstet. 19 Punkte wurden nach Rückstand gewonnen, aber auch 21 nach Vorsprung noch verspielt. Ein Patt an der Stelle hätte schon gereicht für die Schale. So aber ist es definitiv die bessere Geschichte.

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