Drei Optionen in Berlin Wer soll bei Gladbach für Weigl reinkommen?

Mönchengladbach · Erstmals seit dessen Ankunft aus Lissabon muss Trainer Daniel Farke auf Julian Weigl verzichten. Der Sechser fehlt bei Hertha BSC gelbgesperrt. Unsere Reporter nennen ihre Favoriten, um den Ausfall zu kompensieren.

Borussia Mönchengladbach: Startelf beim VfB Stuttgart
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So könnte Borussias Startelf in Stuttgart aussehen

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Borussias Spiel gegen den FC Schalke 04 lief noch keine 35 Minuten, da wusste Trainer Daniel Farke bereits, dass er seine Startformation in der kommenden Partie bei Hertha BSC (Sonntag, 15.30 Uhr) würde umstellen müssen. Sein Sechser Julian Weigl hatte gerade seine fünfte Gelbe Karte gesehen und wird daher in Berlin erstmals seit seiner Ankunft aus Lissabon ersetzt werden müssen. In Gladbachs Kader drängen sich dafür vor allem drei Kandidaten auf, auch wenn keiner ein direkter Ersatz wäre. Unsere Reporter nennen ihren Favoriten. Was ihre Ansätze eint: Kramer ersetzt Weigl als Sechser. Wer warum in Berlin reinkommen sollte.

Florian Neuhaus Fußballtrainer vertreten gerne die These, dass ein Spieler nach einer Verletzung genau die Zeit braucht, um wieder in Topform zu kommen, die er zuvor ausgefallen ist. Farke erwähnte zuletzt in Bezug auf Florian Neuhaus, dass es bei ihm wohl nicht so lange dauern werde. Seitdem die Borussen vor knapp zwei Monaten in die Wintervorbereitung gestartet sind, konnte der Mittelfeldspieler, der sich im September im Spiel beim SC Freiburg einen Anriss des hinteren Kreuzbandes zugezogen hatte, das Teamtraining fast immer komplett bestreiten. Bislang ist er seit dem Restart aber über Jokereinsätze nicht hinausgekommen.

Dass ihm noch etwas bis zur Topform fehlt, war Neuhaus beim 45-minütigen Einsatz in Augsburg, als Christoph Kramer verletzt raus musste, anzumerken. Doch seine Kreativität und Ballsicherheit können nun in Berlin sehr hilfreich sein. Gladbach wird bei der Hertha das Spiel kontrollieren und das Geschehen diktieren wollen, Neuhaus ist dafür der ideale Zehner-Kandidat. Und er wird gewillt sein, zu zeigen, dass auf ihn wieder gesetzt werden kann. Thomas Grulke

Alassane Plea Daniel Farke schien seinen ersten Wechsel beim 0:0 gegen Schalke rückblickend zu bereuen. Die Hereinnahme des Franzosen Alassane Plea machte er als einen Grund für Borussias Struktur- und Kontrollverlust aus. „Ich hatte das Gefühl, wir müssen all unsere torgefährlichen Spieler auf dem Platz haben, um diesen einen Moment zu finden“, erklärte Farke. Wer wollte ihm das verübeln? Im Gegenteil, es war eine lobenswerte Idee, einer Mannschaft, die gerne Fußball spielen will, noch mehr Spieler für diesen Ansatz zur Verfügung zu stellen.

Zudem hätte Farke den Wechsel in der 60. Minute als Vorgriff auf den kommenden Sonntag verkaufen können. Kramer nahm in der Schlussphase Julian Weigls Position auf der Sechs ein, kehrte damit zurück in sein natürliches Habitat. Plea sortierte sich links vorne ein und Lars Stindl im Zentrum. Für Borussia war das alles andere als eine Sensation.

Zu Gast beim Tabellenvorletzten, der wohl mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette agieren wird, wäre Plea als indirekter Weigl-Ersatz die logische Variante. Auch Marcus Thuram im Sturmzentrum dürfte sich freuen, die Kooperation der beiden Franzosen ist oft produktiv. Jannik Sorgatz

Hannes Wolf Der Österreicher war zuletzt sehr produktiv. Erst bereitete er gegen Bayer Leverkusen ein Tor von Lars Stindl vor, gegen die TSG Hoffenheim traf Hannes Wolf selbst zum 4:1-Endstand. Dafür gab es Lob sowohl von Trainer Farke als auch von Manager Roland Virkus. In mehr Einsatzzeit spiegelte sich das jedoch nicht wider. Doch wäre es mal an der Zeit, Wolf die Chance zu geben, gerade bei Hertha BSC, einem Team, das einer wie er, der den Gegner mit seiner Penetranz stresst, in die nötige Unruhe versetzen kann. Fehler provozieren gegen ein Berliner Team, das vor Verunsicherung nur so strotzt.

Und im Grunde ist die Rolle, die Kramer zuletzt spielte, genau die, die Wolf liegen würde. Er ist Achter-Typ, aber ein anderer, als die, die Borussia sonst hat: Einer, der auf Balleroberungen und Umschaltaktionen geeicht ist, aber auch in Sachen Tiki-Taka dazugelernt hat, siehe das Tor gegen Bayer, dem die flotteste Kombination des Spiels vorausging. Zudem ist er heiß, sich zu zeigen: den Borussen oder anderen Klubs, je nachdem, wie künftig in Gladbach mit ihm geplant wird. Um die eigene Zukunft zu spielen, kann Kräfte freisetzen. Wolf wäre die überraschendste Variante – auch für die Hertha. Karsten Kellermann