Klub erhält Zertifikat Vor dem Spiel gegen die Bayern – Auszeichnung für Borussia

Mönchengladbach · Im vergangenen Dezember hat sich Borussia Mönchengladbach durch Experten des TÜV Rheinland nach 44 Kriterien prüfen lassen, nun erhält sie als zweiter Bundesligist ein besonderes Zertifikat. Worum es dabei geht und welche Ziele der Klub damit verfolgt.

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Woche für Woche messen sich Borussias Fußballteams in den unterschiedlichen Spiel- und Altersklassen und werden dementsprechend von ihren Gegnern geprüft. In den vergangenen Monaten indes hat sich der gesamte Verein einer Prüfung der besonderen Art gestellt – und diese bestanden: Als zweiter Bundesligaklub in Deutschland erhält er vom TÜV Rheinland für nachhaltigeres Wirtschaften ein Zertifikat nach ZNU-Standard.

Das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten/Herdecke hat den ersten ganzheitlichen Managementstandard erstellt, der die Bereiche Nachhaltige Unternehmensführung, Umwelt, Wirtschaft und Soziales umfasst. Die Auszeichnung wird Borussia am Samstag vor dem Heimspiel gegen Bayern München (15.30 Uhr) erhalten.

„Nachhaltigkeit ist nicht nur bei Borussia, sondern allgemein in der Gesellschaft zu einem immer wichtigeren Thema geworden. Die Vorbildfunktion von Borussia ist ein wichtiges Element in unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, sagt Markus Aretz, der in seiner Funktion als einer von drei Geschäftsführern des Klubs auch für den Bereich Nachhaltigkeit verantwortlich ist.

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Foto: Dirk Päffgen/Dirk Päffgen (dirk)

Mit dem ZNU-Zertifikat wird der Verein auch die Lizenzauflagen zum Thema Nachhaltigkeit erfüllen, die die Deutsche Fußball Liga (DFL) für die Lizensierung 2023/24 erstmals einfordert. „Diesen Schritt der DFL begrüßen wir ausdrücklich, wir sind als Klub aber noch weiter gegangen“, sagt Aretz.

Vor mehr als einem Jahr stieg der Klub in den Prozess ein, sich intensiv damit zu beschäftigen, wie er nachhaltiger wirtschaften kann. „Es war intensiv, anstrengend und fordernd, aber es hat auch einen Spirit in den Verein gebracht“, sagt Markus Frieben, bei Borussia Stabstellenleiter „CSR & Nachhaltigkeit“. Dabei ging es nicht nur um Energieverbrauch und CO2-Emissionen, sondern auch um soziale Aspekte – wie derzeitige Sonderausstellung im Vereinsmuseum „Verantwortung in Fußballschuhen“ oder neue Projekte im Bildungspark.

Zu den Plänen für nachhaltigeres Wirtschaften gehört unter anderem der Bau einer 3800 Quadratmeter großen Photovoltaik-Anlage, die in diesem Jahr noch im Borussia-Park installiert wird und mit der jährlich bis zu 40.000 Kilowattstunden Strom produziert werden. Darüber hinaus gebe es innovative Ideen, etwa zu Mikro-Windkraftanlagen, sagte Frieben. Grundsätzlich wurden alle Geschäftsbereiche in den Prozess einbezogen – auch die Profimannschaft. „Wir haben mit dem Mannschaftsrat über das Thema gesprochen, denn die Spieler können dabei helfen, Öffentlichkeit herzustellen. Im Team ist auch eine große Bereitschaft da, das ist eine Generation, die man in diesem Bereich nicht mehr überzeugen muss“, sagt Aretz.

So werde noch häufiger als sowieso schon die Anreise der Profis zu Auswärtsspielen auf den Prüfstand kommen, ebenso gehe es um die Verschiebung von Trainingszeiten, um bei entsprechender Witterung die Rasenheizung weniger in Betrieb zu haben, nannte Aretz weitere Beispiele. „Wichtig ist, dass wir diesen Prozess nicht von oben herab bestimmen. Und um voranzukommen, müssen wir auch die Fans mitnehmen“, fügt er hinzu. Ein wichtiges Thema bleibt dabei die An- und Abreise der Fans zu den Heimspielen, die alleine 50 Prozent des CO2-Fußabdrucks ausmache. Die bereits erfolgte Umstellung von Papiertickets auf digitale Tickets sowie das künftige Angebot einer digitalen Variante des Mitglieder-Magazins sind weitere Beispiele.

Insgesamt 44 Kriterien umfasst die Prüfliste des ZNU-Standards. „Uns geht es damit vor allem darum, dass sich die Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit kontinuierlich verbessern. Zudem wollen wir greifbar machen, dass jeder Mitarbeitende etwas bewirken kann und Nachhaltigkeit ein cooles Thema ist“, sagt Axel Kölle vom ZNU. Die Prüfung bei Borussia erfolgte im vergangenen Dezember und wurde vom TÜV Rheinland durchgeführt. „Und wir werden wiederkommen, denn dieses Zertifikat ist keine Einmal-Nummer. Und wenn ein Unternehmen das verinnerlicht, wird es zwangsläufig einen Effekt haben“, sagt Olaf Seiche, Leiter Zertifizierung beim TÜV Rheinland.

Gladbach: Borussia erhält vor Bayern-Spiel ein Zertifikat
Foto: Bauch, Jana (jaba)

So sei das Zertifikat auch nur ein erreichtes Zwischenziel für Borussia, betont Aretz: „Der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir sind auch weit davon entfernt, zu behaupten, dass wir nachhaltig oder klimaneutral sind, das können wir gar nicht sein. Aber wir haben uns auf den Weg gemacht, nachhaltiger und klimabewusster zu werden und zu handeln. Und da sind wir schon stolz darauf, dass wir den ersten Erfolg verbuchen können.“ Als zweiter Bundesligist wird Borussia die Auszeichnung am Samstag erhalten. Nur ein Klub war schneller: der 1. FC Köln.