Darstellungen gehen auseinander Drei abgelehnte Bewerber für Borussias Aufsichtsrat melden sich zu Wort

Update | Mönchengladbach · Das Auswahlverfahren der Kandidaten für den Aufsichtsrat sorgt im Vorfeld der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach für Diskussionsstoff. Drei der sieben Bewerber, die vom Ehrenrat nicht vorgeschlagen wurden, meldeten sich nun zu Wort – mit einem unterschiedlichen Tenor.

Hans Wilhelm Reiners, hier bei der Eröffnung von „Borussia-8-Grad“ war von 2014 bis 2020 Mönchengladbachs Oberbürgermeister.

Hans Wilhelm Reiners, hier bei der Eröffnung von „Borussia-8-Grad“ war von 2014 bis 2020 Mönchengladbachs Oberbürgermeister.

Foto: Bauch, Jana (jaba)

Borussias sportliche Situation ist nach dem 0:3 gegen den SC Freiburg angespannt, auch das Verhältnis des Teams zu den Fans hat unter den Misserfolgen der vergangenen Wochen gelitten. Nachdem sie den Gladbachern beim 1:1 in Heidenheim zeitweise den Support verweigert hatten, gab es nun fassungsloses Schweigen in der Schlussphase und nach dem Ende des Spiels lautstarke Pfiffe. Bis zur Mitgliederversammlung am 22. April sind es noch drei Spiele – beim VfL Wolfsburg, gegen Borussia Dortmund und bei 1899 Hoffenheim.

Die Ergebnisse werden die wahrscheinlichen Fragen an die sportliche Führung zwar beeinflussen, aber selbst im optimalen Fall dreier Siege nicht verhindern. Zu wechselhaft ist auch diese Saison, die zudem eine werden könnte, in der sich Borussia zum vierten Mal in Folge verschlechtert.

Kritik der Gladbach-Ultras am Ehrenrat

Doch nicht nur der Wankelmut auf dem Rasen wird diskutiert im Borussia-Universum, auch um die anstehenden Wahlen zum Aufsichtsrat – sechs Posten müssen besetzt werden, sieben Kandidaten stehen zur Wahl – geht es in diesen Tagen. Die Ultras fordern mehr Transparenz und Fan-Beteiligung bei der Zusammensetzung des Gremiums – und nun melden sich auch drei der Bewerber zu Wort, die es nicht auf die Wahlliste geschafft haben.

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Foto: dpa/David Inderlied

Insgesamt, das bestätigte der Sprecher des Borussia-Ehrenrates, der für die Auswahl der Kandidaten zuständig ist, Andreas Heinen, wurden neue zehn Anwärter zu intensiven Gesprächen eingeladen und dann drei von ihnen ausgewählt, vier der zur Wahl stehenden sind bereits im Aufsichtsrat. Zwei bisherige Aufsichtsratsmitglieder ziehen sich zurück, Reiner Körfer und Ewald Hansen, der stellvertretende Vorsitzende Norbert Bocks muss sich in diesem Jahr nicht bestätigen lassen.

Die meisten der abgelehnten Bewerber wollen namentlich nicht genannt werden oder ihren Namen erst im Rahmen der Mitgliederversammlung öffentlich machen. Der frühere Gladbacher Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und der Sprecher des FPMG Supporters Club, Michael Weigand, haben nun aber auf die Berichterstattung unserer Redaktion öffentlich reagiert und bei Facebook ihren Unmut über das Auswahlverfahren des Ehrenrates kundgetan.

Hans Wilhelm Reiners: „Es geht um die Art und Weise“

„Die Entscheidung erstaunt (und verärgert) mich vor allem deshalb, weil ich mich nicht aktiv beworben hatte, sondern von der Vereinsspitze gefragt worden war, ob ich mich in einem Gremium engagieren wolle. Das würde ich durchaus gern tun, und ich bin überzeugt, dass ich nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine solche Aufgabe mitbringe“, schrieb Reiners.

Weiter heißt es: „Es geht aber hier nicht in erster Linie um mich, sondern um die Art und Weise, wie hier der als Wahlausschuss fungierende Ehrenrat mehrere Bewerber aussortiert, denen die grundsätzliche Eignung für ein Aufsichtsratsmandat attestiert wird. Wenn ich auf die Frage nach Gründen für die Entscheidung in meinem Fall lediglich die lapidare Aussage höre, es habe in der Punktewertung nicht gereicht, dann halte ich das für höchst bemerkenswert.“

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FPMG-Sprecher Weigand: „Keine Hinweise auf das Auswahlverfahren“

Weigand ging ebenfalls bei Facebook auf Reiners‘ Aussagen ein. „Auch mir wurden weder vom Vorsitzenden des Ehrenrates, noch von irgendeinem anderen Mitglied des Ehrenrates während des Verfahrens Informationen über die im Nachhinein vollzogene Reduktion der geeigneten Kandidaturen mitgeteilt. Zudem wurden mir ebenfalls keine Hinweise auf das Auswahlverfahren nach Eignungsprüfung gegeben. Somit kann ich die Aussagen unseres ehemaligen Oberbürgermeisters vollkommen bestätigen“, schrieb Weigand.

Heinen hatte unserer Redaktion bezüglich des Auswahlverfahrens mitgeteilt, dass „die Rahmenbedingungen von vornherein gegenüber jedem Bewerber offen kommuniziert“ worden seien. Zudem hätten diese „sämtliche Bewerber“ auch akzeptiert. Die Darstellung stützt Ioannis Douvartzidis aus Neuss, dessen Statement unserer Redaktion vorliegt. Der CDU-Politiker, der hauptberuflich in der Geschäftsleitung eines Stahlunternehmens aus Hagen arbeitet, erklärt, dass er sich im Herbst 2023 proaktiv beim Ehrenrat beworben habe.

Verfahren transparent, fair und klar definiert? „Klares Ja“

Douvartzidis spricht von einer ersten telefonischen Kontaktaufnahme durch Heinen und einem persönlichen Kennenlernen mit dem Sprecher des Ehrenrates. „Von Anfang an wurde mir der Auswahlprozess klar, deutlich und unmissverständlich erklärt“, sagt der 49-Jährige. Auch der Ablauf des Bewerbungsgesprächs mit dem Ehrenrat habe „keinen Raum für Interpretation“ zugelassen. Zudem sei ihm bewusst gewesen, dass nur ein geringer Anteil der Bewerber letztlich den Mitgliedern zur Wahl vorgeschlagen werde. Dass Heinen die kurz darauf erfolgte Absage nicht weiter begründet habe, überraschte Douvartzidis aufgrund seiner Erfahrungen in der freien Wirtschaft nicht. Natürlich sei er enttäuscht gewesen, aber auf die Fragen, ob der Auswahlprozess klar definiert, transparent und fair gewesen sei, antwortet der Neusser: „Klares Ja.“

Dass der Ehrenrat den Mitgliedern nicht mehr als sieben Kandidaten für sechs Plätze vorgeschlagen hat, begründete Heinen mit der „Kontinuität des Gremiums Aufsichtsrat“. Die unterschiedlichen Standpunkte in dieser Sache dürften auch Diskussionsstoff während der Mitgliederversammlung sein. Abgelehnte Bewerber haben dann laut Satzung das Recht, dass ihre Namen verkündet werden.

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