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Gladbach: 30 Jahre her - Uwe Kamps hält vier Elfmeter gegen Leverkusen

Vier Elfmeter-Paraden am 7. April 1992 : Wie sich Kamps in die Geschichtsbücher schrieb

30 Jahre ist es her, dass Uwe Kamps Borussia Mönchengladbach den Einzug in das DFB-Pokalfinale sicherte. Dem Gladbacher Urgestein sind alle Details zu seiner Glanztat am 7. April 1992 auch Jahrzehnte später immer noch präsent.

Es gibt Torhüterparaden, die sich ins kollektive Fan-Gedächtnis einbrennen. Yann Sommer könnte am vergangenen Sonntag eine gelungen sein, als er kurz nach der Pause mit einem sensationellen Reflex den Abstauber Jonathan Burkardts aus kurzer Distanz noch über die Latte lenkte. In der Liste legendärster Paraden Gladbacher Keeper dürfte der Schweizer aber schon stehen, spätestens seit seiner Mittelfinger-Parade im Dezember 2019 beim 2:1-Sieg gegen die Bayern, da stoppte Sommer den Ball auf der Torlinie mit einem Finger.

Auch Uwe Kamps hat in seiner langen Karriere viele herausragende Paraden gezeigt. In die Geschichtsbücher hat er sich aber nicht mit einer einzelnen, sondern mit vier Paraden innerhalb weniger Minuten geschrieben, die Schützen standen jeweils elf Meter von ihm entfernt. Im Halbfinale des DFB-Pokals 1992 gegen Bayer Leverkusen musste Borussia am Bökelberg nach dem späten 2:2-Ausgleich der Gäste ins Elfmeterschießen. Zwei Borussen verschossen, doch da Uwe Kamps alle vier Elfmeter hielt, denen er sich zu stellen hatte, zog Gladbach ins Finale ein.

Diese im deutschen Fußball einmalige Leistung jährt sich an diesem Donnerstag zum 30. Mal. Und in schöner Regelmäßigkeit darf Kamps von seinem Glanztag am 7. April 1992 erzählen. Präsent ist ihm alles noch, auch wenn es nun schon so lange zurückliegt. „Die ganze Geschichte, auch wer wie wohin geschossen hat. Ich weiß auch noch, was ich bei Martin Kree gedacht habe. Vorher habe ich ihn ein paarmal schießen sehen und mich immer gefragt: Warum schießt er nicht voll drauf? Da hat er auch schon die Innenseite genommen. Deshalb ahnte ich, in welche Ecke er schießen würde“, sagte Kamps, der in Gladbach mittlerweile für die Steuerung der Entwicklung der Torhüter und Torwarttrainer verantwortlich ist, im Interview mit unserer Redaktion vor fünf Jahren.

Martin Kree war Leverkusens vierter und an jenem Abend letzter Schütze, vor ihm waren bereits Jorginho, Heiko Herrlich und Ioan Lupescu an Kamps gescheitert. „Cool war die Geschichte mit Jürgen Gelsdorf, der vor uns Bayer Leverkusen trainiert hat und mir deshalb den Tipp geben konnte, wohin Jorginho als Erster schießt. So war ich direkt drin, der Rest war dann aus dem Gefühl heraus“, sagte der Ur-Borusse, der in Herrlich und Lupescu zwei damalige Schützen später noch zu seinen Teamkameraden in Gladbach zählen durfte. „Lupo hat mir auch immer gesagt, dass er in seiner Karriere nur einen wichtigen Elfmeter verschossen hat.“

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Doch nicht nur die Paraden sind legendär, auch die anschließenden Jubelszenen. Kamps wurde von Mitspielern und Fans vor der Nordkurve des Bökelbergs beinahe erdrückt. „Ich habe erst später mitbekommen, dass Frank Schulz alle weggezogen und mich damit gerettet hat. Die Lampen gingen schon aus, ich bekam keine Luft mehr und es hat nur noch geknackt im Gebälk“, erinnerte sich Kamps vor fünf Jahren an die Sekunden nach der entscheidenden Parade.

Ein Happy End hatte der Pokalwettbewerb 1992 nicht für Borussias Torhüter-Legende parat: Gladbach verlor das Finale gegen den Zweitligisten Hannover 96 – im Elfmeterschießen. Den Pokal holte Kamps drei Jahre später nach Gladbach, vergangenes Wochenende traf sich die Siegermannschaft von 1995 noch im Borussia-Park. Im Finale gegen den VfL Wolfsburg hatte Kamps beim 3:0 wenig zu tun – drei Jahre zuvor im Halbfinale gegen Leverkusen hatte das ganz anders ausgesehen.

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