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Geisterspiel: Was Sie zu Borussia Mönchengladbach gegen 1. FC Köln wissen müssen

Fans bekommen ihr Geld zurück : Was Sie zum Geisterderby wissen müssen

In Mönchengladbach wird das erste Geisterspiel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga ausgetragen. Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln müssen am Mittwoch ohne Fans auskommen. Welche Konsequenzen das für Fans und Vereine hat, beantworten wir hier.

  • Wie werden die Fans entschädigt? „Grundsätzlich haben die Fans ein Recht darauf, dass wir den Preis für die Tickets erstatten. Gerade ist die Abwicklung aber noch nicht klar, weil wir auch nicht wissen, wie viele Spiele betroffen sein werden. Wir werden die richtige Lösung anbieten", sagt Stephan Schippers, Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach. Bei Inhabern von Dauerkarten dürfte eine Rückbuchung recht problemlos möglich sein, noch offen ist, wie Käufer von Tageskarten an ihr Geld kommen.
  • Wer hat das Spiel abgesagt? Die Stadt Mönchengladbach. Sie ist damit einem Erlass des Landes NRW zuvorgekommen. Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauern werden derzeit im bevölkerungsreichsten Bundesland nicht genehmigt. „Wir bedauern es sehr, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist, folgen aber selbstverständlich den Vorgaben des Landes, das sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht hat“, sagte Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU).
  • Warum ist nicht auch schon die Partie gegen Borussia Dortmund abgesagt worden? Die Bundesligapartie zwischen den Borussias aus Mönchengladbach und Dortmund (1:2) am vergangenen Samstag war noch ganz normal mit Zuschauern über die Bühne gegangen, obwohl im nur wenige Kilometer entfernten Kreis Heinsberg die bislang höchste Anzahl von Coronavirus-Infektionen bekannt wurde. „Vor diesem Spiel gab es weder eine klare Empfehlung von Bundesseite noch klare Vorgaben durch das Land. Die Mediziner, mit denen wir uns intensiv beraten haben, hielten es für verantwortbar, das Spiel nicht zu untersagen“, sagte Reiners dazu.
  • Wie sind die Klubs gegen solche Vorkommnisse versichert? "Wir haben kein Allheilmittel, weil man einen solchen Fall auch nicht planen kann. Es gibt seitens der Liga eine Versicherung für Spielausfälle, die die Kosten einer doppelten Ausrichtung ersetzt, und die haben wir abgeschlossen. Für diesen Fall gibt es aber keine Absicherung. In unserem Fall geht es um etwa 2 Millionen Euro netto pro Spiel. Das tut Borussia weh. Aus kaufmännischer Sicht bin ich dazu gezwungen, vom schlimmsten auszugehen (Anzahl der Spiele), aber wir müssen abwarten." Am Montag Treffen in Frankfurt mit der Liga, wo auch das besprochen wird. Eberl: "Das ist eine Problematik, die auf uns zukommt, das sind Verluste, die uns bis ins Mark treffen, aber danach wird es für Borussia Mönchengladbach weitergehen. Ich weiß aber nicht, was mit Klubs in der 2. oder 3. Liga passiert, die könnten richtig Probleme bekommen."
  • Wer darf bei den Spielen ins Stadion? Alle bereits akkreditierten Medien werden, Stand jetzt, ins Stadion gelassen, außerdem Mitarbeiter, die an der Durchführung des Spiels beteiligt sind. Es gibt keine Mixed-Zone, aber die Pressekonferenz soll stattfinden. Zuschauer dürfen nicht auf das Gelände.
  • Was geschieht im Stadion? Was genau passieren wird, darüber wird derzeit noch intern gesprochen. Geplant ist bislang: Die Einlaufmusik abzuspielen und bei einem Treffer den Tor-Jingle.
  • Gibt es eine Bannmeile ums Stadion? Schippers: "Der Campus wird geschlossen sein, aber es gibt weiter den Hotelbetrieb, für den auch die Sportsbar einzig geöffnet ist. Grundsätzlich ist das Stadion aber zu." Die organisierte Fanszene in Gladbach will sich das Derby nicht ganz nehme lassen. Der Bus soll von ihnen in Empfang genommen werden, die Mannschaft auf das brisante Spiel gegen Köln „eingestimmt“ werden. Ob das von der Polizei zugelassen wird, ist derzeit noch nicht sicher.
  • Wie viel Ordnungsdienst und Polizei werden vor Ort sein? "Es wird natürlich Ordner vor Ort geben, aber wir appellieren an die Fans fernzubleiben in dieser Ausnahmesituation. Wir sind im ganz engen Austausch mit den Behörden vor Ort." Für die Polizei ist das eine schwierige Situation, weil nur schwer abschätzbar ist, ob es zu geplanten Auseinandersetzungen kommt. Entsprechende Kräfte stehen bereit.
  • Wie sieht es für das nächste Auswärtsspiel in Frankfurt aus? Vieles spricht dafür, dass auch dort ohne Zuschauer gespielt wird. Derzeit gibt es dazu aber noch keine weiteren Information. Die DFL will mit den Klubs am Montag in Frankfurt einen Fahrplan für die restliche Saison erarbeiten. Ein mögliches Szenario: Es gibt in dieser Saison nur noch Geisterspiele.
  • Und was passiert in der restlichen Liga? Das Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 (Samstag, 15.30 Uhr) wird ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Auch am Montag (20.30 Uhr/Dazn) findet Werder Bremen-Bayer Leverkusen ohne Fans statt. Es wird allerdings erwartet, dass noch weitere Partien dazukommen. In Nordrhein-Westfalen werden alle kommunalen Gesundheitsämter von der Landesregierung per Erlass angewiesen, Veranstaltungen über 1000 Zuschauer nicht mehr zu gebehmigen.
  • Wie reagieren die Fans? Unterschiedlich. In Duisburg jedenfalls besonders kreativ. Im Netz rufen Fans dazu auf, in jedem Fall Karten für die Spiele des MSV zu kaufen, um den Verein in der Dritten Liga zu unterstützen. „Helft mit, das vollste leere Stadion in der Vereinsgeschichte zu erschaffen“, heißt es in einem Beitrag, der in verschiedenen Duisburger Facebook-Gruppen geteilt wird. „Gemeinsam haben wir keine Angst vor Geistern“, heißt es dort. Der Aufruf endet mit dem Hashtag #DuisburgBegeistert. Auch die Duisburger Füchse (Eishockey) ziehen Konsequenzen aus der Empfehlung von Spahn. Um einer Absage der kommenden Eishockey-Spiele aus dem Weg zu gehen, werden nur noch maximal 999 Zuschauer in die Halle gelassen. „Aufgrund der besonderen Umstände und den Empfehlungen der örtlichen Gesundheitsbehörden für Großveranstaltungen werden die Füchse Duisburg die Zuschauerzahl beim 3. Pre-Playoff-Spiel, am 10. März um 19.30 Uhr, gegen die Rostock Piranhas auf maximal 999 Besucher begrenzen“, heißt es auf der Homepage des Vereins.
  • Hat die aktuelle Situation auch Auswirkungen auf die Europameisterschaft? Könnte gut sein. In Uefa-Kreise wird bereits darüber spekuliert, ob die größte EM aller Zeiten nicht auf 2021 verlegt werden soll. Geplant ist das Turnier einmal quer über den Kontinent. Angesichts der aktuellen Lage eher unwahrscheinlich.
  • Sind auch andere Sportarten betroffen? Ja. Fast alle Sportarten haben mit den Auswirkungen zu kämpfen. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) wird wohl vorzeitig die Saison beenden und München zum Meister küren. Auch im Handball und vielen anderen Disziplinen wird mit drastischen Einschnitten gerechnet.
  • Wie geht Borussia Mönchengladbach mit der Situation um? Schippers: "Es ist der Tag eingetreten, den wir uns alle nie gewünscht haben, das trifft die Fans und Borussia bis ins Mark, auch die finanziellen Auswirkungen. Wir hätten auch das Spiel verschieben können, aber die DFL hat angewiesen, den Spielbetrieb sauber zu Ende zu führen, daher ist es richtig, dass wir spielen. Wir kennen noch nicht den Wortlaut des Erlasses, der am Nachmittag kommt, daher wissen wir nicht, ob es eine Frist gibt. Die Entwicklungen des Coronavirus müssen genau beobachtet werden." Sportdirekor Max Eberl: "Ich bin offenbar immer dabei, wenn bei Borussia etwas Geschichtsträchtiges passiert. Es gibt gerade dieses gesellschaftliche Problem, für das der Fußball, der Klub und die Fans nichts können, wir haben auch darüber diskutiert, ob wir das Spiel verlegen und wollten da eine Lösung finden, aber uns wurde gesagt, dass wir spielen müssen. Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung und wir haben andere Probleme als Fußball. Das ist zwar die schöne Nebensache der Welt, aber eben eine Nebensache."
  • Wie bereitet Trainer Marco Rose seine Mannschaft auf die besonderen Bedingungen vor? „Wir versuchen, die Situation anzunehmen. Die Fans fehlen uns extrem. Aber wir müssen uns dem stellen. Und wir wollen gegen starke Kölner die Punkte.“