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Für Borussia Mönchengladbach spitzt sich die Lage zu

Borussia Mönchengladbach : Die Lage spitzt sich zu

Drei Bundesligaspiele vor Weihnachten hat Bundesligist Borussia Mönchengladbach seinen Puffer aufgebraucht. Trainer André Schubert und seiner Mannschaft helfen nur noch Siege. Beim 1:4 gegen Borussia Dortmund war der Gegner zu stark.

Nach den Spielen lässt Borussia Mönchengladbach Basisdemokratie walten. In der vereinseigenen App dürfen die Fans den "Spieler des Spiels" bestimmen. Dass die Wahl im November nur einmal deplatziert wirkte, nach dem deutlichen 0:3 gegen Hertha BSC, zeigt, dass im vergangenen Monat weniger die Leistungen als die Ergebnisse das Problem waren. Beim 1:1 gegen Celtic Glasgow gewann Thorgan Hazard, beim 1:2 gegen den 1. FC Köln lag Lars Stindl vorne, beim 1:1 gegen Manchester City Raffael, beim 1:1 gegen 1899 Hoffenheim Mo Dahoud und gegen Hertha war Patrick Herrmanns Wahl - der 25-Jährige hatte sich in Berlin schwer verletzt - zumindest eine schöne Geste.

Am Samstag, nach der 1:4-Niederlage gegen Borussia Dortmund, fand ausnahmsweise keine Abstimmung statt. Da stimmte die Symbolik, denn Gladbach hatte diesmal so gespielt, dass es nichts zu beschönigen und relativieren gab. Raffaels zwischenzeitliches 1:0 war ein sehr zerbrechliches Pflänzchen Hoffnung. Es hatte nur 59 Sekunden Bestand, und am Ende konnte zum vierten Mal in dieser Bundesligasaison eine Führung notiert werden, die keinen Sieg brachte. Elf Punkte hat André Schuberts Mannschaft so schon verspielt.

Dass nach acht Spielen ohne Sieg noch nicht offiziell der Abstiegskampf ausgerufen werden muss, liegt auch an der schwachen Konkurrenz, die derzeit hinter Gladbach auf dem 14. bis 18. Rang steht. Tatsächlich ist der Relegationsplatz punktemäßig weiter weg als der achte Tabellenplatz. Sportdirektor Max Eberl wähnt Borussia lediglich an der Schwelle zum bösen A-Wort, das am Niederrhein seit fünf Jahren nicht mehr ernsthaft in den Mund genommen werden musste. "Wir müssen jetzt zusehen, dass wir bis zur Winterpause Punkte sammeln, damit wir die Lage in Ruhe analysieren können und nicht ganz unten reinrutschen. Das wäre dann Abstiegskampf", sagte Eberl.

Für eine Auszeichnung bewarben sich beim Auswärtsspiel in Dortmund nur die Gladbacher Fans. Nach dem Abpfiff dirigierten sie die Mannschaft herbei, die mit hängenden Köpfen etwas zögerlich herangeschlichen war. Aufmunternd und inbrünstig sangen die Fans die "Elf vom Niederrhein". Nach wie vor schwören sie "Stein und Bein", und zumindest auf den Rängen hat sich in den vergangenen zwei Wochen eine klare Leistungssteigerung vollzogen.

Für die Verantwortlichen scheint das Borussenduell in Dortmund ein Übergangsspiel gewesen zu sein. Die Fehleranalyse war zwar offen und ehrlich. Wenn eine Mannschaft, die zuvor nur eines von 16 Auswärtsspielen gewonnen hatte, bei einer Mannschaft verliert, die seit 27 Heimspielen ungeschlagen war, dann gleicht das indes einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Die wahren Antworten auf die drängenden Fragen werden nun in den drei Bundesligaspielen vor Weihnachten beantwortet: zu Hause gegen den FSV Mainz 05, auswärts beim FC Augsburg und zu Hause gegen den VfL Wolfsburg. Die Szenen vor dem Gästeblock in Dortmund glichen einem Schulterschluss vor dem High Noon.

"Wir wissen, dass wir in der Liga hinterherhinken. Es sind immer wieder Kleinigkeiten, das müssen wir abstellen, weil wir in dem Strudel drin sind", sagte Kapitän Lars Stindl, der mit seinen Kollegen schon in mindestens fünf Spielen die Gelegenheit hatte, dem Strudel mit einer besseren Chancenverwertung zu entkommen. Der Puffer, der es den Borussen erlaubte, auch mal die Leistung über das Ergebnis zu stellen, ist aufgebraucht. Sportdirektor Eberl hat das mit seiner Forderung nach Punkten, die er allerdings nicht im Detail aussprach, untermauert. Einigermaßen ruhige Weihnachten werden mit weniger als zwei Siegen aus drei Spielen kaum möglich sein.

Gelingen die nicht, dürfte eine offene Trainerdiskussion nicht mehr zu verhindern sein. Eberl hatte sich in seinem Rundumschlag nach dem Manchester-Spiel noch offen gegen die Mechanismen des Geschäfts gewehrt. "Wir wollen auch mal versuchen, ein Tal zu durchstehen", sagte der 43-Jährige. Ohne die richtigen Ergebnisse vor der Winterpause nähme die Lage auch für harmoniebedürftige Gladbacher Verhältnisse bedenkliche Züge an.

Zu ihrer Ehrenrettung durften Schubert, Eberl und Co. am Samstag auf einen bärenstarken BVB verweisen, der mehrere Nummern zu groß war. Trainer Thomas Tuchel bescheinigte dem Team nach seiner Generalkritik in der Vorwoche "eine sehr komplette Leistung", wollte den Effekt seiner Worte aber nicht überbewerten. "Wir wissen ja nicht, ob wir gut trainiert haben, weil ich das gesagt habe oder obwohl ich das gesagt habe", sagte Tuchel. "Wir vertragen alle Lob, deshalb finde ich es gut, wenn wir von Zeit zu Zeit auch Kritik aushalten." Sich selbst schloss er explizit ein.

Beide Borussias fliegen nun nach Spanien. Dortmund kämpft bei Real Madrid um den Gruppensieg in der Champions League. Gladbach würde lieber gegen Mainz als gegen den FC Barcelona gut aussehen. So sehr hat sich die Lage zugespitzt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dortmund- Borussia: Einzelkritik

(RP)