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Borussia Mönchengladbach: Favre rotiert maximal im kleinsten Kreis

Borussia Mönchengladbach : Favre rotiert maximal im kleinsten Kreis

Das Erfolgsrezept des Borussen-Trainers fußt auf einem scheinbaren Widerspruch: Er setzt die wenigsten Spieler der Liga ein und rotiert doch wie kein Zweiter. Faire Spielweise und eine Minimalzahl an Verletzungen begünstigen dies.

Wer als Journalist bei Lucien Favre garantierten Widerspruch ernten will, sollte seine Frage mit "Dadurch, dass Sie ja nun einen breiteren Kader zur Verfügung haben..." einleiten. Das mit der Breite will Borussias Trainer nämlich partout nicht so im Raum stehen lassen. Ja, qualitativ sei der Kader im Sommer verbessert worden, aber die Anzahl der Spieler doch nicht. 20 Profis sind in Favres Planungen eine Kadergröße, mit der es sich arbeiten lässt. Die Statistik zeigt nun: Gerade er, der die Rotation in diesen so erfolgreichen Wochen für sich entdeckt hat und 17 verschiedene Startformationen in 17 Pflichtspielen aufbot, setzt in der Liga so wenige Spieler ein wie kein anderer Verein.

18 sind es bislang. Hinzukommt noch Mo Dahoud mit zwei Einwechslungen in der Europa League. Zum Vergleich: Die Bayern kommen in der Liga auf 20 Profis, der BVB auf 23, Schalke auf 22, Wolfsburg auf 21. Der HSV bringt es auf 25. Auf diesem scheinbaren Widerspruch — wenige Spieler, maximale Rotation — fußt Borussias Erfolgsrezept in diesen permanenten Englischen Wochen. Wobei Favres Rotation nicht auf der Maßgabe fußt, gegen vermeintlich schwächere Gegner die zweite Garde aufs Feld zu schicken, sondern die Belastung der vielen Spiele möglichst gleichmäßig zu verteilen.

Vor allem auf den sprintintensiven Außenbahnen und in den Offensivbereichen, in denen es körperlich und mental frische Kräfte braucht, um Kreatives auf den Rasen zu bringen. So kommt unter den 19 bislang eingesetzten Borussen der fiktive Durchschnittsprofi auf 12,4 Einsätze mit einer Gesamtspielzeit von knapp 886 Minuten. Die Extreme heißen Yann Sommer (maximale 1530 Minuten) und eben Dahoud und Brouwers (je 57 Minuten). Mittendrin bringt es ein Patrick Herrmann in immerhin 15 Einsätzen auf "nur" 652 Minuten, während ein Alvaro Dominguez in "nur" zwölf Einsätzen auf immerhin 1073 Minuten kommt.

Neben der Verteilung der physischen Belastung hält Favre mit dieser Rotation auch die Laune aller hoch. Stunk ist nicht in Sicht. "Wir wollen alle spielen, aber wir müssen akzeptieren, wenn der Trainer sagt, dass ein anderer spielt", sagt Ibrahima Traoré lapidar. Genau das lässt sich eben für denjenigen besser verkraften, der weiß, dass er beim nächsten Spiel wieder in der Startelf steht. Das Wechselspiel im kleinen Kreis sorgt zudem dafür, dass Abläufe und Automatismen selbst bei einem Austausch der halben Startelf zwischen Sonntag und Donnerstag nicht etwa auf Kosten der spielerischen Qualität gehen. "Es sind gute Fußballer dabei, die nicht nur die Laufwege kennen, sondern auch instinktiv spielen können", sagt Traoré.

Dass Favre bislang aus nur 19 Spielern 17 verschiedene Formationen speisen konnte, wird natürlich erst dadurch ermöglicht, dass Borusia bislang fast ohne größere Verletzungen durch die Saison kommt. Granit Xhakas Bänder- und Kapselriss ist im Prinzip der erste richtige Störfaktor. Gut, Tony Jantschke und Christoph Kramer fielen mal grippegeschwächt aus, und am Anfang warf Max Kruse die Harnleiter-OP zurück, aber von den Sorgen in Dortmund, Schalke, Leverkusen oder München blieb Gladbach bislang verschont. "Natürlich ist auch Glück dabei, wenn eine Mannschaft von schweren Verletzungen verschont bleibt. Gelingt genau das aber über einen längeren Zeitpunkt, würde ich es nicht mehr nur Glück nennen. Da muss dann auch ein System einer funktionierenden Vorbeugung vor Verletzungen vorhanden sein", sagte Mannschaftsarzt Stefan Hertl jüngst im Interview mit dieser Zeitung. Was Borussias Ausfallliste zudem klein hält: Das Team kommt bislang ohne Platzverweis aus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Einsatzzeiten der Borussen

(klü)