Gladbach-Profi immer noch verärgert wegen England Kramer ist am Donnerstag EM-Experte mit einem weinenden Auge

Mönchengladbach · Der Auftritt der englischen Nationalmannschaft gegen Serbien regt Christoph Kramer weiter auf. Im Podcast „Copa TS“ nennt der Gladbach-Profi und ZDF-Experte auch positive Beispiele bei der EM. Kramer spricht zudem über einen Trikotwunsch und erklärt eine unterschätzte Disziplin.

Christoph Kramer als EM-Experte: Sprüche und Zitate des Gladbach-Profis
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Die besten Sprüche von Gladbachs Christoph Kramer

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Foto: dpa/Christian Charisius

Während seine Mannschaftskollegen von Borussia Mönchengladbach größtenteils in der Sonne liegen, kommt Christoph Kramer derzeit auf dem Sofa im ZDF-EM-Studio ins Schwitzen. „Das ist ein Stoff, der sich immer an Hemd und Hose festsaugt“, berichtet er im Podcast „Copa TS“ mit Tommi Schmitt aus Berlin. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie heiß es in diesem Studio ist. Diese 500 mal 700 Meter große LED-Wand gibt so viel Wärme ab.“

In der neuen Folge, die am Dienstag erschienen ist und vor den Spielen am Montag aufgezeichnet wurde, blickt Kramer ein wenig hinter die Kulissen und moniert unter anderem die Qualität des Caterings im ZDF, für das er bei der EM nun schon länger im Einsatz war als für Borussia in der abgelaufenen Saison. Doch vor allem spricht Kramer mit seinem Kumpel Schmitt natürlich über das Geschehen auf dem Platz.

Christoph Kramer illustriert Kritik an Phil Foden

Dabei knüpft er noch einmal an seine Kritik am Auftritt der englischen Nationalmannschaft gegen Serbien an, bereits beim knappen 1:0 am Sonntag hatte sich Kramer in Rage analysiert. „26 Menschen haben 1,5 Milliarden Marktwert und spielen so einen Fußball – das ist traurig“, sagt er. „Dass diese Mannschaft den Titel holen kann, ist klar. Aber sie tun so viel dafür, dass die Wahrscheinlichkeit sinkt.“

Das illustriert Kramer unter anderem an Phil Foden, dem Spieler des Jahres in der Premier League, der nicht annähernd an seine Saison im Trikot von Manchester City anknüpfen konnte. „Wenn Foden den Ball hatte, hatte er so viele Flüchtigkeitsfehler drin, weil er es nicht gewohnt ist, der Musik hinterherzurennen“, sagt Kramer. „Bei City kriegt er den Ball und hat einen Puls von 65, bei England hat er einen Puls von 195. Dann macht er Fehler, das ist doch verständlich.“

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Foto: jdp/Jens Dirk Paeffgen

Die Kritik des 33-Jährigen leitet über zu den Teams, die ihm bislang am meisten Freude bereitet haben. „Wenn England so spielt wie Deutschland oder Spanien, gewinnen sie neun von zehn Spielen gegen Serbien. Aber so, wie sie es gemacht haben, war das einer von drei oder vier Siegen mit dieser Herangehensweise“, erklärt Kramer. „Deutschland und Spanien – das ist einfach wie 2010 und macht Bock. So spielt man diesen Sport und das ist am Ende auch erfolgreich.“

Ein Xavi-Simons-Trikot für den Sammler Kramer

Neben den Italienern beim 2:1 gegen Albanien fand Kramer auch die Niederländer beim 2:1 gegen Polen stark. Da kam der passionierte Trikot-Sammler sogar in Shoppinglaune, wurde aber nicht direkt fündig. „Ich hätte gerne ein Xavi-Simons-Trikot mit der 7. Dass Xavi hinten auf dem Trikot steht, finde ich mega“, sagt Kramer, der sich zuletzt auf Mallorca mit einem gefälschten Spanien-Trikot eingedeckt hatte, bevor er das Vorbereitungsspiel gegen Nordirland – gemeinsam mit Co-Podcaster Schmitt – besuchte. Das Outfit von Memphis Depay, der wie ein Basketballspieler mit Frottee-Stirnband aufläuft, dürfte es bei Kramer allerdings nicht zu sehen geben. „Es würde mir nicht stehen, aber ich würde das voll gerne tragen.“

Warum Kramers Analysen im ZDF so gut ankommen, wird auch in der „Copa TS“-Folge wieder deutlich. Da kommt er mit Schmitt auf den Einwurf-Fauxpas der Italiener zu sprechen, der Albanien das schnellste Tor der EM-Geschichte ermöglichte – weil Federico Dimarco den Ball nach hinten zum Innenverteidiger werfen wollte. „Mit einem Einwurf nach vorne gibt es zu 70 Prozent einen Ballverlust, mit einem Einwurf nach hinten nur zu zehn Prozent“, sagt Kramer, nur werde es eben gefährlich, wenn es schiefgeht.

Spanien gegen Italien nur mit Kramers Vater

Und dann taucht Gladbachs Mittelfeldspieler, der nach der Laufbahn eine Trainerkarriere anstreben könnte, in die Einwurf-Philosophie ein. „Es gibt sehr viele Einwürfe im Spiel, das ist ganz unterschätzt und irgendwie nie auf einem Trainingsplan zu finden. Einwürfe sind hammerwichtig, das sieht man am SC Freiburg: Wenn die einen Einwurf haben, passiert immer das Gleiche, was der Gegner nicht verteidigen kann“, berichtet Kramer, das sei auf Christian Streichs Akribie zurückzuführen.

So sehr er den Expertenjob im ZDF liebt, ein wenig wehmütig wird Kramer am Donnerstag dann doch werden, wenn Spanien und Italien – zwei seiner Lieblingsteams – aufeinandertreffen im ersten Topspiel des Turniers. „Leider ein ZDF-Spiel, deswegen bin ich im Studio“, sagt Kramer. „Leider vor allem, weil ich Karten habe für Spanien gegen Italien in Gelsenkirchen, da geht mein Papa hin.“ Kramer ist Profi, Analyst, Podcaster, Trainer in spe, Trikotsammler – und dabei natürlich auch einfach Fan.