Borussia Mönchengladbach "Eine Spitzenmannschaft zieht auf 3:1 davon"

Mainz · Das 2:2 beim FSV Mainz 05 festigt die Ansicht, dass sich erst im Mai entscheidet, ob Borussia Champions oder Europa League spielt. Internationale Abstinenz scheint es aber in der kommenden Saison nicht zu geben.

Borussia Mönchengladbach beim FSV Mainz 05: Einzelkritik
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Mainz - Borussia: Einzelkritik

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Falls es eine Befürchtung der Borussen-Profis nach dem 2:2 in Mainz gewesen war, erwies sie sich als unnötig: Trainer Lucien Favre nahm die Enttäuschung über den verschenkten, nach einer 2:0-Führung sicher geglaubten Sieg nicht zum Anlass, an seinem ursprünglichen Vorhaben zu rütteln, den Seinen drei Tage trainingsfrei zu spendieren. So haben sie in Mönchengladbach nach zuletzt sieben Partien in 22 Tagen allesamt mal ein wenig Zeit und Raum, sich zu erholen und auch mental für die Belastung zu wappnen, dass es wohl bis zum Saisonende spannend und nervenaufreibend bleibt. Was wird unter dem Strich als Lohn dieser Spielzeit stehen? Champions League? Europa League? Oder internationale Abstinenz?

Zumindest letzteres verliert als Szenario in diesen Wochen zunehmend an Wahrscheinlichkeit. In der bisherigen Rückrunde baute Borussia ihren Vorsprung auf den ersten Nicht-Europapokalplatz von einem auf acht Zähler aus. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre zwar selbst ein Verpassen der internationalen Ränge verkraftbar. "Wenn wir aus kaufmännischer Sicht die Qualifikation für Europa zur Verpflichtung erklären würden, würden wir hier am Standort Mönchengladbach etwas grundlegend falsch machen", hatte Geschäftsführer Stephan Schippers schon zu Saisonbeginn gesagt. Aber sportlich wäre ein Zieleinlauf ab Rang sieben nach dem bisherigen Saisonverlauf eine herbe Enttäuschung.

Max Kruse schießt an den Pfosten
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Kruse schießt an den Pfosten

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Am Ende bleibt vermutlich ohnehin vor allem die Frage, ob die Borussen tatsächlich den Sprung in die Champions League schaffen. Dafür war das 2:2 in Mainz zunächst einmal ein Dämpfer. "Wenn wir uns für die Champions League qualifizieren wollen, dann darfst du hier nicht 2:2 spielen — nicht nach einer 2:0-Führung", schimpfte Christoph Kramer, und auch Sportdirektor Max Eberl stellte klar: "Wir werden immer gerne als Spitzenmannschaft tituliert, eine Spitzenmannschaft zieht aber wieder auf 3:1 davon. Und wir sind eben dabei, zu lernen." Der Vorsprung auf Rang fünf schmolz angesichts der Siege von Schalke und Augsburg auf drei Zähler, aber Fakt ist eben auch: Borussia kann Rang drei weiterhin aus eigener Kraft verteidigen. Und dieser Rang drei würde eben in der kommenden Saison den ungehinderten Zugang zur größten Einnahmequelle im globalen Vereinsfußball garantieren.

Eine Qualifikation für die Gruppenphase der Königsklasse käme für Gladbach dabei dem größten Entwicklungsschritt in der Vereinsgeschichte gleich. Denn so sehr die Champions League für einen Teilnehmer, gerade für einen erstmaligen, immense Möglichkeiten in Sachen Finanzen, Kaderplanung und Klub-Evolution eröffnet, so sehr stellt sie mittelfristig eine Zäsur dar, der sich ein Verein zwangsläufig stellen muss. Zwar betont Schippers "das Gehaltsgefüge muss homogen wachsen", doch es müsste eben weiter wachsen - in Form qualitativ hochwertiger und teurer Zugänge. Die konstanten Einnahmen der Königsklasse haben Borussia Dortmund mehr als nur saniert. Werder Bremen kann dagegen ein trauriges Lied davon singen, wie schwer und prekär es ist, einen über Jahre auf Königsklassen-Gehaltsniveau getrimmten Kader sukzessive auf Jahre ohne internationale Spiele abzubauen.

Wer regelmäßig Europa League spielt, kann Spielzeiten ohne selbige schon eher folgenlos bewältigen, wer mehrmals Champions League spielt, der braucht sie irgendwann. Unter den Gladbacher Verantwortlichen steht derweil niemand im Verdacht, kaufmännische Luftschlösser zu bauen - das gilt auch zweifelsohne für den Fall, dass Borussia tatsächlich 2015/16 in der Champions League antritt. Die Chance dafür ist nach wie vor groß wie nie - auch nach der Enttäuschung von Mainz.

(RP)