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Borussia Mönchengladbach: Ein Serienkiller am Samstag

Borussia Mönchengladbach : Ein Serienkiller am Samstag

Drei Gegentore, Führung aus der Hand gegeben, zu Hause verloren, insgesamt zum zweiten Mal in Folge – Borussias 1:3 gegen Eintracht Frankfurt war ein Spiel der Raritäten. Dabei hatte allein schon der Wochentag, an dem die Partie stattfand, für staunende Gesichter gereicht.

Drei Gegentore, Führung aus der Hand gegeben, zu Hause verloren, insgesamt zum zweiten Mal in Folge — Borussias 1:3 gegen Eintracht Frankfurt war ein Spiel der Raritäten. Dabei hatte allein schon der Wochentag, an dem die Partie stattfand, für staunende Gesichter gereicht.

1.) Eintracht the Ripper Nach 18 Spielen ohne Niederlage war das 0:1 in Dortmund ein geradezu einschneidendes Erlebnis. Aber wer davon überzeugt war, hatte noch nicht das 1:3 gegen Frankfurt gesehen — ein Serienkiller wie Jack the Ripper, so viele Läufe gehen sonst nur beim Berlin-Marathon zu Ende.

• letztes Spiel mit drei Gegentoren: am 10. Mai beim 1:3 in Wolfsburg
• letzte Niederlage nach Führung: am 19. April beim 2:4 in Freiburg
• letzte Heimniederlage: am 8. März beim 1:2 gegen Augsburg
• letzte Doppelpleite: am 7. Februar beim 0:1 gegen Leverkusen

All das kann jetzt ausgetauscht werden gegen das 1:3 gegen Frankfurt am 22. November.

2.) Alte Muster In dieser Liste findet sich ein Spiel, das bis zum Samstag wahrscheinlich das bislang letzte war, das ähnlich in die Hose ging. Am Ostersamstag lief für die Borussia beim SC Freiburg 45 Minuten lang alles nach Maß: Nach neun Minuten das 1:0 gemacht, Chancen herausgespielt, alles im Griff gehabt, lediglich das zweite oder gar dritte Tor nicht gemacht. Zur Halbzeit hätte man sich die Feiertage mit einer Wette auf eine 2:4-Niederlage inklusive Platzverweis für einen Borussen ganz schön versüßen können, daran war überhaupt nicht zu denken. Gegen Frankfurt wurde es nun kein 2:4, sondern ein 1:3 — ein Rückfall in alte, beinahe vergessene Muster. Granit Xhaka ließ bei der Herstellung von Parallelen mehr Sorgfalt walten und holte sich die Gelb-Rote Karte wie in Freiburg persönlich ab. Erst einmal war er in 15 Pflichtspielen verwarnt worden. Theoretisch kann Xhaka diese Fairness-Ausbeute weiter vor sich hertragen, die erste Gelbe vom Samstag wird schließlich gestrichen.

3.) Akustische Fohlen Dabei sollte das Spiel gegen die Eintracht bereits durch seine Ansetzung ein Feiertag werden. Samstag, 15.30 Uhr, Borussia-Park — das war in Vergessenheit geraten wie unnötige Niederlagen nach Führungen. Das 3:1 gegen Mainz am 3. Mai auszugraben, gleicht fast schon einem archäologischen Kraftakt. Und dann ertönte gut zehn Minuten nach dem Anpfiff tatsächlich ein Wiehern im Stadion, als das 1:0 von Eric Maxim Choupo-Moting für Schalke gegen Wolfsburg auf den Videowänden angezeigt wurde.

4.) Tag für Tag So sieht Borussias Wochentags-Bilanz nach dem 20. Pflichtspiel der Saison aus:

Mittwoch: zwei Siege, kein Unentschieden, keine Niederlage
Donnerstag: vier Siege, zwei Unentschieden, keine Niederlage
Samstag: vier Siege, kein Unentschieden, eine Niederlage
Sonntag: ein Sieg, fünf Unentschieden, eine Niederlage

Bis zum vergangenen Samstag war der Samstag perfekt, am Sonntag sollte die Erwartungshaltung nicht über ein Unentschieden hinausgehen, das wiederum unter der Woche das Minimum ist. Heißt für die kommenden beiden Spiele: Die Borussia macht in Villarreal unter Umständen mit einem Unentschieden schon das Weiterkommen klar und verliert auch in Wolfsburg nicht. (Zugegeben, ein paar Konjunktive würden dem vorherigen Satz gut zu Gesicht stehen).

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5.) Wechselhafter Monat Das Frankfurt-Spiel war der Start in den letzten Doppelbelastungs-Block bis Weihnachten. Nach "5 in 16" und zweimal "7 in 23" heißt es jetzt "8 in 29". Zuletzt hatte die Borussia nach der Länderspielpause zweimal einen Leistungssprung präsentiert: Im September gab es das 4:1 gegen Schalke, im Oktober das 3:0 in Hannover. Der November jedoch — eigentlich der Favre-Monat schlechthin — verläuft sportlich so wechselhaft, wie man es wettermäßig von ihm gewohnt ist.

6.) Pulver verschossen Eine Viertelstunde lang sah es gegen Frankfurt aber so aus, als melde sich die Borussia wieder einmal auf einem neuen Level aus der Länderspielpause zurück. Der Gipfel der Überheblichkeit wäre es gewesen, nach dieser Anfangsphase siegesgewiss den Fernseher oder das Radio abzuschalten, so sehr hatte die Mannschaft von Lucien Favre die Eintracht überrollt. Wer nur die ersten fünf Minuten verfolgte, sah zwei von drei Schüssen der Gladbacher aufs gegnerische Tor. Wer die ersten 50 Minuten verfolgte, sah drei der Frankfurter, die bis zum Ende des Spiels noch auf 13 kamen. Die Borussia stellte zumindest das zielgenaue Feuer mit der Chance von André Hahn direkt nach der Pause ein.

7.) Rücken und Co. Vermutlich hätte Lucien Favre am Samstag gerne eine Elf aufgestellt, die es in dieser Saison schon einmal gegeben hatte. Doch der erste Ausfall von Martin Stranzl durchkreuzte sämtliche Kontinuitätspläne. In den vergangenen Wochen haben sich die Wehwehchen gehäuft beim VfL, der Trainer war nicht mehr alleiniger Herr der Rotation. Die Krankenakte der vergangenen fünf Wochen besteht aus Magen-Darm-Problemen, einem grippalen Infekt, Oberschenkel-Beschwerden, einem Bänderriss, einem Sehnenanriss und Rücken. Was für einen einzigen zu viel wäre, sollte ein 20-Mann-Kader auffangen können. Trotzdem wäre es den Borussen wohl lieber, nicht zwangsläufig den Beweis antreten zu müssen, dass es auch ohne Abwehrchef Stranzl ginge.

8.) Bälle für die Wölfe 1-3-1 und 4-2-1 sind nicht die Notenfolgen zweier Schüler im Mathe-Leistungskurs. Hinter den Zahlen steckt Borussias Saisonbilanz, je nachdem ob die Favre-Elf mehr oder weniger Ballbesitz als der Gegner hatte. Mit mehr als 50 Prozent gelang nur in Paderborn ein Sieg. Die restlichen vier Erfolge kamen mit weniger als 50 Prozent zustande, also auch das beeindruckende 4:1 gegen Schalke, das 3:0 in Hannover und das 3:1 gegen Hoffenheim — über weite Strecken Blaupausen des angestrebten Borussia-Fußballs in dieser Hinrunde. Nächster Gegner in der Bundesliga ist Wolfsburg. Die Mannschaft von Dieter Hecking hat nach den Bayern und Dortmund am häufigsten den Ball.

9.) 100.000 Leute haben wir gefragt… Wie viele Leute hätte man die ersten sechs Teams der Tabelle nach dem 12. Spieltag tippen lassen müssen, um wenigstens eine richtige Vorhersage zu bekommen? 100, 1000, 10.000? 100.000? Die Bundesliga ist die Liga, in der der SC Paderborn einen 0:2-Rückstand gegen Borussia Dortmund ausgleichen kann, wenn auch mit etwas Unterstützung des Schiedsrichters. Die Bundesliga ist die Liga, in der zuletzt so dröge Schalker nach 25 Minuten 3:0 gegen den VfL Wolfsburg führen können, der zuvor acht Pflichtspiele in Folge gewonnen hatte.

10.) Ein Dritter wie ein Sechster Und ja, die Bundesliga ist auch die Liga, in der ausgerechnet die mit fünf Niederlagen in Folge angereiste Eintracht aus Frankfurt für Borussia Mönchengladbachs erste Heimpleite nach 13 Spielen ohne Niederlage sorgen kann. Und so steht die "Elf vom Niederrhein", die spätestens nach dem 3:1 gegen 1899 Hoffenheim ohne Zweifel ein Spitzenteam war, nur einen Punkt vor Hannover 96 (erst zehn Tore), zwei vor dem FC Augsburg (schon sechs Niederlagen) und drei vor dem FC Schalke (schon den Trainer gewechselt). Nie seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 hatte der Tabellendritte nach zwölf Spieltagen weniger als 20 Punkte auf dem Konto.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kramer und Stranzl trainieren individuell