Borussia Mönchengladbach: Ein Lehrstück fürs rheinische Derby

Borussia Mönchengladbach : Ein Lehrstück fürs rheinische Derby

Borussia Mönchengladbach verliert 0:1 auf Schalke und bietet reichlich unproduktiven Fußball. Doch die Niederlage in Gelsenkirchen könnte die perfekte Vorbereitung auf das Derby gegen den 1. FC Köln sein.

Fußballspiele, die vorbei sind, sind für Lucien Favre nur noch Nutzwertstücke. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach analysiert sie, saugt die nötigen Informationen aus ihnen heraus und hakt sie ab. So ist es auch mit dem 0:1 seiner Mannschaft beim FC Schalke 04, der ersten Niederlage der Rückrunde. Es war ein Spiel, dessen Statistik wieder einmal den in Mode gekommenen Hang zum Ballbesitz ad absurdum führte. 69 Prozent waren zugunsten der Mönchengladbacher verzeichnet, doch das einzige Tor erzielte Schalke. "Manchmal ist zu wenig, nur Ballbesitz haben", resümierte Favre. Es war ein Ballbesitz der Art, die Favre "schlechten Ballbesitz" nennt.

Früher wurde so etwas "brotlose Kunst" genannt: hübsch anzusehen war es schon, wie die Borussen den Ball laufen ließen. Doch wenn es bei aller Zirkulationsästhetik in der Kategorie "Schüsse aufs Tor" nur eine 1 steht, dann passt etwas nicht. "Freiburg hatte gegen uns mehr Ballbesitz, da haben wir gewonnen", erinnerte sich Favre. Seine Spieler lernten danach für die nächste Begegnung, dominanter zu sein. Doch fehlte Effektivität vorn - und auch hinten. "Wir haben geschlafen, so fiel das Schalker Tor - und auf dem Niveau, von dem wir träumen, darf das nicht passieren", monierte Granit Xhaka.

Xhaka mahnte nebenbei zur Bodenständigkeit. "Ich habe das Gefühl, einige denken, dass sie so weit sind, sich auf die Champions League konzentrieren zu müssen. Aber wir müssen wieder auf den Boden kommen, denn so weit sind wir noch nicht", sagte er. Und sprach damit seinem Trainer aus dem Herzen, für den Borussias Anwesenheit im oberen Tabellenfeld zuweilen ein Wunder zu sein scheint angesichts der finanziell und sportlich potenteren Konkurrenz wie Schalke 04. Favre versucht stets, Euphorie zu bremsen. Das dürfte für den Schweizer nun eine schwere Aufgabe werden: Denn der 1. FC Köln kommt nach Gladbach.

Der rheinische Derby am Karnevalssamstag - mehr Emotion geht nicht.

Favre wird es sportlich nehmen und das, was er auf Schalke sah, einarbeiten in die Vorbereitung auf das Derby. Der Italo-Schweizer Roberto Di Matteo hatte für das Spiel einen perfekt organisierten Riegel entworfen und die offensiven Ambitionen rein auf das Konterspiel beschränkt. Ein Tor nach elf Minuten kommt so einer Taktik entgegen. "Sie haben einen Bus vor ihr Tor gestellt", fasste Granit Xhaka zusammen. Favre wird Di Matteo vielleicht ein wenig dankbar sein. Denn so war das Schalke-Spiel für die Borussen das perfekte Lehrstück für das Derby. Die Kölner, das zweitbeste Auswärtsteam der Liga, kontern gut und gern - und sind defensiv sehr ordentlich organisiert.

"Auf Schalke" fanden die Borussen keine Lücke in einem solchen Bollwerk, auch, weil die Bemühungen zu statisch und zu behäbig waren. "Die Power nach vorn hat gefehlt", sagte Favre. Das ist die Krux des Ballbesitzspiels: Ohne Effektivität ist es reiner Selbstzweck.

Borussias Sportdirektor Max Eberl will sich indes nicht auf eine Debatte über das Für und Wider des Gladbacher Systems einlassen. "Diese Spielweise hat uns in unsere gute Situation gebracht", stellte er klar. Die weist Gladbach trotz der Niederlage als ambitioniertes Spitzenteam aus - und somit als Favoriten gegen den Aufsteiger Köln.

Am Samstag soll das Favre-System den dritten Sieg des Jahres 2015 bringen. Der nötige Ballbesitz plus die nötige Kreativität plus die nötige Effektivität - das dürfte die Formel auf Favres Lehrplan für diese Woche sein.

Da es ausnahmsweise keine Englische Woche ist, haben die Borussen reichlich Zeit zum Üben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schalke - Gladbach: Einzelkritik

(RP)
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