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Dieter Hecking: "Werde mich immer vor die Spieler stellen"

Dieter Hecking im Interview : "Ich werde mich immer vor die Spieler stellen"

Gut gespielt, nicht belohnt - dieses Fazit hat Borussias Trainer Dieter Hecking nach der Testspiel-Niederlage in Düsseldorf gezogen. Außerdem sprach er über Michael Cuisance, seine Youngster und die Aufarbeitung der schlimmeren von zwei Derby-Niederlagen.

Herr Hecking, Testspiele dieser Art sind immer zweigeteilt zu bewerten. Fangen wir mit den Leuten aus Ihrem Profikader an wie Tony Jantschke und Jonas Hofmann. Wie haben die Ihnen gefallen?

Hecking Es ist für die Spieler generell nicht einfach, in einer komplett neuformierten und mit vielen Nachwuchsleuten besetzten Mannschaft zu spielen. Aber ich denke, dass das Spiel sehr sinnvoll war, weil es auch Spieler betraf, die schon im Test gegen Mainz weniger Einsatzzeit hatten. Sie haben es ordentlich gemacht.

Hofmann hat erstmals seit einer halben Ewigkeit 90 Minuten durchgespielt. Wie fällt sein Zeugnis aus?

Hecking Spielerisch und läuferisch war das genau das, was ich sehen wollte. Er war fast drei Monate raus, deshalb war das für ihn ein sehr guter Test — und er hat ihn zu 100 Prozent bestanden.

Michael Cuisance haben Sie bei seiner Auswechslung in den Arm genommen. War das ein Zwiegespräch oder mussten Sie ihn aufmunter?

Hecking Weder noch. Mika hat hervorragend gespielt. Er wollte gerne noch länger spielen, aber wir haben am Samstag ein Bundesligaspiel. Da ist er immer eine ernsthafte Option, deshalb muss er hier nicht 90 Minuten gehen.

Wie schafft man es, ihm als Trainer beizubringen, dass aus seinem Mut kein Übermut wird?

Hecking Diese spezielle Art wollen wir ihm gar nicht austreiben. Deshalb ist er ja mit 18 Jahren schon ein Unterschied-Spieler. Er wird selbst merken, wann er sein Spiel anpassen muss, wann Risiko gut ist und wann vielleicht nicht.

Kommen wir zu den zahlreichen Youngstern aus der U19 und der U23. Wie haben Sie die gesehen?

Hecking Absolut positiv. Ich fand es nur schade, dass sie sich nicht mit einem guten Ergebnis belohnt haben. Das war bei der Fortuna 60 Minuten die Mannschaft, die nächste Woche gegen Aue in der 2. Liga spielen wird. Wenn du da so viel Ballbesitz hast und gute Chancen kreierst, hast du einiges richtig gemacht. Aber du musst dich auch belohnen. Da hat man die Qualität der erfahrenen Leute beim Gegner gesehen, die aus drei Chancen zwei Tore gemacht haben.

Florian Mayer zum Beispiel war schon in der Sommer-Vorbereitung dabei, zuletzt länger nicht. Es gibt in diesen Tests also immer auch ein paar andere Gesichter zu sehen.

Hecking Florian Mayer hat ein richtig gutes Spiel gemacht, auch unsere linken Außenverteidiger Justin Hoffmanns und Manny Egbo, dazu Louis Beyer, der sogar aus dem jüngeren A-Jugend-Jahrgang stammt, hinten rechts. Marcel Benger hatte viel Spiel- und Ballkontrolle im zentralen Mittelfeld, dazu Mike Feigenspan und Ba-Muaka Simakala, der nach seiner Einwechslung für Belebung gesorgt hat. Auch Mika Hanraths und Alper Arslan aus der U19 haben noch Einsatzzeit bekommen, die für ihre Entwicklung wichtig ist. Das sind alles Spieler, die bei uns im Fokus sind. Wir wissen, dass es ein beschwerlicher Weg bis ganz nach oben ist, und nicht alle Talente werden durchkommen. Aber wenn sie über eine gute Ausbildung verfügen, werden sie ihren Weg schon gehen.

Am Montag haben Sie das Derby lange aufgearbeitet mit der Mannschaft, am Dienstag hatte sie frei. Ist die Niederlage damit am Mittwoch abgehakt oder ist es angesichts einer Niederlage im Derby noch wichtiger, eine konkrete Reaktion zu zeigen? Am Samstag kommt Augsburg.

Hecking Natürlich ärgern wir uns, dass wir das Derby verloren haben, obwohl wir die bessere Mannschaft waren. Darüber ärgern wir uns noch mehr als alle anderen, vor allem waren wir bitter enttäuscht, dass wir in letzter Sekunde noch den einen Punkt hergeschenkt haben. Ich habe Dinge gesehen, die mir nicht so gefallen haben, zum Beispiel, dass die Durchschlagskraft gefehlt hat und dass wir in zwei, drei Situationen nicht konsequent genug verteidigt haben. Trotzdem — auch wenn man das als Fan nicht gerne hört nach einer Derby-Niederlage — gab es auch viele positive Dinge. Am Ende wird aber alles auf das Ergebnis reduziert. Wenn wir den Elfmeter bekommen hätten, der absolut gerechtfertigt gewesen wäre, wäre alles, was in der Nachbetrachtung jetzt Mist ist, gut gewesen. Das ist dieses Schwarz-Weiß-Denken, dem müssen wir uns stellen. Wir wissen, dass wir in der Lage sind, den FC Augsburg zu schlagen. Darauf müssen wir uns jetzt fokussieren. Aber das Augsburg-Spiel hat nichts mit dem Köln-Spiel zu tun. Die Derby-Niederlage können wir nicht gutmachen. Das können wir, wenn die Kölner die Klasse halten sollen, im nächsten Derby, sonst vielleicht erst in ein paar Jahren.

Bislang folgte auf ein schlechtes Spiel fast immer eine Reaktion. Zwei Niederlagen in Folge hat es diese Saison nicht gegeben. Kommen da bei der Mannschaft nicht automatisch Gedanken auf nach dem Motto: "Was passiert, wenn wir es diesmal nicht schaffen?"

Hecking Dieser Ansatz ist total negativ. Und es wäre fatal, wenn wir mit solchen Gedanken ins nächste Spiel gehen würden. Die Mannschaft hat keine Angst. Es ist eine Mannschaft, die Fußball spielen will. Das bedeutet, dass sie einen vergleichsweise großen Aufwand betreiben muss, um Tore zu machen. Aber mir gefällt es, dass sie diesen Aufwand betreiben will und Fußball spielen will, um zu Möglichkeiten zu kommen. Das kann aber auch mal schiefgehen, und dann stimmt das Ergebnis nicht. Deshalb kann ich manche Kritikpunkte nachvollziehen, andere dagegen nicht. Ich habe die Vorwürfe gehört, dass die Mannschaft angeblich nicht richtig wollte im Derby, aber das ist ein völlig falscher Ansatz. Sie können davon ausgehen: Diese Mannschaft will immer. Der eine bringt das von der Körpersprache besser rüber, der andere weniger. Aber ich werde mich immer vor sie stellen.

Die Fragen in der Mixed Zone der Esprit-Arena stellte Jannik Sorgatz.