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DFB verzichtet nach Banner-Aktion im Borussia-Park auf Anzeige gegen Gladbach-Ultras

Banner-Aktion im Borussia-Park : Polizei und DFB erklären Maßnahme beim Länderspiel gegen Gladbacher Ultras

Anhänger der Mönchengladbacher Ultraszene machten beim Länderspiel zwischen Deutschland und Italien im Borussia-Park mit einem Banner auf sich aufmerksam. Daraufhin wurden sie von der Polizei kontrolliert. Wie diese ihre Maßnahme begründet und was der DFB zu den Vorfällen sagt.

Kurz nachdem Deutschlands Angreifer Timo Werner am Mittwochabend 16 Sekunden nach dem Anpfiff das erste Mal im italienischen Strafraum aufgetaucht war, ließ Antonio Rüdiger den Klärungsversuch der Italiener auf Höhe der Mittellinie ins Aus trudeln. Dort hatten sich, auf der Osttribüne des Gladbacher Borussia-Parks, Ultras der Mönchengladbacher Fanszene versammelt, um unmittelbar hinter der Bande ein Banner auszurollen.

„15.000 Tote für große Kulissen - Fifa und Co. ohne Gewissen“, stand dort in Großbuchstaben geschrieben. Eingefangen wurde das Banner, das den Zusatz „Boycott Qatar“ enthielt, auch prompt von der Kamera. ZDF-Kommentator Oliver Schmidt las den Zuschauern, die die Partie am Fernseher verfolgten, das Transparent vor. „Eine deutliche, eine wahre Botschaft und gut, dass sie hier ihren Platz hat“, sagte Schmidt.

Während die Beteiligten das Banner hochhielten, versperrten sie einigen Zuschauern in den ersten Reihen die Sicht, verschwanden allerdings nach rund drei Minuten wieder, um das Stadion zu verlassen, sich aber weiter im Umfeld des Borussia-Parks aufzuhalten. Dieses Verhalten wurde vom DFB, der am Mittwoch eine Stellungnahme veröffentlichte, als „untypisch“ angesehen. Deshalb habe man „aus Sorge um die Sicherheit der Veranstaltung“ die Polizei informiert.

Geplant war die Aktion der Gladbacher Fanszene nach Informationen unserer Redaktion schon länger, alle Teilnehmer hatten sich die Tickets für die Partie im Vorfeld über den offiziellen Vorverkauf des DFB gesichert. Nachdem der Katar-Protest beendet war und die Gladbach-Anhänger den Borussia-Park verlassen hatten, kam es im Umfeld des Stadions zu einer Personenkontrolle durch die Polizei Mönchengladbach, bei der nach Informationen unserer Redaktion die Personalien von 15 Fans aufgenommen worden, die mit dem Banner in Verbindung gebracht worden waren.

Auf Nachfrage begründete ein Sprecher der Polizei Mönchengladbach die Maßnahme damit, dass zum Zeitpunkt der Aktion der Verdacht aufgekommen war, die Personen hätten gegen das Hausrecht des DFB verstoßen und möglicherweise weitere Aktionen geplant. Da die Botschaft der freien Meinungsäußerung unterliegt, sei es zu keinem Zeitpunkt um den Inhalt des Plakats gegangen.

Allerdings ist in den Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen (ATGB) des DFB festgelegt, dass „Spruchbänder, Banner, Fahnen und Transparente mit einer Fläche von mehr als 2 qm“ nur nach vorheriger Absprache und Zustimmung des DFB erlaubt sind. Diese Genehmigung lag nicht vor, jedoch verzichtete der DFB nach Absprache mit der Polizei Mönchengladbach darauf, straf- und verbandsrechtliche Schritte einzuleiten. Es ist uns ein Anliegen zu betonen, dass die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist. Diese einzuschränken war und ist nicht im Interesse des DFB“, teilte der DFB mit. Auch eine Übermittlung der Personalien sei laut Polizei nicht erfolgt. Konsequenzen soll der Katar-Protest für die Fans daher nicht haben.

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Noch bis in die Nacht hinein hatte die Kontrolle der Polizei in Gladbacher Fankreisen für Aufruhr gesorgt, auch die Fanhilfe Mönchengladbach schaltete sich ein und hatte bereits während des Spiels von den Vorfällen berichtet. Nach Aufnahme der Personalien war die Gruppe entlassen worden. Laut Polizei soll keine Eintragung in die Liste der „Gewalttäter Sport“ erfolgen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alle Länderspiele im Borussia-Park