Spurensuche im Fußballmuseum in Dortmund Was Gladbach für den deutschen Fußball geleistet hat

Dortmund · Vor 50 Jahren waren die Gladbacher Berti Vogts und Rainer Bonhof maßgeblich am deutschen WM-Sieg in München beteiligt. Es war aber beileibe nicht das einzige Mal, dass niederrheinische Borussen Historisches taten im deutschen Fußball. Eine Spurensuche im Dortmunder Fußballmuseum.

Günter Netzer 2019 im deutschen Fußballmuseum bei der Einweihung der Hall of Fame.

Günter Netzer 2019 im deutschen Fußballmuseum bei der Einweihung der Hall of Fame.

Foto: dpa/Ina Fassbender

Am 7. Juli 1974 halfen zwei Borussen dem DFB-Team, Geschichte zu schreiben. Im Finale der Weltmeisterschaft vor 50 Jahren meldete Berti Vogts den niederländischen Superstar Johan Cruyff ab und Rainer Bonhof, mit 22 der jüngste Spieler im Team, legte Gerd Müller das 2:1-Siegtor auf. Es war beileibe nicht das einzige Mal, dass Fußballer aus Gladbach Historisches taten – national wie international. Der Klub vom linken Niederrhein hat Spuren im deutschen Fußball hinterlassen. Und so lohnt es sich, im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund diesen Spuren nachzugehen.

Fündig wird man schnell – schon auf der Rolltreppe, die hinaufführt in die erste Etage des Museums. Manolo ist zu finden in der Fan-Schar, die auf die Wände des Aufgangs gemalt ist, Gladbachs legendärster Fan, der Mann mit der Trommel, der den Rhythmus vorgab in der Nordkurve des Bökelbergs.

Einen Zeitungsausschnitt eines Spiels der Borussen gegen Rot-Weiss Essen, das 1:4 verloren ging, klebte Weltmeister-Trainer Sepp Herberger im Vorfeld der siegreichen Weltmeisterschaft von 1954 zu seinen Notizen über die Nationalspieler. Rahn hatte zuvor geschwächelt und bekam nun für das Spiel bei Borussia ausgezeichnete Kritiken. „Auf diesen Rahn nicht verzichten!“, ist der Titel. Gut möglich, dass Rahns Weg in den WM-Kader auch über Gladbach ging.

1970 war ein Borusse aktiv dabei im Jahrhundertspiel gegen Italien: Berti Vogts. Vogts kommt öfter vor in dem Bereich, in dem das Nationalteam und seine Triumphe multimedial nachgehalten werden: als Weltmeister 1974 und EM-Titel-Trainer 1996. Beim Jahrhundertspiel war aber noch einer dabei, der in Borussias Annalen steht: der Italiener Roberto Boninsegna, den 1971 eine Blechbüchse auf dem Bökelberg niederstreckte – dies kostete Gladbach den wundervollen 7:1-Erfolg gegen Inter Mailand.

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Foto: imago

Jenseits des 74er-Triumphs waren Borussen an weiteren DFB-Titeln direkt beteiligt: Günter Netzer 1972 bei der EM, als er mit Franz Beckenbauer Ramba-Zamba spielte, Netzers Schuh hat einen Platz im Museum. Im Finale gegen die UdSSR traf zudem Hacki Wimmer beim 3:0-Sieg, davon berichtet ein Eintrag im Zeitstrahl des deutschen Fußballs.

2014 ging Christoph Kramer im siegreichen WM-Endspiel gegen Argentinien k.o., das Foto, wie er benommen vom Platz geführt wird, gehört zu den ikonischen jenes Tages. Lars Stindls Siegtor 2017 beim Confed-Cup wird ebenfalls in der Schau gewürdigt. Gladbachs Ex-Kapitän schoss als Borusse Deutschlands bis dato letzten Titel heraus, bei dem gebürtige Gladbacher und Ex-Borusse Marc-André ter Stegen im Tor stand.

Dass in den dunklen Jahren während des Dritten Reiches auch jüdische Borussen betroffen waren, gehört zu den traurigen Geschichten, die das Fußballmuseum erzählt, dort, wo es um „verlorene Helden“ geht, um die Biografien jüdischer Fußballspieler, Vereinsgründer, Schiedsrichter, Sportjournalisten und Fußballfans, findet sich immer wieder die Borussia-Raute hinter einem Namen.

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Foto: dpa/Jean-Christophe Bott

In der Bundesliga war Gladbach reichlich am Historischem beteiligt. 1979 zum Beispiel wurde der Hamburger Felix Magath in einem Spiel auf dem Bökelberg durch TV-Bilder einer Tätlichkeit überführt, wie eine Bilderfolge nachhält. Unter anderem ist Gladbachs Allan Simonsen einer der Diskutanten beim Schiedsrichter. Dass die Gladbacher auch in der DDR Fans hatten, belegt eine Getränkedose, die das Meisterteam von 1971 zeigt, das Exponat stammt aus einem Abrisshaus in Zwickau. Natürlich finden sich die Treffen mit dem 1. FC Magdeburg in der Übersicht der deutsch-deutschen Duelle im Europapokal.

Gladbach-Trainer Weisweiler, Lattek, Heynckes gewürdigt

In der Galerie bemerkenswerter Trainer kommen gleich eine ganze Reihe Borussen vor: Hennes Weisweiler und Udo Lattek, die Titelsammler der 1970er Jahre, und dann auch Jupp Heynckes, ihr Nachfolger. Weisweiler vor einer Taktik-Tafel, Lattek bei einer Spielerbesprechung, es geht dabei um einen Vergleich mit dem Hamburger SV. Ein weiterer Ex-Borusse, Winfried Schäfer, ist als KSC-Trainer zu sehen an der Stelle, wo es um „Motivation und Einstellung“ geht.

Borussias „goldenes Jahrzehnt“ in den 70ern hat eine eigene Vitrine. Ein Trikot aus dem ersten Meisterjahr, Netzers Schuh und die Pfeife von Manager Helmut Grashoff sind zu sehen, der Borussia-Macher wird als erster Manager der Bundesliga gewürdigt. Der Pfostenbruch, Netzers Selbsteinwechslung, der Zampano als Kunstobjekt, das erste Tor des Jahres von Ulrik le Fevre – stellenweise wähnt sich der Betrachter in der „Fohlenwelt“, im Gladbacher Klubmuseum. Zu guter Letzt die „Hall of Fame“ des deutschen Fußballs, ebenfalls gespickt mit Männern mit Borussia-Geschichte: Lattek, Vogts, Netzer, Matthäus. Die Spurensuche im Fußballmuseum zeigt: Borussia hat etwas geleistet für den deutschen Fußball, nicht nur am 7. Juli 1974.