Fußball-Führung Durch Mönchengladbach auf den Spuren der Borussia

Mönchengladbach · Eine Führung entlang der Deutschen Fußballroute folgt in Mönchengladbach den Spuren der Borussia: Wo heute das Stadion steht, war früher der Flughafen. Und das alte Fußballfeld ist längst mit Wohnhäusern bebaut.

 In Eicken erinnert ein riesiger Fußball an den Gründungsort von Borussia Mönchengladbach - er soll exakt so groß sein wie Günter Netzer.

In Eicken erinnert ein riesiger Fußball an den Gründungsort von Borussia Mönchengladbach - er soll exakt so groß sein wie Günter Netzer.

Foto: Christian Lingen

Auf P1 hinter der Südtribüne herrscht reges Treiben. Immer wieder kommen Fans der Borussia an. Jeder hat ein anderes Anliegen. Die einen suchen den Weg zum Fanshop, die anderen den in die Sportsbar. Auffällig ist aber nur eine Gruppe, die immer größer wird. Sie wartet auf den Bus. Dabei ist auf dem Parkplatz doch gar keine Haltestelle. Aber die Gruppe ist ja auch keine normale Reisegruppe. Die Fans, die sich dort versammelt haben, warten darauf, sich auf die Deutsche Fußballroute und die Spuren der Borussia zu begeben. Einer in der Gruppe ist Franz-Josef Wirtz. Er arbeitet als Stadtführer und hat viele historische Augenblicke des Vereins persönlich miterlebt.

Im Reisebus eingestiegen, erzählt der Stadtführer die Entstehungsgeschichte des Vereins. Die erste Sehenswürdigkeit gibt es gleich neben den Trainingsplätzen. Dort steht ein Kriegerdenkmal. Während der Fahrt über die Gladbacher Straße in Richtung Innenstadt berichtet Wirtz, dass der Nordpark früher ein Flughafen war. "Er ist als einziger im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert worden." Schnell wird klar: Diese Stadttour wird auch eine Reise durch die Stadtgeschichte.

Der Bus fährt weiter über die Bahnstraße. "Viele ehemalige Spieler kommen aus dem Westend", sagt Wirtz und erklärt, dass der 1. FC Mönchengladbach eine große Rolle für Borussia gespielt habe. 1894 gegründet, sei sein wohl bekanntester ehemaliger Spieler Günter Netzer. Deshalb führt die Rundfahrt vorbei am Vereinsgelände des 1. FC. "Günter Netzer hat als Torwart angefangen und das erste Spiel 0:10 verloren. Danach bekam er eine offensive Position", sagt Wirtz. Bis heute sei Netzer Mitglied im Verein.

An der Waldhausener Straße hält der Bus und die Reise geht zu Fuß weiter. Ungefähr in der Mitte der Straße bleibt die Reisegruppe stehen. "Weiß jemand, was hier früher war?", fragt Wirtz. Na klar: das Lovers Lane, die legendäre Diskothek von Netzer. Zur Eröffnung kam Sepp Herberger. Netzer verdiente damals bei Borussia 160 D-Mark im Monat plus Prämien. Damit die Gäste kamen, parkte Netzer seinen Ferrari direkt vor dem Eingang. So wusste jeder, dass er da ist. "Einmal wurde er erwischt, als er mit hundert Stundenkilometern über die Hindenburgstraße fuhr", verrät Wirtz.

Weiter geht der Rundgang zum Dicken Turm, es gibt wieder ein Stück Stadtgeschichte. Vorbei an Netzers Elternhaus an der Gasthausstraße geht es zum Alten Zeughaus, der Heimstätte des Mönchengladbacher Karnevals. Ein Stück weiter steht die heutige Altstadtwache. Auf dem Balkon feierte Borussia die Meisterschaften und zeigte sich damals den Fans.

Am Alten Markt wartet der Bus, es geht in Richtung Eicken. Unterwegs kommt man an der Parkklause vorbei, dem Sitz der Weisweiler-Elf. Das nächste Ziel ist der Bökelberg, dessen Name in den 1960er-Jahren von der Rheinischen Post erfunden worden sei. Zwar steigt die Reisegruppe hier nicht aus, fährt aber durchs eng gebaute Wohngebiet, das früher mal das Stadion war.

Unterwegs gibt es Anekdoten. Die Fahrt geht weiter zum Eickener Marktplatz. Dort steigen die Fans aus und gehen zu Fuß über die Eickener Straße. Vor der Gaststätte "Alt Eicken" treffen sie auf Günter Netzer, Berti Vogts und Hacki Wimmer. Naja, fast. Eigentlich treffen sie auf ein Denkmal für die drei Ex-Borussen. Ein Stück weiter liegt ein riesiger Ball mitten auf der Straße. Er erinnert an die Erfolge des Vereins. "Der Ball ist exakt so groß wie Günter Netzer", sagt Wirtz.

Am Theater im Gründungshaus erfahren die Fans noch etwas über Manolo, den Trommler vom Bökelberg, und über eine von Charly Stock kreierte Raute vor dem Eingang, unter der sich eine Kiste mit alten Utensilien verbirgt. Zurück im Bus geht die Reise Richtung Rheydt und zum Grenzlandstadion. Dort tragen die Amateure ihre Spiele aus. Unterwegs gibt es noch einige Happen Stadtgeschichte, ehe die Gruppe wieder auf P1 hinter der Südtribüne ankommt.

(RP)
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