Borussia: Der Frust der Joker

Borussia: Der Frust der Joker

Rob Friend und Karim Matmour mussten auch in Dortmund auf ihren Einsatz warten. Als Borussias Zweitangriff ins Spiel kam, stand es 0:2, kurz darauf fiel das 0:3. "Da war es vorbei", sagte Friend. Dortmund Karim Matmour hatte "richtig Bock" auf das Spiel in der dichten Atmosphäre des Dortmunder Stadions.

Auf die 80 000 Fans, auf Borussias Kräftemessen mit der westfälischen Namenscousine und auf das Duell mit Mohamed Zidan. Nicht erst seit der WM-Qualifikation, als das algerische Team in Ägypten von ägyptischen Fans mit Steinen attackiert worden war, haben die Treffen der Spieler beider Länder eine gewisse Brisanz.

Dass ausgerechnet Zidan, der Ägypter, zwei Tore erzielte und eines einleitete beim 3:0-Sieg des BVB, und er, Matmour, nichts am 0:3 ändern konnte, das wurmte den algerischen Gladbacher. Dass er nach dem Spiel zur Dopingprobe musste, und, als er fertig war, nichts mehr zu Essen da war in der Kabine, das rundete den wenig erbaulichen Abend ab. Erst als die Kameraden schon im Bus saßen, kamen Matmours Nudeln an.

Ein schwieriges Spiel für die Stürmer

Als Matmour gemeinsam mit seinem Zweitangriff-Partner Rob Friend ins Spiel kam, stand es schon 2:0 für Dortmund, weil Kevin Großkreutz (13.) und eben Zidan (54.) recht unbehelligt Tore erzielen durften. Auf der anderen Seite hatten die Erststürmer Raúl Bobadilla und Roberto Colautti nicht viel zu bestellen. "Es war ein schweres Spiel für die Stürmer, es kam kaum ein Ball nach vorn. Die Räume zwischen den Mannschaftsteilen waren zu groß", sagte Colautti zurecht.

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Friend und Matmour wollten "etwas bewegen", wie der Kanadier sagte. Doch der Job des Jokers ist einer zwischen Lust und Frust. Er kann Helden produzieren, so wie es in Hamburg und gegen Nürnberg war, als Friend, gerade eingewechselt, die Siegtreffer schaffte. Gleichwohl macht niemand freiwillig den Joker, sondern erträgt die Rolle eher mit zähneknirschender Zufriedenheit. Erstmal dürfen andere ran, und wenn es nicht funktioniert, kommt der Joker.

Was die bevorzugten Kollegen nicht hingekriegt haben, soll er richten. Gelingt das nicht, hat das lange Bankdrücken kombiniert mit der Niederlage höchstes Frustpotenzial. Ein Spiel wie in Dortmund, auf das die Gladbacher zu keinem Zeitpunkt einen brauchbaren Zugriff hatten, ist eines, das für Joker eine Qual ist.

"Es war zwar nicht so, aber es sah schon so aus, als wenn einige nicht mehr an die Wende geglaubt hätten", sagte Friend. Er und Matmour waren wenige Sekunden auf dem Feld, da kombinierten Marco Reus und Matmour hübsch, doch Friend stand abseits, als ihn der Ball erreichte (64.). Mehr ging nicht, kurz darauf schoss Zidan da 3:0 (70). "Da war es vorbei", sagte Friend.

"Danach versucht man, noch das Ehrentor zu schießen, weil 3:0 sehr hoch ist", sagte Matmour. Doch an Tagen wie diesen geht halt gar nichts. "Wenn wir jetzt gegen Wolfsburg ein gutes Ergebnis machen, ist das vergessen", sagte Rob Friend. Er und Matmour würden dabei gern eine andere Rolle spielen, als die des Jokers, der nicht sticht.

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(RP)