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Der Barcelona holt Marc-André ter Stegen trotz Fifa-Strafe

Borussia Mönchengladbach : Barcelona holt ter Stegen trotz Fifa-Strafe

Der Weltverband bestraft die Katalanen mit Transferverbot. Der Gladbacher Torwart soll einen gültigen Vertrag haben.

Der Fußball-Weltverband Fifa hat am Mittwoch beim FC Barcelona für große Aufregung gesorgt. Die Fifa bestrafte den katalanischen Verein wegen der unerlaubten Verpflichtung von mindestens zehn minderjährigen Spielern aus dem Ausland. Zwei Transferperioden, also im kommenden Sommer und Winter, darf der Klub keine neuen Fußballer verpflichten. Zusätzlich muss er 370.000 Euro Strafe zahlen. Das rechtfertigt schon einen gewissen Grad an Aufruhr im Verein.

In Mönchengladbach wurde die Meldung dagegen mit großer Gelassenheit registriert, obwohl sich nun viele die Frage stellen, ob damit der Transfer von Torwart Marc-André ter Stegen zum FC Barcelona gestoppt ist. Der Wechsel gilt aber nach wie vor als sicher. Das unterstrich der Schlussmann zunächst mal selbst. "Ich habe davon noch nichts gehört, und ich weiß nicht, was ihr jetzt von mir wollt", sagte ter Stegen auf dem Trainingsplatz unserer Zeitung, "ich will dazu nichts sagen. Fakt ist: Ich werde Borussia auf jeden Fall im Sommer verlassen."

Sein persönlicher Manager Gerd vom Bruch hat — vielleicht zufällig, wahrscheinlich bewusst — verraten, wohin diese Reise gehen wird. Er sagte bei "Sport1": "Ich weiß noch nicht, ob der Beschluss für zukünftige Transfers gilt oder für Dinge, die schon vorher abgewickelt wurden." Diese Unsicherheit hat ihm die Fifa gern genommen. Eine Sprecherin erklärte, dass die Strafe nicht greife, wenn ein Vertrag bereits unterschrieben sei.

Die Kombination aus beiden Auskünften: Ter Stegen hat einen gültigen Kontrakt mit dem FC Barcelona, den er wohl Anfang dieses Jahres unterzeichnet hat, und er wird nach Informationen unserer Redaktion im Sommer seinen Dienst in Katalonien antreten.

So weit, so eindeutig. Seltsam ist, dass sein neuer Arbeitgeber den Abschluss noch immer nicht bekannt gegeben hat. Es heißt, er wolle aus Respekt vor dem langjährigen Stammkeeper Victor Valdes so lange warten, bis wiederum der erklärt, bei welchem Verein er für die nächste Saison angeheuert hat. Im Gespräch ist der AS Monaco.

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"Wir sind total relaxt"

Ein bisschen komplizierter wird die Geschichte allerdings dadurch, dass sich Valdes jüngst eine schwere Knieverletzung zugezogen hat. Er fällt für den Profifußball sieben Monate lang aus. In Anerkennung seiner Verdienste um den FC Barcelona hat sich Klubpräsident Josep Maria Bartomeu unverzüglich zu der noblen Geste herabgelassen, Valdes eine Fortsetzung des im Sommer endenden Vertrags für den Fall anzubieten, dass aus dem Engagement in Monaco nichts wird. Daran hat sich ter Stegens Berater vermutlich im Laufe des Tages noch erinnert. Und am Abend sagte vom Bruch "Sport Bild.de": "Stand jetzt ist — wenn ich die Mitteilung der Fifa richtig interpretiert habe — ein Transfer von Marc-André im Sommer zu Barcelona ausgeschlossen. Dennoch sind wir in der Sache total relaxt." Sein Klient werde Mönchengladbach auf jeden Fall verlassen. Möglicherweise ist das die verspätete Verbeugung des Beraters vor dem Geschäftsprinzip des Vertragspartners Barcelona. Und vielleicht ist vom Bruch dann doch aufgegangen, wie viel er durch seine ersten Äußerungen schon ausgeplaudert haben könnte, und dass die Freunde in Barcelona darüber ziemlich unglücklich sein könnten. Über einen möglichen weiteren Interessenten an ter Stegens Diensten ist aber in der Branche bislang nicht mal in hintersten Winkeln gemunkelt worden.

Ungewiss ist jedoch, wie stark die Position von ter Stegen in Barcelona auf Dauer sein wird, wenn Valdes, der bei Barcas Fans im Range eines Säulenheiligen steht, wegen seiner Verletzung über den Sommer hinaus beschäftigt wird. Diese Frage wird, wenn überhaupt, auch erst im Herbst beantwortet.

Sicher ist aber bereits, dass der FC Barcelona Einspruch gegen das Urteil des Weltverbandes einlegen wird. Bis zum internationalen Sportgerichshof CAS werde er gehen, hat der Klub angekündigt. So ein Vorgehen hätte nach Auskunft der Fifa zumindest aufschiebende Wirkung.

Sommer kommt im Sommer zur Borussia

Sicher ist darüber hinaus, dass sich Borussia Mönchengladbach für die nächste Bundesliga-Saison schon die Dienste des Schweizer Torwarts Yann Sommer gesichert hat. Der Schlussmann des FC Basel und der Schweizer Nationalmannschaft hat einen Fünfjahres-Kontrakt bei den Mönchengladbachern unterzeichnet. Dem Vernehmen nach sollen 6,5 Millionen Euro Ablösesumme fällig werden. Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers hätte die Summe sicher nicht vor einer Einigung über ter Stegens Wechsel für geschätzte 17 Millionen Euro freigegeben.

Auch das spricht dafür, dass das Gladbacher Geschäft mit dem FC Barcelona längst beschlossene Sache ist. Es sei denn, ter Stegens Management zieht im Sommer noch den großen weißen Hasen aus dem Zylinder.

(RP)