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Denis Zakaria und Matthias Ginter: Ablösefreier Gladbach-Abschied wäre fatal

29 Millionen Euro Ablöse, Abgang für null? : Bei Zakaria und Ginter steckt Borussia in einer misslichen Lage

Ablösefreie Abgänge, obwohl Borussia einen Spieler gerne halten wollte, sind echte Raritäten. Bei Denis Zakaria und Matthias Ginter droht im Sommer der doppelte Worst Case. Wir erinnern an prominente Vorgänger und sagen, welche Rekordmarke beide übertreffen könnten.

Als Marco Reus in den ersten Tagen des Jahres 2012 seinen Abschied am Saisonende verkündete, konnte sich Borussia Mönchengladbach immerhin mit der Aussicht auf die damalige Rekordsumme von 17,1 Millionen Euro trösten. Unmittelbar auf Reus folgte Roman Neustädter mit einer weiteren Hiobsbotschaft, diesmal aber auch aus wirtschaftlicher Sicht. Denn der Mittelfeldspieler konnte sich ablösefrei dem FC Schalke 04 anschließen, weil sein Vertrag auslief.

„Wir wollten mit ihm verlängern, weil er sich zu einem wichtigen Spieler entwickelt hat. Mit dem Angebot, das wir ihm gemacht haben, hätte sich sein Gehalt vervielfacht. Aber er hat uns mitgeteilt, dass er es nicht annehmen wird“, sagte Max Eberl damals. Der Sportdirektor hat in mehr als 13 Jahren auf diesem Posten selten derartige Statements abgeben müssen. Ablösefreie Abgänge, obwohl Borussia einen Spieler unbedingt halten wollte, sind Raritäten. Doch bis zum 30. Juni 2022 droht dem Verein gleich zweimal ein solches Szenario, jeweils mit rekordverdächtigem Ausmaß, im negativen Sinne.

Denn bislang ist Josip Drmic, für den Gladbach 2015 an Bayer Leverkusen zehn Millionen Euro zahlte, der teuerste Borussia-Profi, der später zum Nulltarif wechselte. 2019 endete seine vor allem von schweren Verletzungen geprägte Zeit am Niederrhein. Das Aufregungs-Potenzial hielt sich in Grenzen, ein ganz normaler Abschied. Im nächsten Sommer könnten gleich zwei Spieler Drmic übertrumpfen: Denis Zakaria kam 2017 für zwölf Millionen Euro von den Young Boys Bern, Matthias Ginter im selben Jahr für 17 Millionen von Borussia Dortmund. Beiden liegen Angebote vor, in den vergangenen Tagen häuften sich nun die Berichte, dass sie diese abgelehnt hätten. Der italienische Journalist Nicolò Schira schrieb, dass an Zakaria Juventus Turin, der FC Barcelona, Manchester United und die AS Rom interessiert seien. Ginter soll bei Inter Mailand auf dem Zettel stehen.

Beide schienen bereits in der vergangenen Transferperiode mehrmals auf dem Absprung zu sein, obwohl sich am Ende nichts erhärtete. Entsprechend vorsichtig sind alle Meldungen zu konsumieren, doch es ist unstrittig, dass sich Zakaria und Ginter jeweils in einer herausragenden Verhandlungsposition befinden. Ihnen und ihren Beratern winken üppige Handgeld-Zahlungen, da können auch finanziell geplagte Klubs wie Barça noch mitgehen, wenn die Ablöse wegfällt.

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Als wahrscheinlicher darf ein Abschied Zakarias betrachtet werden, doch auch bei Ginter spricht allein die Tatsache Bände, wie lange das Thema schon schwelt, ohne dass er sich endgültig zu Gladbach bekannt hat. Zudem lotet der 27-Jährige seine Zukunft mit Blick auf die Nationalmannschaft besonders akribisch aus. Eberl wird beiden so schnell nicht die sprichwörtliche Pistole auf die Brust setzen. Je später allerdings eine Entscheidung fällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass mögliche Ersatz-Kandidaten schon vom Markt sind. So läuft zum Beispiel der Vertrag von Union Berlins Innenverteidiger Marvin Friedrich ebenfalls im Sommer aus. Borussia droht ein echtes Dilemma.

Die Zahlen auf dem Portal „transfermarkt.de“ müssen bisweilen von der Realität getrennt werden. Doch sie werden in der Branche vielfach ernster genommen, als viele Protagonisten behaupten. Wie dramatisch es für Gladbach wäre, sowohl Zakaria als auch Ginter ablösefrei zu verlieren, verdeutlicht diese Einordnung: Beide haben auf „transfermarkt.de“ aktuell einen Marktwert von 27 Millionen Euro. Nur vier Spieler in der Bundesliga-Historie wechselten mit einem höheren Marktwert zum Nulltarif. Seit diesem Jahr steht David Alaba (55 Mio., vom FC Bayern zu Real Madrid) an der Spitze, er hat Robert Lewandowski (50 Mio. bei seinem Wechsel vom BVB zu den Bayern) abgelöst. Leon Goretzka war 40 Millionen wert, als er ohne Ablöse vor drei Jahren vom FC Schalke nach München ging. Michael Ballack wurde vor 15 Jahren bei seinem Wechsel von den Bayern zum FC Chelsea auf 35 Millionen taxiert. Direkt dahinter würden sich Zakaria und Ginter einreihen.

Mit auslaufenden Verträgen hat Gladbach zuletzt einige Erfahrungen gesammelt, doch meist war es der Klub, der dem Spieler mitteilte, künftig ohne ihn zu planen. Dazu zog es Oscar Wendt mit 35 Jahren zurück in die Heimat. Die Routiniers Raffael, Fabian Johnson, Ibrahima Traoré und Tobias Strobl haben sich seit Beginn der Pandemie ablösefrei verabschiedet – bis auf Raffael waren alle auch ablösefrei gekommen.

Auf große Verlustgeschäfte ist das Gladbacher Transfermodell nicht ausgelegt, erst Recht nicht in der aktuellen Krise, in der die Reduzierung der Zuschauer-Kapazität bis Jahresende für weitere Umsatzeinbußen sorgen wird. Selbst Perspektivspieler als Zakaria- oder Ginter-Ersatz hätten einen Preis, den Borussia ohne Transfereinnahmen nicht stemmen könnte, allenfalls mit einer Champions-League-Qualifikation.

Neben Neustädter, der ablösefrei ging, fällt einem noch Havard Nordtveit ein, der sich 2016 in die Premier League zu West Ham United verabschiedete, obwohl Gladbach ihn gerne gehalten hätte. Alexander Baumjohann war Anfang 2009 der erste Profi, den Eberl in seiner Zeit als Manager schweren Herzens auf diese Weise ziehen lassen musste. Alle drei verbindet, dass sie ihren Zenit, ohne es zu wissen, bereits bei Borussia erreicht hatten. Doch um sie mit diesen Negativbeispielen zu packen, dürften Zakaria und Ginter deutlich zu gut und zu etabliert sein. Wie man es auch dreht und wendet: Der Verein muss sich sportlich und finanziell für einen herben Verlust wappnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Rekord-Transfers von Borussia Mönchengladbach