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Borussia Mönchengladbach: Das volksferne Trainingslager in Dubai

Borussia Mönchengladbach : Das volksferne Trainingslager in Dubai

Die Fans, die mit der Mannschaft in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist sind, müssen mit vielen Restriktionen leben.

Herbert Wittlings ist 60 Jahre alt. Borusse ist er, seit er denken kann. Der Oberhesse sitzt im Rollstuhl - und ist dennoch immer mit den Gladbachern im Trainingslager. Das in Dubai ist sein achtes. Und zum ersten Mal ist Wittlings ein bisschen enttäuscht. Es ist anders als früher. "Die Leute murren", sagt er. Trainingslager waren zuletzt oft kleinere Volksfeste. Beim letzten Wintercamp im türkischen Belek waren trotz strömenden Regens etwa 300 Fans dabei, sie veranstalteten einen Riesenzirkus. Der sportlichen Vorbereitung war das vielleicht nicht immer zuträglich - aber zu einem Fußballverein gehört die Nähe zum "Volk" nunmal dazu.

"Ich habe Angst, dass diese Nähe ein bisschen abhandengekommen ist", sagt Andreas Roth, der zum ersten Mal mitfährt - und sich wundert. Denn in Dubai müssen die Fans mit vielen Restriktionen leben. Sie dürfen nur einmal am Tag zum Training fahren. So vertreiben sich die Anhänger den größten Teil des Tages mit richtigem Urlaub, mit Sightseeing und Shopping. Ohne das große Borussia-Gefühl.

Nur rund 50 Fans haben die Mannschaft in die Emirate begleitet. "Dafür gibt es mehrere Gründe", mutmaßt der Fanbeauftragte Thomas Jaspers. Erstens war das Jahr bislang sehr teuer wegen der ganzen Europapokalreisen. Dann koste die Reise - ohne Verpflegung - mit über 800 Euro rund doppelt so viel wie der All-inclusive-Trip nach Belek im Vorjahr. "Und schließlich fahren viele zum Trinken ins Trainingslager", sagt Jaspers. "Das fällt hier aber weg. Es gibt ja kaum Alkohol, und wenn doch, ist er sehr teuer." Wittlings stört das Alkoholverbot nicht. "Wenn ich in ein arabisches Land fahre, weiß ich, worauf ich mich einlasse", sagt er. "Aber es gibt keinen Fan-Abend mehr mit der Mannschaft, und das, obwohl wir nur so wenige sind. Der persönliche Kontakt geht ein bisschen flöten."

Die Fanbetreuer betonen, dass sie gerne einen Fanabend gemacht hätten. "Weil Borussia aber auf Einladung in Dubai ist, standen einige repräsentative Termine an. Da fehlte einfach die Zeit", sagt Jaspers. "Bei uns dürfen die Fans doch noch nah ran. Jeder Foto- oder Autogrammwunsch wird erfüllt." Einen davon erfüllten die Borussen noch gleich vor Ort. Nach dem Vormittagstraining am Donnerstag schritt die Mannschaft zur extra errichteten Fan-Tribüne, setzte sich zu den Anhängern und posierte für ein gemeinsames Foto.

Anders als zuvor leider irrtümlich vermeldet, dürfen Borussias Fans und Interessierte das Spiel natürlich vor Ort anschauen. Ab 18 Uhr werden Shuttlebusse vom Mannschaftshotel fahren und die Fans zum Spielort bringen.

(RP/ac/seeg)