Mönchengladbach: Das Fan-Dasein ist kein Zuckerschlecken

Mönchengladbach : Das Fan-Dasein ist kein Zuckerschlecken

Das Trainingslager der Fohlen-Elf in der Türkei ist auch für die Anhänger bisweilen harte Arbeit. Die Stimmung ist entspannt, trotz des bevorstehenden Abgangs von Marc-André ter Stegen. Viele Fans äußern dafür sogar Verständnis.

Als Marc-André ter Stegen vom Trainingsplatz des Hotels MaxxRoyal in Belek schreitet, bleibt sein Blick kurz rechts von ihm hängen. Er schaut erst verdutzt, dann wieder geradeaus, noch mal nach rechts — und geht dann weiter. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Am Zaun hängt ein Plakat. "Danke MatS" steht drauf. Mitgebracht in die Türkei haben das Banner sechs Mitglieder des Fanclubs Forever Young '98 aus Dormagen. "Wir wollten Marc damit zeigen, wie die Stimmung unter den Fans ist", sagt Karsten Breunig. Denn die weitaus meisten Borussia-Anhänger können den jungen Schlussmann verstehen. "Wenn er wirklich nach Barcelona wechseln kann, muss er das machen", sagt Breunig. "Das ist eine Chance, die man nutzen muss. Aber er ist auch schon 17 Jahre Borusse. Und das werden wir nicht vergessen."

Die Stimmung unter den Fans ist trotz des bevorstehenden Abgangs des Torhüters entspannt. Es ist nicht wie vor zwei Jahren, als kurz vor dem Trainingslager die Bombe platzte und Marco Reus seinen Wechsel nach Dortmund verkündete. "Damals waren wir zum ersten Mal wieder erfolgreich — und prompt wurden unsere besten Spieler weggekauft", sagt Maurice Cangini, der zusammen mit Breunig, Ralf Junker und Dennis Kluth für das Plakat verantwortlich ist. "Jetzt sind wir viel gefestigter — da kann man so einen Abgang gut verkraften."

Die Fans sind wie vor zwei Jahren im Hotel Voyage untergebracht und lassen es sich dort im "All Inclusive"-Programm gutgehen. Spiele und gesellige Abende stehen auf dem Programm — was man als Fan auf Auslandsreise so macht. Die Alternativen, so ehrlich muss man sein, sind aber auch nicht groß. Denn die "Innenstadt" von Belek, wenn man sie so nennen darf, ist nicht unbedingt erwähnens- oder besuchenswert.

Und doch ist nicht alles perfekt. Dass der früher obligatorische Mannschaftsabend im Fanhotel ausfällt, stößt den Fans sauer auf. "Wir sind 2500 Kilometer gereist, es sind über 200 Mann hier", sagt Breunig. "Mehr Liebe kann man seinem Verein nicht geben." Auch die Tatsache, dass die Fans beim Training hinter einem hohen Maschendrahtzaun sitzen, wird als nicht optimal empfunden. "Damit kann man aber noch leben", sagt Cangini. "Man kommt ja, wenn man möchte, nach dem Training immer noch gut an die Spieler ran, wenn man Autogramme braucht."

Trainingslager ist nicht nur Sonne, Fußball und Alkohol, sondern auch für Fans harte Arbeit. Morgens muss man sich nach einer Nacht mit wenig Schlaf zum Training schleppen. Das schlaucht. Die Forever-Young-Borussen hängen deshalb noch ein paar Tage dran. "Wir bleiben bis Samstag", sagt Breunig. "Und erholen uns noch etwas vom Trainingslager. Schließlich wird auch an der Theke alles für den Verein gegeben."

Da soll noch mal einer sagen, dass das Fan-Dasein ein Zuckerschlecken ist.

(RP)
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