„Schlampig im Ballbesitz“ Farke kritisiert Borussias Offensivspiel – und ärgert sich über einen Pfiff

Augsburg · Daniel Farke nannte nach der 0:1-Niederlage seines Teams beim FC Augsburg einige Kritikpunkte – und konnte darüber hinaus eine Entscheidung des Schiedsrichters Daniel Schlager nicht nachvollziehen. Wie der Gladbach-Trainer die Partie sah und in welchem Punkt ihm einige Fans widersprechen dürften.

Mit ernster Miene saß Borussias Cheftrainer am späten Mittwochabend auf dem Podium des Presseraums in der Augsburger WWK-Arena. 0:1 hatte seine Mannschaft gerade verloren, die Hinrunde nach 17 Spieltagen mit 22 Punkten auf Platz neun beendet. Der Trend spricht jedoch gegen Daniel Farkes Team: Nur zwei der vergangenen acht Ligaspiele gewann Borussia, hinzu kommt das Aus im DFB-Pokal beim SV Darmstadt 98 – und die Tatsache, dass Gladbach unter Farke in der Bundesliga noch keinen Auswärtssieg feiern konnte.

„Dass wir vom Ergebnis enttäuscht sind, liegt auf der Hand“, begann Farke, seine Sicht auf die 90 Minuten gegen Augsburg zu schildern. „Wir haben zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten gesehen. Ich finde, dass wir es in der ersten Halbzeit gegen den Ball gut gemacht haben, wir haben kaum eine Chance aus dem Spiel zugelassen, waren gut in unserem Pressing und ruhig im Spielaufbau. Wir haben das Spiel in vielen Situationen gut kontrolliert“, sagte Farke.

Tatsächlich kamen die Augsburger in der Anfangsphase nicht zu großen Chancen – Gladbach, das wieder auf Torjäger Marcus Thuram zurückgreifen konnte, allerdings auch nicht. Offensiv brachte Borussia fast nichts zustande, hohe Ballgewinne verpufften durch ein zu langsames Umschaltspiel. Bestes Beispiel: Nach einer Balleroberung Manu Konés in der 19. Minute auf Höhe der Mittellinie starteten die Borussen den Angriff mit einer Drei-gegen-zwei-Situation. Als Stefan Lainer kurz vor dem Strafraum zum Schuss kam, hatten sich bereits wieder acht Augsburger hinter dem Ball eingefunden.

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„Aus unseren offensiven Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte haben wir zu wenig gemacht. Wir waren zu unpräzise und technisch zu unsauber. So haben wir viel weniger Gefahr vor dem Tor ausgestrahlt als wir es hätten tun können“, sagte Farke, der sich über einen Pfiff des Schiedsrichters Daniel Schlager in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ärgerte: „Da kriegen wir einen unberechtigten Freistoß gegen uns. Wenn überhaupt war es ein Foul an meinem Spieler Ko Itakura.“ Der Japaner wollte einen hohen Ball per Kopf klären, Gegenspieler Ermedin Demirovic sprang von der Seite kommend ebenfalls hoch und touchierte Itakuras Ellenbogen leicht – durchaus ein Geschenk von Schlager.

„Aus dem Freistoß resultierend kriegt Christoph Kramer den Ball gegen den Kopf geschossen, ist ein paar Sekunden weg, ich muss ihn rausnehmen. Er hat uns gegen den Ball viel Stabilität und mit dem Ball viel Struktur gegeben. Das Niveau haben wir in der zweiten Halbzeit nie mehr erreichen können“, sagte Farke und nannte weitere Kritikpunkte am zweiten Durchgang: „Wir haben noch wesentlich unpräziser im Ballbesitz gespielt. Auch unsere Passquote war nicht gut. Ich fand uns das eine oder andere Mal schlampig im Ballbesitz und so haben wir offensiv nicht genug Gefahr ausgestrahlt.“

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Im Gegensatz dazu wurde Augsburg in Richtung Tor mit zunehmender Spielzeit immer zielstrebiger. „Augsburg hat nicht Chance nach Chance herausgespielt“, sagte Farke – und nannte damit einen Punkt, den einige Beobachter anders gesehen haben dürften, denn der FCA verlagerte das Spiel in den zweiten 45 Minuten in die Hälfte der Borussen und hätte durch die Versuche von Mergim Berisha, den Jonas Omlin stark parierte, und den Pfostentreffer von Jeffrey Gouweleeuw bereits früher in Führung gehen können – ein Treffer der Augsburger lag in der Luft. Und Borussia? Die zeigte sich im zweiten Durchgang kein einziges Mal gefährlich vor dem Augsburger Tor, gab lediglich einen Schuss ab.

Berishas akrobatischer Außenrist-Treffer in der 82. Minute hatten sich die Ausgburger durch ihr engagiertes Auftreten verdient, nachdem die Gladbacher förmlich um das Gegentor gebettelt hatten. Am Samstag muss Borussia bei 1899 Hoffenheim antreten – und bietet nach dem schwachen Auftritt in Augsburg wenig Grund zur Hoffnung, dass es dort die ersten Punkte des Jahres geben wird. „Wir müssen in jedem Spiel für jeden Punkt kämpfen. Wir sind angenervt von den letzten beiden Spielen, weil es uns nicht gelungen ist, zu punkten“, sagte Farke und gab die Marschroute vor: „Mund abputzen, Enttäuschung runterschlucken und in zwei Tagen wieder bereit sein.“

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