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Borussia Mönchengladbach: "Cool" trotz Choreo und geklauter Kinder-Kunst

Borussia Mönchengladbach : "Cool" trotz Choreo und geklauter Kinder-Kunst

889 Tage Warten auf das Derby haben sich am Sonntag nicht gelohnt. Sportlich hatte das 0:0 fast nichts zu bieten. Und neben dem Rasen ging es größtenteils unsportlich zu – doch die Borussia-Fans blieben trotz Fohlenkopf und Fanprojekt-Banner besonnen.

889 Tage Warten auf das Derby haben sich am Sonntag nicht gelohnt. Sportlich hatte das 0:0 fast nichts zu bieten. Und neben dem Rasen ging es größtenteils unsportlich zu — doch die Borussia-Fans blieben trotz Fohlenkopf und Fanprojekt-Banner besonnen.

1) "Im Rückspiel wird einiges gehen!" Es ist traurig, aber wer seit Jahren regelmäßig das Rheinische Derby besucht, hat sich an das Surren der Polizei-Hubschrauber, an das ständige Sirenengeheul und das Hundegebell gewöhnt. Zweieinhalb Jahre, die seit dem Gladbacher 3:0 am 15. April 2012 vergangen waren, haben daran nichts geändert. "Ich denke im Rückspiel wird einiges gehen!", schreibt ein User in einem Ultra-Forum über die Begegnung am Karnevalswochenende 2015. Sportlich meint er das nicht — der Satz steht in einem Thread mit dem Titel "Ausschreitungen beim Fußball".

2) What would Uefa do? Der Aufruhr um die verbotene Choreografie der Gladbacher Ultras für das Play-off-Rückspiel gegen Sarajevo hat sich spätestens mit der überaus gelungenen Darbietung gegen Villarreal am vergangenen Donnerstag gelegt. Wegen "gewaltverherrlichender Inhalte" hatte die Uefa die Sarajevo-Choreo nicht zugelassen. Nicht wenige Borussia-Fans fragten sich am Sonntag in Köln, als sie auf der Südtribüne den abgerissenen Fohlenkopf in den Klauen eines Adlers sahen: Was wohl die Uefa dazu gesagt hätte? Der FC kannte nach eigenen Angaben den Entwurf, nicht die endgültige Choreo, sagt aber, dass er sie auch in dieser Form zugelassen hätte. In der Vergangenheit wählten die Gladbacher jedoch ähnlich martialische Motive, wie zum Beispiel das Logo der Kölner Ultra-Gruppierung "Wilde Horde" mit Kopfschuss-Optik.

3) Kritik am FC An dieser Stelle blieben die 5000 mitgereisten Gladbacher im Gästeblock ruhig und besonnen. Und auch als der Zaunsichtschutz in der Kölner Fankurve auftauchte, der von bislang unbekannten Tätern am Freitag vom sozialpädagogischen Fanprojekt "De Kull" entwendet worden war, blieb die Provokation folgenlos. "Wir können uns beim besten Willen nicht erklären, was dieses Handeln der 'Fans' des 1. FC Köln mit Rivalität oder gar Ultramentalität zu tun haben soll", schreibt das Fanprojekt in einer Mitteilung. Darin kritisiert es auch den FC, der das Zeigen des Banners nicht verhindert habe, obwohl er von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzt worden sei.

4) Erstes 0:0 in Köln So viel zum Unsportlichen rund um das erste Rheinische Derby seit 889 Tagen. Sportlich war es extrem bieder, so bieder, dass das Ergebnis schon wieder ein historisches ist: Noch nie hatten sich Köln und Gladbach in der Domstadt mit einem torlosen Unentschieden getrennt. Unterm Strich ist die Borussia seit acht Derbys ungeschlagen und in den vergangenen drei Duellen mit dem FC ohne Gegentor geblieben.

5) Kramer weiter im Mittelpunkt "Etwas Philosophisches", hat Christoph Kramer angekündigt. Der Weltmeister will ein Buch schreiben, ohne Ghostwriter, gegebenenfalls mit Rechtschreibfehlern und am besten so schnell, dass man es sich noch vom Christkind unter den Weihnachtsbaum legen lassen kann. Ein Kapitel über den philosophischen Teilkomplex der Milde sollte Kramer nach seinem ersten Derby einplanen. Felix Zwayer "ließ ihn leben" und zeigte dem 23-Jährigen nach einem Scharmützel mit Kölns Kevin Vogt nicht Gelb-Rot. Dafür gab es von Schiedsrichter-Beobachter Kramer die Note "gut". Am Samstag ist er im "Aktuellen Sportstudio" zu Gast.

6) Wie die Zeit vergeht Christoph Kramer also, dazu Yann Sommer, Julian Korb, Granit Xhaka, André Hahn, Fabian Johnson, Raffael und Max Kruse — acht Spieler in Borussias Startelf feierten ihre Derby-Premiere gegen den FC. 2012 lieferte noch Marco Reus eine Gala-Vorstellung ab und Juan Arango zirkelte einen Freistoß ins Tor. Time goes by.

7) Mit 87 Prozent die Null verteidigt Nur Martin Stranzl, Tony Jantschke und Oscar Wendt hatten das Brimborium im Rheinland schon einmal mitgemacht. Die beiden Erstgenannten waren an Gladbachs Ballbesitzquote von 62 Prozent maßgeblich beteiligt. Jantschke und Stranzl kamen jeweils auf über 100 Ballkontakte. Während man daraus auch ein wenig die Ödnis des Spiels ablesen kann, sind 87 Prozent gewonnene Zweikämpfe bei beiden sehr stark — Stranzl hält diesen Wert sogar über seine vier Bundesligaeinsätze in dieser Saison.

8) Rotationsbilanz Die elf Borussen mit den meisten Einsatzminuten seit Saisonbeginn (alle Wettbewerbe, maximal 720 Minuten)

• 720: Yann Sommer, Martin Stranzl, Granit Xhaka
• 675: Tony Jantschke
• 606: Raffael
• 583: André Hahn
• 487: Branimir Hrgota
• 475: Julian Korb
• 456: Fabian Johnson
• 450: Alvaro Dominguez, Oscar Wendt

9) Trikot-Quartett Wer gedacht hat, dass die schwarzen Trikot aus der vergangenen Saison mit der Einführung der schwarzen Europapokal-Trikots ausgedient hätten, hat falsch gedacht. Gleich vier verschiedene Outfits gönnt sich die Borussia in dieser Saison, davon im zweiten Jahr hintereinander drei komplett neue. Wer sich mit allen verfügbaren Trikots eindecken will, bezahlt fast so viel wie für eine Sitzplatz-Dauerkarte in der Nordkurve — über das Torwarttrikot haben wir dann noch gar nicht gesprochen.

10) Aussagekraft lässt warten Sechs Punkte sind sechs Punkte sind aber doch nicht immer sechs Punkte. Vergangene Saison hatte der VfL mit dieser Ausbeute bereits zwei Spiele verloren, jetzt ist er noch ungeschlagen, wettbewerbsübergreifend sogar seit acht Partien. 10:8 Toren in der vergangenen Saison stehen 5:2 in dieser gegenüber. Der FC Bayern hat dasselbe Torverhältnis, kommt aufgrund einer günstigeren Verteilung seiner Treffer aber auf acht Punkte. Den Tabellenführer und den Zehnten trennen nur zwei Zähler. Man muss schon durch die Europa-League-Qualifikation gegangen sein, um sagen zu können: Diese Saison hat bereits richtig begonnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Chaot schlägt mit Poller auf am Boden liegenden Fan ein