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Champions League: Borussia Mönchengladbach gegen Schachtjor Donezk mit Rekordsieg

Demonstration gegen Donezk : Borussia feiert Rekordsieg in der Champions League

4:2 und 2:0 - das waren bislang die einzigen und höchsten Siege von Borussia in der Champions League gewesen. Mit dem 6:0 bei Schachtjor Donezk haben die Fohlen nicht nur einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Sie führen nun sogar ihre Hammergruppe an.

Borussia Mönchengladbach hatte zuletzt 2012 im Olympiastadion von Kiew vorbeigeschaut, es war das zweite Europapokal-Spiel der Fohlen-Neuzeit. Alles war neu, ungewohnt und aufregend nach 16 Jahren ohne internationale Präsenz. Gladbach gewann das Play-off-Rückspiel bei Dynamo Kiew damals zwar mit 2:1, hatte beim 1:3 im Hinspiel aber zu viel Lehrgeld zahlen müssen. Es ging in der Europa League weiter.

Am Dienstag kehrte Borussia nach Kiew zurück, der 47. internationale Auftritt der Neuzeit. Es sollte einer für die Vereinschronik werden: Mit einem 6:0 gegen Schachtjor Donezk hat sich Gladbach am dritten Spieltag der Champions League eine hervorragende Ausgangsposition für die zweite Hälfte der Gruppenphase verschafft. Fünf Punkte sind jetzt schon der eingestellte Bestwert bei der dritten Teilnahme der Klubgeschichte. Den wichtigen direkten Vergleich gegen die Ukrainer sollten die Fohlen vor dem Rückspiel am 25. November auch schon für sich verbuchen dürfen

Trainer Marco Rose schickte die Elf auf den Rasen, die in der Vorwoche eine 2:0-Führung gegen Real Madrid herausgespielt hatte (Endstand 2:2). Zehn dieser Profis – alle bis auf Lars Stindl – durften bereits im Auftaktspiel bei Inter Mailand beginnen. Borussias Königsklassen-Elf legte im Rekordtempo los. Achte Minute: Florian Neuhaus schlug aus dem Mittelkreis wieder einen Sensationspass, diesmal nach rechts auf Stefan Lainer. Der konnte sich seinen Abnehmer in der Mitte aussuchen, Jonas Hofmann besetzte den ersten Pfosten, Marcus Thuram den zweiten. Die Wahl fiel auf Alassane Plea, der ein wenig im Rückraum lauerte. Der Rechtsschuss des Franzosen schlug flach in der linken Ecke ein – Borussias schnellstes Tor in der Champions League.

Taison, einer von fünf Brasilianern in Donezks Startelf, gab kurz darauf den ersten Torschuss für die Gastgeber ab. Es sollte ein Leuchtfeuerchen bleiben. Denn Borussia presste und kombinierte aus einem Guss. Bensebaini und Lainer waren mehr Außenstürmer als -verteidiger, Neuhaus mimte den Quarterback und – dieser Drang sollte früh das 2:0 bringen – selbst Christoph Kramer hatte Bock auf Offensive.

Hinten gewann Ramy Bensebaini einen wichtigen Zweikampf, über Plea und Stindl landete der Ball zentral bei Kramer, der aus 20 Metern eine kurze Aufforderung zum Schießen benötigte, dann aber lieferte. Valeriy Bondar fälschte unhaltbar ab für seinen Keeper. So sehr, dass die Uefa nicht Kramer das Tor zusprach, sondern Schachtjors jungem Verteidiger. Es sollte in einer perfekten ersten Halbzeit der einzige Wermutstropfen bleiben. Denn nach den Toren in der 8. und 16. Minute erhöhte Plea in der 26. auf 3:0. Über 13 Stationen war der Ball wie ein frisierter Saugroboter vor seinen Füßen gelandet. Plea ließ gar keine Eigentor-Gefahr aufkommen, sein Schuss landete aus 22 Metern im Winkel.

Was noch fehlte zu einer wirklich perfekten ersten Hälfte? Eine Klasse-Parade von Yann Sommer und ein Tor nach einem Standard. Sommer lieferte nach einer knappen halben Stunde, indem er nicht auf Tetês Tunnel-Versuch hereinfiel. Kurz vor dem Pausenpfiff hakte Bensebaini das Standard-Tor ab: Nach Hofmanns Ecke köpfte er zunächst seinen Gegenspieler an, reagierte dann am schnellsten und stocherte den Ball über die Linie.

Welche zweite Halbzeit würde auf diese historische erste folgen? Donezk nutzte ein paar längere Ballbesitzphasen als Reha-Maßnahme. Doch die sehenswerten Kombinationen lieferte weiter Borussia. In der 58. Minute waren Stindl und Hofmann die Vorbereiter. Dodo war mit seiner Grätsche knapp vor Thuram am Ball und brachte es fertig, den Ball aus drei Metern über das Tor zu klären. Bei der folgenden Ecke prüfte Thuram mit einem wuchtigen Kopfball den erst 19-jährigen und oft bemitleidenswerten Anatoliy Trubin. Der schenkte Borussia nach 64 Minuten das 5:0. Hofmann funkte bei einem Abstoß dazwischen, Gladbachs Nationalspieler leitete direkt weiter zu Plea, der zu Stindl und der Kapitän schloss trocken ab.

Stindl erhielt kurz darauf als erster Borusse eine Verschnaufpause, Hannes Wolf ersetzte ihn. Auch Hofmann durfte früher Feierabend machen, Valentino Lazaro kam. Noch waren die Fohlen nicht fertig, Plea machte mit seinem dritten Tor aus einer Sahne- eine Gala-Leistung. Thuram hatte ihn bedient, der Linienrichter zuerst die Fahne gehoben, aber der Video-Assistent bestätigte das 6:0.

Zehn Minuten vor dem Ende schöpfte Rose mit der Hereinnahme von Michael Lang, Tony Jantschke und Ibrahima Traoré sein Wechselkontingent aus. Für drei Ergänzungsspieler wird es ein wohltuendes Signal ihres Trainers gewesen sein. Es war eben ein perfekter Abend.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Donezk - Borussia: die Bilder des Spiels