Keine Spur von Rivalität Fortuna gegen Borussia ist ein Derby unter Freunden

Düsseldorf · Beide Klubs und Städte verbindet viel, sie schätzen sich sehr. Statt Kampfansage gibt es vor der Partie Fortuna und Borussia also vor allem viel Lob für den Gegner. Aber in den 90 Minuten wird die Freundschaft ruhen.

 Fortunas Dodi Lukebakio (r.) im Duell mit Gladbach Alassane Plea.

Fortunas Dodi Lukebakio (r.) im Duell mit Gladbach Alassane Plea.

Foto: Falk Janning

Wenn im Fußball zwei benachbarte Orte aufeinandertreffen, steckt in diesen Duellen traditionell jede Menge Rivalität. Gerade aufgrund der räumlichen Nähe will man den Nachbarn beweisen, dass man der Bessere ist. Es geht um mehr als das sportliche Ergebnis. Bei Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach ist das anders. Am Samstagnachmittag werden beide Teams zwar alles dafür geben, drei weitere Punkte in der Bundesliga zu holen, rund herum ist von Rivalität, oder wie in einigen Derby-Fällen sogar Hass, absolut keine Spur: Es ist das Kuschel-Derby.

„Ich habe das Gefühl, Mönchengladbacher und Düsseldorfer mögen sich. Die Gladbacher gehen auch beispielweise gerne in Düsseldorf shoppen, viele Spieler aus unserer Mannschaft wohnen auch dort, viel Rivalität gibt es da also nicht“, sagt Borussia-Verteidiger Tony Jantschke. „Natürlich steckt aufgrund der räumlichen Nähe eine Besonderheit in diesem Spiel“, mein Kapitän Lars Stindl. „Es gibt viele Überschneidungen zwischen beiden Städten, ob bei uns, bei den Fans, auf der Arbeit, in Kindergärten und sonst wo.“

Im Vorfeld wirkt es, als stünde am Samstagnachmittag in der Merkur-Spielarena ein Treffen alter Freunde an. So ist es auch. Gladbachs Florian Neuhaus und Fortunas Andre Hoffmann sind beispielsweise sehr gut befreundet, Jantschke mit Düsseldorfs Co-Trainer Thomas Kleine. Auch die Trainer Dieter Hecking und Friedhelm Funkel schätzen sich extrem. Der Fortuna-Coach trifft aber auch auf andere Akteure, die ihm ans Herz gewachsen sind. „Wir freuen uns alle sehr auf dieses Spiel. Dirk Bremser (Co-Trainer bei Borussia, d. Red.) war früher mein Spieler, und mit Dieter Hecking verbindet mich auch sehr viel. Wir kennen uns einige Jahrzehnte, und es ist einfach fantastisch, was er in Gladbach alles auf die Beine gestellt hat. In Christoph Kramer und Florian Neuhaus hat Borussia noch zwei tolle Spieler, die bei mir groß geworden sind“, sagt Funkel. Kramer trainierte er einst in Bochum, Neuhaus vergangene Saison bei Fortuna. Auch Raffael war bei Hertha BSC sein Spieler.

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Foto: dpa/Marius Becker

Auch sportlich sind beide Klubs voll des Lobes für den Nachbarn. „Hut ab vor Düsseldorf. Man muss einfach Respekt vor dem zollen, was sie in dieser Saison leisten. Das bekommen wir in Mönchengladbach natürlich auch mit. Sie spielen eine super Runde, Friedhelm Funkel hat die Mannschaft super eingestellt, dafür ein riesiges Kompliment“, sagt Stindl.

Beide Teams vereint zudem eine andere Sache: die Rivalität zum 1. FC Köln. Das Duell gegen den Zweitligisten ist eigentlich das „echte Derby“ für die Klubs. „Ich glaube, so eine Leihe wie mit Florian Neuhaus könnte mit Köln nicht funktionieren“, sagt Jantschke deswegen auch. Zwischen Borussia und Fortuna ist sowas hingegen möglich, sie sind Nachbarn, die sich mögen. Doch klar ist auch, dass diese Kuschel-Stimmung in den 90 Minuten am Samstagnachmittag ruhen wird, da werden beide nur eines wollen: den Niederrhein-Nachbarn besiegen. „Die Personen in Gladbach stehen mir ein Stück weit nahe, ich freue mich auf ein Wiedersehen. Dennoch wollen wir am Samstag gewinnen“, sagt Funkel.

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