Ex-Borusse im Pokalfinale Am Elfmeterpunkt schloss sich für Hrgota der Kreis

Mönchengladbach · Der entscheidende Frankfurter Elfmeterschütze war im DFB-Pokalhalbfinale gegen Borussia Mönchengladbach mit dem berüchtigten Wort "ausgerechnet" versehen. Branimir Hrgota hat seinem ehemaligen Klub große Schmerzen zugefügt.

Branimir Hrgota feiert mit Eintracht Frankfurt den Einzug ins DFB-Pokalfinale.

Branimir Hrgota feiert mit Eintracht Frankfurt den Einzug ins DFB-Pokalfinale.

Foto: dpa, jai

Ohne das Böllenfalltor in Darmstadt und den 4. August 2013 ist diese Geschichte nicht rund. Borussia Mönchengladbach hatte sich beim damaligen Drittligisten ins Elfmeterschießen gequält, nach je vier Treffern und einem Fehlschuss ging es weiter. Milan Ivana brachte Darmstadt wieder in Führung, und dann legte sich Branimir Hrgota den Ball auf den Punkt. Der 20-Jährige lupfte lässig — an die Unterkante der Latte, Gladbach war ausgeschieden in der ersten DFB-Pokalrunde. "Vor dem Elfmeter habe ich gedacht: Er soll es nicht tun", sagte Sportdirektor Max Eberl nachher. Mit "es" meinte er das Lupfen, ein paar Monate vorher beim Auswärtssieg in Mainz noch erfolgreich praktiziert. "Ich denke, ich schieße den nächsten Elfmeter nicht mehr so", zeigte sich Hrgota nach einer schlaflosen Nacht halbwegs einsichtig.

Fast vier Jahre waren vergangen, bis die Einsicht des Schweden einer echten Prüfung unterzogen wurde. Wieder ging ein Elfmeterschießen in die Verlängerung, nur hätten die Gladbacher diesmal kein Problem mit einem arroganten "Panenka" an die Latte gehabt. Denn im vergangenen Sommer verließ Hrgota den Klub nach vier eher weniger erfolgreichen Jahren, nachdem sein Vertrag ausgelaufen war. Und nun legte er den Ball also im Trikot von Eintracht Frankfurt auf den Punkt, Halbfinale im DFB-Pokal, 23.32 Uhr, noch ein Treffer bis zum Endspiel. Nach zwei guten Möglichkeiten in der Anfangsphase war der mittlerweile 24-Jährige fast zwei Stunden lang untergetaucht. Nun lief er an, schickte Yann Sommer in die falsche Ecke und die Eintracht nach Berlin.

Eine weitere große Prüfung folgte unmittelbar. "Wir haben versucht, zu sprinten. Der Weg zu den Fans war weit. So 20 km/h gingen noch", erzählte Hrgota. Auf Seiten Borussias fanden sie inmitten der großen Trauer keine Muße, sich speziell mit ihrem Ehemaligen und seinem finalbringenden Moment zu beschäftigen. "Vollkommen egal", sagte André Hahn. Dagegen war Hrgota eine gewisse Genugtuung anzumerken. "Ich habe viel Respekt für Gladbach, ich habe hier vier Jahre gespielt, aber natürlich freut es mich auch besonders", sagte er.

Die Medien in Hessen hatten zuletzt kein gutes Haar an ihm gelassen. "Der Eintracht-Angreifer ist nun fürwahr nicht mit Fortuna im Bunde, er spielt mies, verhaspelt seine wenigen Chancen, seine Körpersprache ist ein klitzekleines bisschen verbesserungswürdig", schrieb die "Frankfurter Rundschau" noch am Tag des Halbfinales. Mit seinen versemmelten Möglichkeiten gleich zu Beginn schien Hrgota für Bestätigung zu sorgen. Sportvorstand Fredi Bobic sprach nachher ein paar schützende Worte: "Einige haben gesagt, um Gottes Willen, wieso schießt der jetzt. Aber er reißt sich seit Wochen den Hintern auf. Deshalb freut es mich für ihn."

Trainer Niko Kovac wird anders als Lucien Favre niemanden mehr ermahnen müssen, Hrgota bloß nicht zu vergessen. Sein Elfmetertor war eines für die Frankfurter Vereinschronik, wobei der Schwede als achter Schütze gar nicht davon ausgehen konnte, überhaupt noch zum Zug zu kommen. Am 25. April 2017 um 23.32 Uhr schloss sich jener Kreis, der sich einst in Darmstadt geöffnet hatte.

(jaso)