Borussias Mönchengladbach: Yann Sommer will bei WM 2018 Brasilien aufhalten.

Borussia-Torwart bei der WM: Sommer will Brasilien aufhalten

Borussias Torhüter ist zum ersten Mal Nummer eins der Schweiz bei einer Weltmeisterschaft. Bei seinem WM-Debüt will er gegen die Stürmerstars des Rekord-Weltmeisters sein Tor sauber halten.

Weil es nun mal so ist, dass Geld Tore schießt im Fußball, kann sich Borussias Nummer eins Yann Sommer fast ausrechnen, was Sonntagabend auf ihn zukommt. Die Schweiz, deren Nummer eins er ist bei der Weltmeisterschaft in Russland, spielt im ersten Vorrundenspiel gegen einen der Top-Favoriten: Brasilien. Fasst man allein jene Herren zusammen, die offiziell der Abteilung Attacke zugeordnet werden in der Selecáo, summiert sich der vom Portal transfermarkt.de geschätzte Marktwert auf fast 540 Millionen Euro, im echten Leben darf man sicherlich noch ein bisschen was draufrechnen.

Sommers Ansatz ist klar definiert: Er will Brasilien aufhalten. Oder so: Wenn die Schweizer etwas holen wollen gegen den Rekordweltmeister, dann muss auch er einen großen Tag haben, das ist jedenfalls zu vermuten. Dass er es kann gegen Favoriten, hat er schon gezeigt. Zum Beispiel 2014 bei der Europameisterschaft, seinem ersten Turnier als Nummer eins, hielt er gegen den späteren Finalisten Frankreich das 0:0 fest. Zuletzt im Test gegen Spanien half er den Eidgenossen mit seinen Paraden zu einem 1:1.

Eine Leistung wie die in Villarreal, wo er auch schon mit Borussia spielte, wird es wohl zumindest brauchen, um gegen Neymar, Coutinho, Jesus, Firmino, Willian und Co. Unheil zu vermeiden. Doch Sommer lässt sich vom Klang der Namen nicht beeindrucken. „Es ist eine tolle Mannschaft mit herausragenden Spielern. Aber wir wollen gegen Brasilien ein gutes Resultat erzielen, um für die WM ein gutes Gefühl zu bekommen“, sagte der 29-Jährige zuletzt im Interview mit dem Schweizer „Blick“.

Dass er in seinem ersten WM-Spiel gleich gegen Brasilien spielt, ist Sommer eher eine Freude als eine Last. 2014, bei der WM in Brasilien war er schon dabei, aber nur als Nummer zwei hinter Diego Benaglio. Nach dem Turnier trat dieser zurück, seither ist Sommer der erste Torwart der Schweiz. Diese geht zum dritten Mal nach 2004 (Jörg Stiel) und 2016 (Sommer) mit einem Borussen als Nummer eins in ein Turnier.

Sommer glaubt an die Qualität des Schweizer Kaders, zu dem drei weitere Borussen gehören: Denis Zakaria, Josip Drmic und Nico Elvedi. So nannte die „Aargauer Zeitung“ Borussia den „besten Schweizer Verein“. Sommer wird gegen Brasilien spielen, von den drei anderen wird wohl keiner starten. Gerade Drmic’ WM-Teilnahme ist aber angesichts seiner langen Verletzungs-Odyssee bemerkenswert. „Wenn mir das vor einem Jahr jemand gesagt hätte, hätte ich es wohl nicht für möglich gehalten”, sagte er.

Sommer will derweil mit der Schweiz in Russland etwas schaffen, was zunächst kaum jemand für möglich hält. „So ein Turnier ist immer auch eine Chance für alle, die man nicht so auf dem Schirm hat. Wir haben viel Qualität im Team“, sagte er. und stellt klar: Erstens „sind wir hoffentlich sehr lange hier“ und zweitens „ist für uns alles möglich“. Gegen Brasilien steht er auch auf einem goldenen Präsentierteller. Starke Leistungen bei einer WM können bei Top-Klubs Interesse wecken.

Darüber jedoch macht sich Sommer keine Gedanken. Er ist fokussiert auf sein WM-Debüt. Dann folgen die Spiele gegen Serbien und Costa Rica, in denen die Schweiz mindestens den zweiten Platz in der Gruppe sichern will. Läuft es in der deutschen Gruppe normal, käme im Achtelfinale der nächste WM-Favorit auf Sommer und seine Kollegen zu: das DFB-Team. Das startet morgen um 17 Uhr gegen Mexiko in die WM, Borusse Matthias Ginter wird auf der Bank sitzen. Wie auch Jannik Vestergaard beim Auftakt der Dänen am Samstag gegen Peru (18 Uhr).

Sommer wird, um sich abzulenken, in seinem Einzelzimmer im Schweizer WM-Quartier in Toljatti an der Wolga ab und an seine Gitarre zur Hand nehmen und ein paar Songs spielen. „Das bringt mich auf andere Gedanken“, sagt er. Den Blues einer Niederlage will er jedoch nicht spielen. Auch nicht gegen Brasilien.

(kk)
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