Borussias Mönchengladbach trifft richtige Entscheidungen auf dem Transfermarkt

Keine Winter-Zugänge : Borussias richtige Entscheidungen auf dem Transfermarkt

Die Transferperiode ist vorbei, Borussia hat keinen Spieler dazugeholt. Das zeigt, dass Manager Max Eberl und Trainer Dieter Hecking dem Team vertrauen. Torwart Yann Sommer macht am Samstag auf Schalke sein 150. Bundesligaspiel.

Genau genommen ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn ein Fußball-Verein im Winter auf dem Transfermarkt nicht aktiv wird. Dann ist zuvor viel richtig gelaufen. Bei den Borussen war es in der Hinrunde dieser Saison so. Und als sich abzeichnete, dass auch von den Profis, die verletzt in die Winterpause gingen, die meisten wieder bereit sein würden, wenn die Rückrunde beginnt, war relativ schnell klar, dass Sportdirektor Max Eberl nicht aktiv werden würde in Sachen Zukäufe. Geklärt ist nun auch, dass Josip Drmic nicht fündig geworden ist bei der Suche nach einer Alternative zu Borussia. Es gab noch Gerüchte, dass er zum 1. FC Nürnberg zurückkehren könnte, doch auch die wischte Eberl schnell vom Tisch. „Es wird nichts mehr passieren“, gab er Donnerstag bekannt. Einzig Laszlo Bénes hat sich verändert. Er soll beim Zweitligisten Holstein Kiel Spielpraxis sammeln.

Da ein Kader ein sehr feinfühliges Gebilde ist, ist es die richtige Entscheidung, nichts zu verändern. Gleichgewicht und die gute Sozialstruktur sind Faktoren des Erfolgs, darauf verweisen die Borussen immer wieder. Eberl und Trainer Dieter Hecking zeigen dem Team mit ihrer Zurückhaltung auf dem Transfermarkt auch, dass sie dem Kader zutrauen, eine Rückrunde zu spielen, an deren Ende möglichst die Rückkehr nach Europa und bestenfalls in die Champions League steht.

Dass beide, Hecking wie Eberl, ohnehin keine Freunde der Winterzukäufe sind, sondern lieber langfristig von Sommer zu Sommer planen, ist bekannt. Das ermöglicht eine langfristige und gezielte Bedarfsanalyse und frühzeitige Entscheidungen. Wie 2014, als Marc-André ter Stegen intern lange bevor es öffentlich wurde, signalisiert hatte, dass er zum FC Barcelona wechseln würde. „Wir hatten dadurch einen Wissensvorsprung und konnten uns daher intensiv Gedanken machen“, verriet Eberl nun. Es gab verschiedene Kandidaten, die Wahl fiel auf Yann Sommer. „Er war schon länger bei uns im Fokus. Er ist wie Marc ein sehr kompletter Torwart“, sagte Eberl. Er traf die richtige Entscheidung.

Ter Stegen, inzwischen Superstar beim FC Barcelona, hatte einen langen Schatten hinterlassen, ist er doch nicht nur ein extrem guter Torwart, sondern auch ein Vorzeige-Fohlen. Doch Sommer hat sich etabliert, ist eine Führungsfigur im Team geworden, ist nun Vize-Kapitän. Am Samstag auf Schalke (18.30 Uhr) macht er sein 150. Bundesligaspiel für Gladbach. „Das freut mich sehr und macht mich auch stolz. Als ich vor viereinhalb Jahren gekommen bin, konnte man nicht automatisch erwarten, dass es so gut laufen würde. Es macht mir Spaß für diesen Verein spielen zu dürfen“, sagte Sommer auf Borussias Internetseite.

Der Mann, der auch im Tor der Schweiz die unumstrittene Nummer eins ist, ist einer der Gründe, warum die Borussen Dritter sind: Er gehört zu der (mit Leipzig) besten Abwehr der Bundesliga, in neun von 19 Liga-Spielen hielt er die Null fest, 2019 sind die Borussen als einziger Bundesligist noch ohne Gegentor. Geht die Serie auf Schalke weiter, hätte Sommer eine Zu-Null-Quote von 50 Prozent. „Dafür gibt es einige Gründe. Zunächst hat sich die Zusammensetzung der Mannschaft ein wenig verändert, dann kommt hinzu, dass wir – im Gegensatz zu Vorsaison – bisher nur wenige Verletzte zu beklagen haben. Und wenn es einmal läuft, dann tritt man von Woche zu Woche auch mit größerem Selbstvertrauen auf. Im Moment finden wir eine sehr gute, ausgewogene Balance zwischen Offensive und Defensive“, erklärte Sommer.

Schalke ist für ihn ein Denkanstoß, gab es doch 2017 in der Europa League das seltsame „Maulwurf-Gegentor“, als der Schuss von Leon Goretzka wegen einer Unebenheit im Rasen über seine Hand hoppelte. „Das war keine schöne Erfahrung, weil wir ausgeschieden sind“, sagte Sommer, hat derlei Ereignisse aber abgehakt. „Es wird jetzt ein ganz neues, ganz anderes Spiel“, sagte Sommer. Der Gegner war in den vergangenen Wochen weit mehr in Wechsel-Themen verstrickt als die Gladbacher. Die Borussen haben von Eberl und Hecking einen Vertrauensvorschuss bekommen, dem sie nun gerecht werden wollen. Sommer und seine Kollegen wollen nach dem optimalen Start mit zwei Siegen weitermachen. „Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, auf den Punkt genau bereit zu sein“, sagte Sommer.

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