Borussias Mönchengladbach: Der neue VfB-Trainer macht das Spiel kompliziert

Neuer Trainer in Stuttgart : Willig macht es kompliziert für Borussia

Gladbach bei einem VfB mit neuem Trainer – das gab es schon in der vergangenen Saison. Und es ging nicht gut aus für die Borussen, die 0:1 verloren. Das sollte sich nicht wiederholen.

Philipp Schützendorf hatte Forschungsarbeit zu verrichten. Er ist Videoanalyst bei Borussia und als solcher dafür zuständig, Bildmaterial des Gegners zur Spielvorbereitung anzufertigen. Natürlich gibt es reichlich Stoff vom VfB Stuttgart, das jüngste Anschauungs-Material entstand beim 0:6 der Schwaben am vergangenen Spieltag in Augsburg. Aber was ist das Material wert? Denn der VfB hat nach dem Debakel Trainer Markus Weinzierl entlassen und den bisherigen U19-Trainer Nico Willig mit der Rettung des in arger Abstiegsnot befindlichen Klubs beauftragt.

Power-Fußball will der neue Mann spielen lassen, das hat er gesagt. Aber wie wird das aussehen? Es gibt sicherlich Anschauungs-Material von den U19-Spielen des VfB, „aber das ist A-Jugend und nicht Bundesliga“, sagte Gladbachs Trainer Dieter Hecking. Heißt: Eins zu eins lässt sich das, was Willig mit dem Nachwuchs des VfB so machte, sicher nicht auf das Profi-Team übersetzen. Und somit ist Gladbachs Gegner in gewisser Weise eine Wundertüte.

Hinzu kommt der eventuelle psychologische Effekt eines Trainerswechsels, wie er zum Beispiel gerade in Augsburg zu besichtigen ist, wo das zuvor taumelnde Team unter dem neuen Coach Martin Schmidt plötzlich zwei Siege und 9:1 Tore gegen Frankfurt und Stuttgart produzierte. Und die Geschichte vom VfB, der einen neuen Trainer hat, die kennt Borussia aus der Vorsaison: Da gab es in Stuttgart eine 0:1-Niederlage. Es war das Heimdebüt des damals kurz zuvor zum neuen Trainer ernannten Tayfun Korkut. Nun macht es Willig kompliziert für die Gladbacher.

„Durch den Trainerwechsel ist Stuttgart ein wenig unberechenbar, keiner weiß genau, was da an System oder sonst auf uns zukommt“, gesteht Borussias Außenbahnspieler Patrick Herrmann. Das Eigengewächs hat in Stuttgart schon die ganze Bandbreite der Fußball-Erlebnisse gehabt. 2010 gab es ein unfassbares 0:7, aber auch schon vier Auswärtssiege in Folge beim VfB, den von 2015 machte Herrmann selbst mit seinem Tor zum 1:0-Endstand möglich. Überhaupt: Sieben der letzten zehn Spiele hat Borussia gegen den VfB gewonnen, auch das Hinspiel dieser Saison, da gab es ein 3:0, das nach der Pause herausgeschossen wurde.

Herrmann kam dabei nicht zum Einsatz. Das dürfte nun anders sein, trotz der Szene, die zum Elfmeter für Leipzig führte im letzten Spiel. In Stuttgart wird es auch eine Frage der Einstellung sein, fraglos. Vergangene Saison ließen sich die Borussen vom VfB in etwa so überrumpeln wie in dieser Spielzeit von Fortuna Düsseldorf. Die in beiden Spielen verkorkste Anfangsphase konnten sie nicht mehr reparieren.

Das sollte nicht nochmal passieren, wenn die Borussen ernsthafte Europa-Ambitionen hegen. Das derzeit auf den nahe des Stadions gelegenen Cannstatter Wasen stattfindende Frühlingsfest sollte daher der einzige Grund zum Feiern für die Stuttgarter sein.

Wie Borussia den Trainereffekt beim VfB hinfällig machen könnte, weiß Herrmann. „Wir dürfen uns da nicht von anderen Sachen zu sehr beeinflussen lassen, sondern einfach gewinnen“, sagte er.