Borussia Mönchengladbach: Borussias Misere in Hoffenheim und der 18.30-Uhr-Fluch

Borussia Mönchengladbach : Borussias Misere in Hoffenheim und der 18.30-Uhr-Fluch

Manche Dinge ändern sich nie, besonders nicht in Hoffenheim. Dort hat die Borussia noch nie gewonnen – auch nicht in der vergangenen Saison. Eine ausgewachsene Seuche ist dafür im Ruhrgebiet zu Ende gegangen. Eine "Zehn vom Niederrhein" über Angstgegner und solche, die es noch werden wollen.

Manche Dinge ändern sich nie, besonders nicht in Hoffenheim. Dort hat die Borussia noch nie gewonnen — auch nicht in der vergangenen Saison. Eine ausgewachsene Seuche ist dafür im Ruhrgebiet zu Ende gegangen. Eine "Zehn vom Niederrhein" über Angstgegner und solche, die es noch werden wollen.

1.) Was ist grün und verliert nie? Der Hamburger SV bleibt in der Bundesliga, der 1. FC Köln und — zum allerersten Mal — der SC Paderborn steigen auf. Damit hat die Borussia bei drei ihrer 17 Gegner in der kommenden Saison noch nie in der Bundesliga gewonnen. Was gegen Neuling Paderborn unvermeidbar und gegen Augsburg (erst drei Erstliga-Gastspiele) zu verkraften ist, nimmt gegen 1899 Hoffenheim regelmäßig seuchenhafte Züge an. Von allen Gegnern, bei denen Gladbach schon einmal drei Punkte geholt hat, dauert die Warterei gegen Werder Bremen am längsten an. Genau genommen hat der VfL dort noch nie drei Punkte geholt. Denn 1987 gab es noch zwei Punkte für einen Sieg.

2.) Noch 23 Jahre Aber legen wir den Fokus auf Hoffenheim: Acht Pflichtspiele hat die Borussia bei der TSG absolviert und nur zwei Punkte geholt. Bei acht der bislang 48 Bundesliga-Auswärtsgegner gab es nie einen Sieg, darunter die letzten drei Vereine der Ewigen Bundesliga-Tabelle (Tasmania Berlin, der VfB Leipzig und Blau-Weiß 90 Berlin). Es könnte noch eine Weile dauern, bis die Mannschaft von Lucien Favre ein Spiel in Sinsheim oder Hoffenheim gewinnt — oder wo auch immer die TSG dann spielen wird. Vielleicht ist Favre dann gar nicht mehr Trainer am Niederrhein. Beim FC Bayern benötigte Gladbach unschlagbare 31 Anläufe bis zum ersten Dreier. Diese Punktzahl gab es dann wirklich — die Drei-Punkte-Regel war 1995 gerade eingeführt worden.

3.) Ein 2:2 als Blaupause Nun läuft es gegen Hoffenheim zu Hause nur unwesentlich besser. Von 15 Duellen in der Bundesliga, der 2. Bundesliga und dem DFB-Pokal hat Gladbach zwei gewonnen. Siebenmal reichte eine Führung nicht zum Sieg, viermal reichte sogar eine Zwei-Tore-Führung nicht und beinahe jedes zweite Gegentor kassierte die Borussia in den letzten 15 Minuten. Wenn man so will, war das 2:2 in der Rückrunde eine Blaupause der Misere: 2:0-Führung nach 18 Minuten, Ausgleich in der 82. Minute. Wobei ein Punkt angesichts dieser Seuche immer noch zu gut ist.

4.) Tag der offenen Kabinentür Im September 2013 hatte Granit Xhaka wenigstens eine plausible Begründung parat. Für ihn war Hoffenheims 1:0 kurz vor der Pause der Knackpunkt. "Wir müssen das 0:0 mit in die Pause nehmen und auch zur zweiten Halbzeit mit 0:0 rauskommen", sagte der Schweizer. Zu dieser Zeit war die Borussia auswärts so anfällig, dass Gegentore in der Kabine nicht ausgeschlossen werden konnten. Von März bis Oktober kassierte der VfL in acht Gastspielen hintereinander mindestens zwei Tore — sogar beim einzigen Sieg, dem 4:2 in Mainz.

5.) Wie Gott im Pott Aber es gibt nicht nur Negativserien, die weiterhin Bestand haben, sondern es wurden auch echte Schwergewichte unter den Seuchen eliminiert. Als die Borussia im März nach Dortmund fuhr, hatte sie 34 Spiele in Folge nicht mehr im Ruhrgebiet gewonnen. Mit einem 2:1-Erfolg fuhr der VfL zurück an den Niederrhein, um sich Ende April wieder aufzumachen in den Pott und 1:0 auf Schalke zu gewinnen. Das wiederum hatte es seit fast 22 Jahren nicht gegeben.

6.) Doppelt gut, doppelt schlecht So hat Gladbach gegen vier Gegner der abgelaufenen Saison beide Partien gewonnen. Neben Dortmund und Schalke waren das Hamburg und Nürnberg — jeweils der Zweite und der Dritte, von beiden Seiten der Tabelle. Doppelpleiten setzte es nur gegen Meister Bayern und den Vierten Leverkusen.

7.) Hoffen auf Elfmeterschießen Okay, eine massive Seuche ergibt sich daraus doch noch, vielleicht noch massiver als die sportliche Beziehung zur TSG Hoffenheim oder 27 sieglose Jahre bei Werder Bremen. Gladbach hat natürlich nicht zu Hause gegen Bayer Leverkusen gewonnen, zum 22. Mal in Folge. Diesmal reichte es nicht einmal für eines der sonst so munter auftretenden Unentschieden. Solange die DFL kein Elfmeterschießen in der Bundesliga einführt, fehlt einem langsam der Glaube. So hat es zumindest im DFB-Pokal seit 1989 zweimal hingehauen.

8.) Ab und an gastfreundlich Der Borussia-Park wird zehn Jahre alt, zehn Pflichtspiele hat Gladbach gegen bestimmte Mannschaften maximal absolviert. 18 Teams waren mindestens fünfmal zu Gast. Gegen Leverkusen, Stuttgart und Bochum gab es je nur einen Erfolg — gegen Köln, Kaiserslautern, Berlin, Freiburg und Bremen je nur eine Niederlage. Am besten sieht es gegen Werder aus mit sechs Siegen und zwei Unentschieden in neun Aufeinandertreffen seit 2004.

9.) Pro 15.30 Uhr Seit fünf Jahren gibt es die 18.30-Uhr-Spiele in der Bundesliga. Neunmal wurde für den VfL ein solches "Topspiel" auswärts angesetzt. Aus all diesen Partien hat Gladbach zwei Punkte mitgenommen (einen aus Düsseldorf, einen aus Bremen). Das Torverhältnis liegt bei 3:23. Mehr gibt es nicht zu sagen.

10.) Ter Stegen auf Kleffs Spuren Das 1:3 bei Hannover 96 passte von der Anstoßzeit her bestens ins Bild. Besonders war nur das Tor, das Marc-André ter Stegen gegen 19.42 Uhr kassierte. Zuvor war er auswärts 381 Minuten ohne Gegentor geblieben und damit gar nicht mehr so weit entfernt von Wolfgang Kleffs Vereinsrekord. Kleff und seine Vorderleute schafften 1970 genau 457 Minuten.

(seeg)
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