Borussia Mönchengladbachs Lars Stindl: „Wir waren gedanklich immer einen Schritt zu spät“

Ernüchterte Gladbacher nach 0:1: „Wir waren gedanklich immer einen Schritt zu spät“

Die Borussen waren sich nach der 0:1-Niederlage in Freiburg einig, dass sie von allem zu wenig gezeigt hatten - spielerisch wie kämpferisch. So stand der Video-Assistent beim Gegentor zwar im Fokus, war aber nicht der entscheidende Faktor. Gladbach hatte nur einen gefährlichen Torschuss.

Was gefehlt hatte, konnten alle Borussen nach dem Spiel genau benennen, nur mit dem Warum taten sie sich schwer. Trainer Dieter Hecking stellte erst einmal klar: "Auch ohne Videobeweis war die Niederlage mehr als verdient. Entscheidend waren Freiburgs Leistung und unsere eigene", sagte er. "Wir hatten uns das sicherlich anders vorgestellt, waren gedanklich aber immer einen Schritt zu spät."

Nils Petersen hatte per Elfmeter für das einzige Tor des Abends gesorgt, Schiedsrichter Deniz Aytekin ahndete die Berührung von Jannik Vestergaard in der 18. Minute erst rund 60 Sekunden später mithilfe des Video-Assistenten. In der Zwischenzeit war Denis Zakaria in Richtung Freiburger Strafraum marschiert und Vincenzo Grifo hatte in einer der seltenen Drucksituationen beinahe den Ball erobert. Doch Aktionen dieser Art waren selbst dann rar, als Hecking mit drei Angreifern und Dreierkette spielen ließ. Der eingewechselte Raffael prüfte Freiburgs Keeper Alexander Schwolow als einziger gefährlich.

"Wir haben nie richtig reingefunden ins Spiel und in der einen oder einen Situation sogar Glück gehabt, dass nicht das zweite Tor gefallen ist", sagte Lars Stindl. "In der Halbzeitpause haben wir besprochen, was wir anders machen wollen, kommen raus und kriegen direkt den Lattentreffer. Maximal in der letzten Viertelstunde haben wir etwas mehr vom Spiel gehabt." Doch auch das seien meistens Zufallsprodukte gewesen.

Dass Borussia sowohl kämpferisch als auch spielerisch derart unter ihren Möglichen blieb, konnte sich Stindl auch nicht erklären. "Sehr gute Frage. Die müssen wir uns für die nächsten Aufgaben sicherlich stellen, weil wir gerade in solchen Spielen oft Probleme haben, Lösungen zu finden und uns dem Gegner entgegenzustemmen", sagte der Kapitän. 60 Prozent der Zweikämpfe gewann Freiburg, bei 24:5 für die Gastgeber lag das Torschussverhältnis, darunter zwei Aluminiumtreffer.

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Hinzu kommen bei Borussia die personellen Probleme, die sich bis zum Spiel gegen den Hamburger SV kaum entspannen werden, im Gegenteil: Denis Zakaria sah in Freiburg die fünfte Gelbe Karte und muss pausieren. Für seinen Partner auf der Doppelsechs, Christoph Kramer, war eine Viertelstunde vor dem Ende Feierabend. "Ich war einfach platt", sagte der 26-Jährige, der zudem leicht benommen wirkte, nachdem er bei einem Foul mit dem Kopf auf den Boden geprallt war. Schiedsrichter Aytekin fragte einmal nach, ob es ihm gut gehe, Kollege Grifo schaute ihm bei einer Unterbrechung tief in die Augen. "Freiburg hat es gut gemacht, hat gut gepresst und uns den Schneid abgekauft", sagte Kramer zu einer der schwächsten Leistungen der Saison. "Die spielerischen Mittel, die wir finden wollten, haben wir nicht gefunden."

Wenn er sich bis Freitag erholt, benötigt Kramer also einen neuen Partner. Der junge Michael Cuisance, der schon in Freiburg eine halbe Stunde spielte und zumindest ein paar Akzente setzte, würde sich gegen Hamburg anbieten. Oder aber Matthias Ginter rückt wieder vor auf die ungeliebte Sechserposition und Reece Oxford, der es bei seinem Startelfdebüt noch ganz ordentlich machte, rückt nach innen, weil hinten rechts Nico Elvedi von seiner Sperre zurückkehrt. "Wir müssen uns jetzt irgendwie in die Winterpause retten", sagte Kramer angesichts der Personalsituation. In Marcel Benger saß neben Justin Hoffmanns ein zweiter U23-Spieler auf der Bank.

Erstmals seit September hat Borussia nun drei Spiele in Folge nicht gewonnen. "Man muss es differenziert sehen", sagte Matthias Ginter. "Schalke war ein gutes Spiel, das hätten wir gewinnen können, weil wir die bessere Mannschaft waren. Jetzt in Freiburg war es genau wie in Wolfsburg eine verdiente Niederlage. Es liegt immer an uns. Wenn wir die richtige Einstellung gezeigt hätten, bin ich mir sicher, dass wir mindestens einen Punkt mitgenommen hätten." Doch davon war Borussia trotz des knappen Ergebnisses eben weit entfernt.

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(jaso)