Borussia Mönchengladbachs Bester 2017: Das Jahr des Lars Stindl

Gladbachs Bester 2017: Das Jahr des Lars Stindl

Die Abstimmung bestätigt mit 34,2 Prozent der Stimmen den Eindruck: Borussias Kapitän ist bei den Gladbachern der Mann des Jahres 2017.

Bevor Dieter Hecking im Januar seinen Trainingsjob in Gladbach antrat, wählte er die Nummer von Lars Stindl. Den hatte sein Vorgänger André Schubert zu Borussias Kapitän gemacht - und nun fragte Hecking nach, wie es denn stehe um das Team, um Borussia, um Stindl. Vielleicht war dieser Anruf der Ursprung für das, was seither in der Karriere des Offensivspielers passiert ist. Hecking hat Stindl von Anfang an in die Verantwortung genommen, hat ihn zu seinem Vertrauten gemacht und ihm damit vielleicht den letzten entscheidenden Kick gegeben, der nötig war, um Stindls Karriere, über die er selbst sagt, sie sei nicht normal, noch mal einen neuen Drive zu geben.

2017 war jedenfalls Lars Stindls Jahr. Das sehen auch die so, die bei der Wahl von RP Online für den 29-Jährigen gestimmt haben. 34,2 Prozent der Stimmen bekam er, weit mehr als alle anderen. Ein eindeutiges Votum, das dem Kapitän zeigen dürfte, dass seine Ansicht, Borussia und er würden gut zusammenpassen, wohl absolut richtig ist.

Stindl wuchs noch mal ganz neu in die Rolle des Borussen-Bosses hinein, schoss viele wichtige Tore. Wie in Leverkusen, wo er mit seinem Doppelpack den 3:2-Sieg hauptsächlich verantwortete, der Borussia auf den Weg nach oben brachte nach einer sehr schwierigen Hinrunde mit nur 17 Punkten. Später in Köln wurde Stindl zum Helden, als er auch dort für den 3:2-Erfolg im Derby sorgte. Tore wie diese sind es, die einen Spieler zum Anführer machen, wichtige Tore in wichtigen Spielen. Und dann war da noch Stindls Highlight-Abend in Florenz, dieses grandiose 4:2, bei dem er drei Tore erzielte.

Taten wie diese kamen auch bei einem Mann an, der Stindl bis dahin wohl nicht so recht wahrgenommen hatte: Bundestrainer Joachim Löw. Nach und nach verdichteten sich die Vermutungen, dass Stindl ein Spätberufener werden könne im Nationalteam, und so kam es dann auch. Am 6. Juni debütierte er beim 1:1 gegen Dänemark im Trikot mit dem Adler. Dass er dabei seine Gladbach-Nummer, die 13, auf dem Rücken trug, verdankte er dem Fehlen von Thomas Müller, der normalerweise mit dieser Zahl spielt. Stindl brachte die 13 auch beim DFB Glück. Gegen Dänemark bereitete er den Ausgleich vor. Danach gehörte er zum Aufgebot für den Confed-Cup. Stindl erzielte drei Tore in Russland, das dritte brachte dem deutschen Team den Turniersieg. Stindl, der Entscheider.

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Er blieb dabei, auch nach diesem "wunderbaren Sommer", und im letzten Spiel des Jahres sorgte er als Einwechselspieler für das 2:2 gegen Frankreich und somit den Bestand der deutschen Unbesiegbarkeit in diesem Jahr. Stindls Botschaft im Jahres-Finale: "Ich bin da, wenn du mich brauchst, so oder so." Löw weiß, was er an Stindl hat: Einen erfahrenen Mann, der jede Sekunde beim DFB genießt, aber nicht nur dabei sein, sondern etwas bewegen will. "Gut, sogar sehr gut", findet Löw daher Borussias Vorarbeiter. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich für Stindl als Mann für die Hinterhand bei der WM entscheidet, ist nicht gering.

2017 hat Stindl, inzwischen 29 Jahre alt, so viele Tore gemacht wie nie zuvor in einem Kalenderjahr. Doch Stindls Wert liegt nicht nur an der Oberfläche, sondern insbesondere im Verborgenen: im letzten und im vorletzten Pass vor einem Treffer. Stindl kennt wie wenige die Räume zwischen den Linien und weiß sie zu bespielen. Zudem kann er den Ball unglaublich beschleunigen. Das 1:0 gegen den HSV war ein gutes Beispiel dafür: Stindls Pass zu Raffael war der Tritt aufs Gaspedal, dann ging es zack-zack-zack und der Ball lag, getreten von Thorgan Hazard, im Netz. Beim 3:1 war es erneut Stindl, der den Assist-Assist besorgte, dieses Mal legte Hazard Raffael das Tor auf.

Trotz allem war es auch ein unvollendetes Jahr für Stindl. Nicht im Nationalteam, da holte er, der Neuling, einen Titel. Mehr geht nicht. Bei Borussia jedoch war es auch für ihn in der Summe das Jahr der verpassten Möglichkeiten, nachdem sich er und die Kollegen bestens positioniert hatten im Februar, sogar Titel schienen möglich. Doch dann kamen die Monate des Verpassens. Erst das Europa-League-Scheitern gegen Schalke. Dann das Pokal-Aus im Halbfinale. Und die verpassten Europa-Plätze in der Liga.

Im Sommer hat Stindl gelernt, wie man große Ziele erreicht. Er will das Wissen nun in Gladbach anwenden. Im Pokal schaffte er es nicht. Aber im Schlussspurt um die Europa-Plätze soll es so sein. Europa schaffen und zur WM fahren, das ist Stindls Plan für 2018. Geht der auf, wäre es wieder sein Jahr. Am 26. August wird er 30. Für den Spätstarter ist das kein Problem. Er ist Pfälzer, daher weiß er, dass ein guter Wein im Alter besser wird. Stindl hat ein anderes Beispiel, das das belegt: Zlatan Ibrahimovic hat nach seinem 30. Geburtstag mehr Tore erzielt als davor. "Ich habe also noch einiges vor mir", sagte Stindl dazu, halb im Scherz, halb ernst. Man darf es aber auch als Versprechen verstehen.

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(kk)